Ärger um Jetski-Fahrer auf dem Rhein bei Niederkassel

Interessenskonflikte zwischen Hobbysportlern und Anwohnern. machPuls hat sich informiert: Was ist erlaubt und was nicht?

Ärger um Jetski-Fahrer auf dem Rhein bei Niederkassel

Der Sommer hat zwar noch nicht angefangen, aber die ersten Sonnenstrahlen und angenehme Temperaturen ziehen die Menschen nach draußen. Am Rhein ist es jetzt besonders schön; für Erholungssuchende und Spaziergänger, aber auch für Wassersportler. So wie am Rheidter Werth, einem Naherholungs- und Landschaftsschutzgebiet. Hier prallen die Interessen aufeinander. Die Menschen an Land sehen in den Personen auf dem Wasser Störenfriede und fragen sich, ob es überhaupt erlaubt ist, mit Wassermotorrädern, sogenannten Jetskis, auf dem Strom zu fahren.

machPuls hat nachgefragt: Was ist erlaubt?

Dazu sagte Florian Krekel, Fachbereichsleitung Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Rhein: „Der als Wassermotorradstrecke ausgewiesene Bereich ist die linke Hälfte des Rheins zwischen Rheinkilometer 666,5km und 667km - am linken Ufer stehen die entsprechenden Schilder. Das Tafelzeichen E.22, ein Jet-Ski auf blauem Grund sowie zusätzliche dreieckige Tafeln und rechteckige Schilder zu dem Tafelzeichen zeigen die Längen- und soweit erforderlich, die Breitenbegrenzung der freigegebenen Wasserflächen an. Innerhalb dieses Bereiches sind Auf- und Abfahrten in kurzer zeitlicher Abfolge und die für Wassermotorräder typischen Manöver erlaubt. Außerhalb dieser Fläche sind nur Transfers zwischen Einsatzstelle und Wassermotorradstrecke zulässig und sogenannte Wanderfahrten, bei denen ein Streckenpunkt nicht mehr als zweimal passiert werden darf. Dabei ist unbedingt ein geradliniger Kurs einzuhalten. Wir erwarten von allen Verkehrsteilnehmern auf unseren Wasserstraßen, dass sie sich an diese Vorgaben halten und auf einander Rücksicht nehmen“, so Krekel.

Wo darf gefahren werden?

Die Wassermotorradstrecke beginnt linksrheinisch auf Höhe des nördlichen Endes der Niederkasseler Rathausstrasse und endet auf Höhe des Hafens der EVONIK Industries in Lülsdorf. Darüber hinaus gibt es viele weitere Vorschriften, an die sich die Wassersportler halten müssen. Geregelt ist dies in der Verordnung über das Fahren mit Wassermotorrädern auf den Binnenschifffahrtsstraßen (Wassermotorräder-Verordnung - WasMotRV) vom 31. Mai 1995. So muss der Fahrer bei der Vorbeifahrt an anderen Verkehrsteilnehmern, anderen Personen im Wasser, am Ufer, an Regelungsbauwerken, schwimmenden oder festen Anlagen oder Schifffahrtszeichen, einen Mindestabstand von 10 m einhalten und die Geschwindigkeit drosseln. Die Jet-Piloten dürfen grundsätzlich zwischen 07.00 bis 20.00 Uhr, jedoch nicht vor Sonnenaufgang und nach Sonnenuntergang, und nur bei Wetter mit einer Sicht von mehr als 1 000 Metern fahren. Zum Fahren eines solchen Gefährts benötigt man einen Sportbootführerschein Binnen, muss mindestens 16 Jahre alt sein und sich an zahlreiche Bestimmungen halten.

Beschwerden ohne Wissen über rechtliche Situation

„Trotzdem gibt es immer Menschen, denen unser Hobby missfällt und die sich grundlos beschweren, ohne über die rechtlichen Hintergründe informiert zu sein“, so ein Jetski-Fahrer an der NATO-Rampe auf Nachfrage. Die Fahrten sind also stark reglementiert, für den Zuschauer aber oft ein Highlight. Eine Barrel Roll, bei der sich der Jetski-Fahrer samt Fahrzeug einmal um die eigene Achse dreht oder rasante Slalomfahren, mit den meist über 300 PS starken, bis zu 140 km/h schnellen und bis zu 25.000 Euro teuren Wassermotorrädern verlangen dem Zuschauer schon Respekt ab.

Auch Wasserski ist nicht verboten

Im Niederkasseler Bereich kommen aber auch die Wasserskifreunde zum Zug. Sie dürfen, von einem Motorboot gezogen, ihrem Hobby auf dem Rhein nachgehen. Deren ausgeschilderte Strecke verläuft rechtsrheinisch unterhalb der Mondorfer Lux-Werft bis zur NATO-Rampe nördlich von Rheidt. Dies alles führt hin und wieder zur Verärgerung von Anwohnern, Spaziergängern und Erholungssuchenden, gerade im Bereich des Landschaftsschutzgebiets Rheidter Werth, liegt aber im Bereich des vom Gesetzgeber erlaubten.

„Ich weiß über Social-Media-Kanäle, dass es auch in Niederkassel Menschen gibt, die den Geräuschpegel der Wassermotorräder als störend empfinden. Es gehen bei uns nur sehr selten Beschwerden ein, da die Stadt Niederkassel bzw. das Ordnungsamt keine rechtlichen Möglichkeiten hat, hier einzugreifen, wenn es zu Verstößen kommt. Diese fallen in den Zuständigkeitsbereich der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung (WSV) des Bundes, bzw. der Wasserschutzpolizei“, so der Leiter des Ordnungsamtes Niederkassel, Heiner Nellen.

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