Einweggeschirr adé: Was das Verbot von Einwegplastik für Niederkasseler Gastronomen bedeutet

Wer Take-Away anbietet, muss seit Anfang Juli auch bei uns auf umweltfreundlichere Alternativen umstellen. Was sagen die Betroffenen?

Einweggeschirr adé: Was das Verbot von Einwegplastik für Niederkasseler Gastronomen bedeutet

Seit dem 3. Juli ist der Vertrieb von Wegwerf-Artikeln aus Kunststoff in der EU verboten. Davon sind natürlich vor allem Gastronomen mit Außerhausverkauf betroffen. Noch vorhandene Ware dürfen Händler abverkaufen. Wir haben nachgefragt, wie Betriebe in Niederkassel zu der Gesetzesänderung stehen und auf welche Alternativen sie umstellen.

Die Auswirkungen eines hohen Plastikkonsums auf Umwelt und Klima sind verheerend. Daher hat die EU ein neues Gesetz beschlossen, das den Vertrieb von Einwegkunstoffen verbietet. Darunter fallen konkret:

  • Strohhalme

  • Einweg-Geschirr

  • Rührstäbchen

  • To-go-Becher

  • Einweg-Behälter aus Styropor

  • Luftballonstäbe

  • Wattestäbchen

  • Einwegprodukte aus Pappe, die nur zu geringen Teilen aus Kunststoff bestehen oder damit überzogen sind.

Wichtig: Das Verbot bezieht sich sowohl auf Artikel aus konventionellem Kunststoff als auch auf Waren aus biobasiertem oder biologisch abbaubarem Plastik.

Alternativ sollen Händler auf naturbasierte Verpackungen aus Holz, Bambus und Kartoffelstärke oder auf wiederverwendbare Verpackungen sowie Glas- oder Metallbehälter zurückgreifen. Auch etablieren sich derzeit mehrere Anbieter von Pfandsystemen in Deutschland, das hingegen vorrangig in großen Innenstädten und bei Betreibern von Ketten oder Franchise-Unternehmen.

So sieht die Lage in Niederkassel aus: Guter Ansatz, doch kaum umzusetzen

Daniel Braumüller, Betreiber von Danskitchen, befürwortet das neue Gesetz grundsätzlich. Schon vorher hat er auf To-go-Boxen aus Rockzucker und Saucen-Schälchen aus recyceltem Plastik gesetzt. Dabei beobachtet er bereits seit einer Weile eine erhöhte Nachfrage nach plastikfreien Alternativen, vor allem von Betrieben aus großen Innenstädten. Seine Befürchtung: Wenn nun alle Gastronomen auf solche Artikel zurückkommen müssen, könnte das Angebot erst mal knapp werden.

Außerdem kritisiert er, dass das Verbot nicht gut durchdacht worden sei. Er hätte sich vorab einen direkten Austausch zwischen der Regierung und betroffenen Händlern gewünscht. In seinem Betrieb fallen monatlich bis zu 15.000 Verpackungen an. Die Einführung des vorgeschlagenen Pfandsystems stellt er sich so gut wie unmöglich vor. Dafür seien derzeit keine logistischen und organisatorischen Voraussetzungen gegebenen. Diese reiche von hohen Anschaffungskosten über mangelnde Lagerkapazitäten sowie zusätzliche Reinigungs- und Hygienemaßnahmen.

Auch das Mitbringen von eigenem Geschirr vonseiten der Kunden sei nur schwierig umsetzen: Braumüller fürchtet, dass dies vor allem zeitlich den Betrieb aufhalten könnte.

Unklarheit über Alternativen überwiegt

Das Pizza und Kebab Haus in Ranzl und das Eiscafé La Piazza brauchen zunächst ihre Bestände auf. Auf welche Alternativen die Betreiber umsteigen werden, ist noch nicht klar. Vorab müssen sie sich einen Überblick über die vorhandenen Ausweichmöglichkeiten verschaffen und Angebote vergleichen. Das Pizza und Kebab Haus hat Glück: Dönergerichte werden meist ohnehin in Papiertaschen verkauft. Auf Verpackungen aus Alufolie muss jedoch verzichtet werden. Im Eiscafé sieht die Lage kritischer aus: für Spaghetti-Eis und Co. bedarf es robuster, auslaufsicherer Schalen. Die Betreiber gehen davon aus, dass sie für umweltfreundlichere Verpackungen zukünftig tiefer in die Tasche greifen müssen.

Alternative Waren aus Pappe eignen sich laut der Betreiberin des Café Hafenschlösschen nur bedingt: Strohhalme aus Papier oder auch der Ausschank von Aperol Spritz oder Sekt in Pappbechern kommen bei vielen Kunden nicht gut an. Sie betont zudem, dass Großhandel-Betriebe ihr Sortiment bereits vor Umsetzung des Gesetzes entsprechend der Vorgaben umgestellt und keine Plastikartikel mehr verkauft haben.

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