Sperrung führt zu herben Umsatzeinbußen für zwei Landwirte

Die Baustellen und die Beschilderungen an der L269 ärgern nicht nur Autofahrer.

Sperrung führt zu herben Umsatzeinbußen für zwei Landwirte

Die Umbauarbeiten an der Landstraße zwischen Uckendorf und Spich sind bald abgeschlossen. Nur der dritte Bauabschnitt, zwischen Stockem Ortsausgang und dem Verteilerkreis in Spich, muss noch fertiggestellt werden. Die geplagten Autofahrer atmen langsam auf, denn in den vergangenen zwei Monaten wurde ihre Geduld auf eine harte Probe gestellt. Durch den sanierungsbedingten Ausfall einer Hauptzubringerstraße in Richtung Autobahn kam es zu erheblichen Umwegen und langen Staus auf den anderen Straßen. Die Verkehrsteilnehmer hatten morgens große Probleme aus Niederkassel herauszukommen und am Abend das gleiche Bild, nur in umgekehrter Richtung.

Aufatmen können jetzt auch zwei Stockemer Landwirte. Peter Capellmann vom Broicherhof und Ursula Braschos vom Drolshagener Hof „Himmel und Erde“ haben ihre landwirtschaftlichen Betriebe mit angeschlossenem Hofmarkt an der L269. Beide mussten in der Bauphase einen herben wirtschaftlichen Verlust wegstecken, denn ihre Geschäfte waren nur sehr schwer zu erreichen. (machPuls berichtete über die Situation an der Baustelle) Das die Straße saniert werden musste, wollen beide nicht in Abrede stellen. Capellmann erinnert sich daran, dass die Straße bereits in den 1960er Jahren gebaut wurde und daher erhebliche Mängel aufwies. Was Capellmann und Braschos aber nicht nachvollziehen können, ist die Art der Kommunikation von und mit Straßen.NRW.

„Man kann uns doch nicht einfach vor vollendete Tatsachen stellen.“ (Peter Capellmann)

„Erst zwei Wochen vor Baubeginn ist man mit uns in Kontakt getreten, aber nur, weil ich mich schriftlich an Straßen.NRW gewandt habe", so Capellmann. „Auch die Ausschilderung für die Autofahrer ist für mich nicht nachvollziehbar gewesen. Das war suboptimal und hat mehr Verwirrung gestiftet, als der Information gedient", sagte Ursula Braschos. Beide mussten durch diese, in ihren Augen desaströse Kommunikation, erhebliche Einbußen hinnehmen. „Der Umsatzrückgang in den ersten vier Wochen, als unsere Hofmärkte nur von Spich aus angefahren werden konnten, lag bei fünfzig Prozent. Noch härter traf es uns mit der Sperrung der Straße von Spich aus. Hier mussten wir Einbußen von achtzig Prozent hinnehmen", so Capellmann.
Beide sind überzeugt, dass man im Vorfeld alles hätte besser lösen können. „Man muss doch mit den Betroffenen sprechen und gemeinsam nach Lösungen suchen. Man kann uns doch nicht einfach vor vollendete Tatsachen stellen", so Capellmann. Beide fürchten jetzt um das anstehende Weihnachtsgeschäft. „Wir konnten unsere Kunden nicht rechtzeitig über die Baumaßahmen und deren Dauer informieren, so dass sie uns in der Folgezeit nicht mehr erreicht haben. Diese Kunden fehlen uns, was sich im beginnenden Weihnachtsgeschäft schmerzlich bemerkbar macht. Gerade jetzt ist die Zeit der Vorbestellungen von Wild und Geflügel", so Braschos. Ob die verlorenen Kunden zurückkommen, wird sich in den nächsten Monaten zeigen.

„Es ist ein Unding, dass eine vom Steuerzahler finanzierte Behörde so dilettantisch arbeitet", sagte ein erzürnter Peter Capellmann. Zumal das in diesem Jahr bereits die zweite Baumaßnahme mit gravierenden Folgen für die Landwirte war. „Passend zur Spargelzeit wurde mit den Bauarbeiten für die Bushaltstellen, die sich erheblich in die Länge zogen, begonnen, was ellenlange Staus zur Folge hatte“, so Braschos.

Dazu sagte auf Nachfrage Timo Stoppacher von Straßen.NRW: „Wir mussten unserem Auftrag nachkommen, da der Zustand der Straße sehr schlecht war. Viele kleine Risse und ein teilweise fehlender Unterbau, der auch für eine verlängerte Bauzeit verantwortlich war, erforderten eine dringende Sanierung, sonst hätte die Straße beim nächsten Frost gesperrt werden müssen. Wir haben im Sommer die Kommune informiert und im September die erste Pressemitteilung dazu herausgegeben. Kommunikation und Absprachen liegen in Händen der bauausführenden Firmen“, so Stoppacher. Auf die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt wies er darauf hin, dass mehr Aspekte als die Wünsche der betroffenen Anwohner beachtet werden müssten. „Der Beginn einer Baumaßnahme hängt von vielen weiteren Faktoren ab. Ein großes Problem sind u.a. die bauausführenden Firmen, nach deren Kapazitäten wir uns richten müssen“, so Stoppacher. Auch eine halbseitige Sperrung der Straße sei nach der seit 2017 geltenden sogenannten Arbeitsstättenrichtlinie 5.2 nicht möglich gewesen, da der nötige Sicherheitsabstand wegen der engen Fahrbahn nicht gegeben war.

Am 2.12.2019 wird die Straße nach derzeitigem Stand offiziell wieder für den Verkehr freigegeben.

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