Niederkassel: Zoff im Hühnerhof der Familie Becker

Hugo - ein „geschenkter“ Hahn führt zu erheblichen Unruhen im Stall

Niederkassel: Zoff im Hühnerhof der Familie Becker

Friedlich picken 440 Hühner rund um ihr mobiles Wohnhaus, ein sogenanntes Hühnermobil, auf der Wiese herum. Bewacht und begleitet werden sie von sieben Hähnen. Diese Idylle auf dem landwirtschaftlichen Hof der Familie Becker in Uckendorf wurde in der Nacht von Donnerstag auf Freitag erheblich gestört.

Agressiver Hahn Hugo stört Ruhe im Stall

„Als ich am Freitagmorgen nach meinen Hühner gesehen habe, fiel mir ein Zettel am Hühnermobil auf. Was da stand, konnte ich zuerst nicht glauben“, so Julia Becker. Den Zettel hatte eine verzweifelte Dame geschrieben. „Entschuldigen Sie, das ich ihnen meinen Hahn Hugo aufs Auge gedrückt habe. Ich weiß mir nicht mehr zu helfen, denn der Hahn greift meinen Mann und mich an und mein Mann wollte ihn schon schlachten“. Julia Becker öffnete die Türe zu dem Hühnermobil und da stand Hugo, ein zwei Jahre alter Sundheimer Hahn, kampfbereit und aggressiv, um auf sie loszugehen. „Zum Glück hatte die Halterin Hugo in den Vorraum des Hühnermobils gesperrt, sodass er nicht mit den anderen Hühner in Kontakt kommen konnte“, so die Diplom-Agraringenieurin.

Ein schlechter Scherz

Was sich für einen Außenstehenden lustig anhört, hätte für die Hühner böse Folgen haben können. Salmonellen, Bronchitis und Wurmbefall sind nur einige der Krankheiten, die ein fremdes Tier in eine Hühnerschar tragen kann. „Um Krankheiten zu erkennen und Maßnahmen ergreifen zu können, kommt regelmäßig der Tierarzt auf den Hof und testet die Tiere. Die Hühner leben das ganze Jahr über in unseren Hühnermobilen. Die Tiere haben dort Sitzstangen zum Schlafen, Futter- und Wasserstätten, mit Dinkelspelzen eingestreute Gemeinschaftslegenester sowie einen Bereich, in dem sie nach belieben picken und scharren können. Tagsüber können die Hühner durch die untere Etage den Außenbereich nutzen und dort ihren natürlichen Bedürfnissen nachgehen. Durch das wöchentliche Umsetzen der mobilen Hühnerställe wird einer schädlichen Überbelastung des Bodens entgegengewirkt und den Tieren steht permanent frisches Gras zur Verfügung, sowie Weizen aus eigenem Anbau. „Ich liebe Hühner und tue alles für sie. Aber ein fremdes Huhn in einen Verbund gleichaltriger und gleichartiger Hühner zu stecken, führt zu Unruhe und Panik im Stall“, so Becker.

Klare Hackordnung im Stall

Sie wusste zu berichten, dass Hühner eine, im wahrsten Wortsinn, Hackordnung haben. „Unsere Hühner sind alle am gleichen Tag geboren und leben von Anfang an zusammen. Und ein fremdes Huhn hätte keine Chance, dort aufgenommen zu werden, sondern es würde zu Kämpfen untereinander kommen. Vor einem Jahr gab es schon einen unfreiwilligen Zuwachs im Stall, als ein Jugendlicher uns ein Huhn in einer Nacht- und Nebel Aktion untergeschoben hatte, ein unüberlegtes Geschenk seiner Freunde zum 18. Geburtstag. Danach hatten wir dutzende tote Hühner zu beklagen und unsere Kunden bekamen keine Eier“, sagte Julia Becker. Unterstützt von ihrem Mann Andreas, beide mit dicken Handschuhen ausgerüstet, gelang es dann, Hugo in Gewahrsam zu nehmen.

Ein Aufruf auf Facebook brachte Hugo ein neues Zuhause

Den Aufruf der Landwirtin auf Facebook, auf der Suche nach einer Lösung, lasen viele Menschen und gleich fünf von ihnen wollten Hugo ein neues Zuhause geben. „Ich habe mir denjenigen ausgesucht, der Erfahrung mit Hühnerhaltung hat und Hugo sicher ein gutes Zuhause bieten wird. Jetzt ist der Ehefrieden bei Hugos ehemaligen Haltern wieder gesichert, dem Hahn geht es gut, er landet nicht im Suppentopf und unsere Hühner können das tun, was sie am liebsten machen: scharren, picken und nach Würmern suchen“, so Julia Becker. Die Landwirtin erhält wöchentlich Anfragen, ob sie Hühner aus Hobbyhaltung übernehmen könnte. „Das muss ich leider aus vorgenannten Gründen ablehnen. Ich helfe und berate aber gerne. Nur bitte keine Tiere hier auf den Hof bringen“, so ihr Appell.

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