Ranzel: Projekt „FlowerBeet“ soll auf natürliche Weise vor Blattläusen schützen

Man darf keine neonicotinoiden Saatgutbeizen mehr benutzen, um Zuckerrüben vor Blattläusen zu schützen, aber ein Insektizid schon. Ein Ranzeler Landwirt ist jetzt teil eines Forschungsprojekts, bei dem Nützlinge Blattläuse vertreiben sollen.

Ranzel: Projekt „FlowerBeet“ soll auf natürliche Weise vor Blattläusen schützen

„Die Landwirtschaft bewegt sich stets auf einem schmalen Grat zwischen nachhaltigem Umweltschutz und einer immer größer werdenden Nachfrage nach Nahrungsmitteln“, so der Ranzeler Landwirt Stefan Werres. Dabei gibt es Auflagen, die den Landwirt manchmal an der Sinnhaftigkeit von Gesetzen und Verordnungen zweifeln lassen. „Im Rheinland traten in den Vorjahren - nach dem Verbot der neonicotinoiden Saatgutbeizen - verbreitet Blattläuse und Vergilbungssymptome in Zuckerrüben auf. Besonders der frühe Befall mit Blattläusen, verbunden mit der Übertragung von Vergilbungsviren, führt zu erheblichen Ertragsverlusten bei den Zuckerrüben“, so Werres. Durch das Verbot der Saatgutbeize, hierbei wurden Samen und Beizmitteln in einer „Pille“ in die Erde gebracht, kann sich die Rübe nicht gegen die Schaderreger aus eigener Kraft wehren.

Da muss der Landwirt dann anderweitig eingreifen, um seine Pflanzen zu schützen. „Dieser erlaubte Eingriff bedeutet aber, dass das gesamte Feld flächendeckend mit einem Insektizid gespritzt werden muss und so letztendlich mehr Wirkstoff ausgebracht wird“, so Werres.

Projekt „FlowerBeet“: Zuckerrüben durch Nützlinge vor Blattläusen schützen

Aber der Landwirt geht auch neue Wege und hat sich daher, nach einer Anfrage des Leibniz-Institut zur Analyse des Biodiversitätswandels und des Zoologischen Forschungsmuseum Alexander Koenig, dem Projekt „FlowerBeet“ (Nützlings Förderung durch produktionsintegrierte Blühstreifen im Zuckerrübenanbau) angeschlossen. Im Projekt „FlowerBeet“ wird untersucht, ob sich ein Befall mit Blattläusen in Zuckerrüben durch Nützlinge kontrollieren läßt. So wurden auf einem Rübenacker von Stefan Werres drei sechs Meter breite Blühsteifen angelegt und in einer bestimmten Reihenfolge vier verschieden Blühmischungen mit heimischen Pflanzen wie Kornblume, Klatschmohn, Ringelblume, Rotklee Ackerbohnen, Tagetes und Kornblumen eingebracht. Diese Pflanzenarten blühen früh im Jahr und sollen dadurch schon im zeitigen Frühjahr Nützlinge anlocken. Auf einem Rübenacker an der L269 kann man jetzt beim Spaziergang die Struktur, die hinter dem Projekt steht, erkennen. Es blüht bereits üppig zwischen den Zuckerrüben und die prächtigen Farben erinnern an Bilder von Claude Monet.

Angelockt durch die Blühmischungen werden viele Nützlinge hier heimisch und ernähren sich von den Blattläusen, welche die unbehandelten Zuckerrübenblätter befallen haben. So wird die biologische Vielfalt in der Agrarlandschaft gefördert und die Nützlinge, wie der Marienkäfer, finden reichlich Nahrung.

Was erhofft sich die Forschung von diesem Projekt?

Ob sich ein Befall mit Blattläusen in Zuckerrüben durch Nützlinge kontrollieren lässt, wird nun wissenschaftlich untersucht. Dabei geht es um die Frage, welche Blühmischung den besten Effekt erzielt. Dazu haben die Wissenschaftler kleine Insektenfallen im Feld aufgestellt, um zu kontrollieren, wie viele Schädlinge dort vorhanden sind. Besonders gefürchtet ist die Grüne Pfirsichblattlaus, deren Virus zu 30 Prozent Ernteverlust führt. Am Ende der zweijährigen Testphase soll das Projekt Aufschluß über die Möglichkeiten geben, mit Hilfe von optimierten Blühstreifenmischungen in Zuckerrübenfeldern Nützlinge gezielt anzusiedeln und zu fördern. Damit ließe sich die Anwendung von Insektiziden zum Schutz der Zuckerrüben vor virusübertragenden Blattläusen reduzieren oder sogar ersetzen.

Gefördertes Projekt

Erkenntnisse über grundsätzliche Wirkungszusammenhänge lassen sich zur Gestaltung von Zuckerrüben-Anbauverfahren in konventionellen Betrieben ebenso wie im ökologischen Zuckerrübenanbau nutzen. Gefördert wird das Projekt im Rahmen des Innovationsfonds Forschung für Innovationen in der Landwirtschaft der Landwirtschaftlichen Rentenbank. Damit werden auch Landwirte wie Stefan Werres entschädigt, denn durch den Versuch gehen ihm derzeit 20 Prozent der nutzbaren Fläche verloren.

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