Bergheimer Siegaue früher und heute - wie hat sich die landwirtschaftliche Nutzung verändert?

Sabine Klinke, Lehrerin im Ruhestand, begrüßte am Samstag am Fischereimuseum zu einem Spaziergang durch die Kulturlandschaft Sieg. Man erfuhr vieles über die Veränderung der Siegaue von früher zu heute.

Bergheimer Siegaue früher und heute - wie hat sich die landwirtschaftliche Nutzung verändert?

„Bis in die sechziger Jahre hat hier auf den Feldern noch das Vieh geweidet und die Bauern haben ihre Felder bestellt“

„Bis in die sechziger Jahre hat hier auf den Feldern noch das Vieh geweidet und die Bauern haben ihre Felder bestellt“. Die Felder und Obstgärten lieferten den Bergheimer Fischern lange Zeit wertvolle Nahrungsmittel wie Getreide, Kartoffeln, Obst und Gemüse. Das änderte sich mit dem Bau der Siegbrücke und der Straße nach Bonn. Die Erde der Felder wurde zur Aufschüttung der Straße durch die Siegniederungen gebraucht und so entstanden tiefe Gräben, die sich mit Wasser füllten. Die damaligen Landbesitzer bekamen pro Apfelbaum 5 DM als Entschädigung, sagte Heinrich Engels, der gemeinsam mit seiner Tochter Sandra die Wanderung unternahm. Engels konnte, als Mitglied der über 1000-jährigen Fischerei-Bruderschaft Bergheim viel zu Entstehung der jetzigen Landschaft erzählen. „Früher hatten wir hier alle unsere Äcker, Gärten und Obstgärten. Davon ist heute nur noch wenig zu sehen“, so Engels. Zu sehen sind allerdings viele Pappeln. Hier habe man früher weniger die Schwarzpappel gepflanzt, sondern die schnellwachsende Hybridpappel, erklärte Klinke. „Die Menschen brauchten schnell Holz und daher wurde diese Baumart angepflanzt. Nach rund 40 Jahren sind die Pappeln aber nicht mehr standsicher und es brechen große Äste ohne Vorwarnung ab. Daher wurden hier in den Auen viele Pappeln bis auf fünf Meter heruntergeschnitten“, so Klinke. Das ist kein schöner Anblick, aber es gibt auch viele Profiteure solcher Bäume. So hat man hier schon Kleiber, Grün,- Bunt und Mittelspechte gesichtet, die sich in diesen Bäumen ihre Bruthöhlen bauen. Auch wurden hier bei nächtlichen Exkursionen bis zu zehn verschiedene Fledermausarten entdeckt. An den Ufern des Discholls tummeln sich Nutrias, Wasserschildkröten schwimmen durch Teichrosenfelder und Graureiher warten geduldig auf unvorsichtige Fische. Walnussbäume und Haselnusssträucher breiten sich langsam aus, während sich das drüsige Springkraut und die Brennesseln überall breit gemacht haben. Weiden findet man hier allerdings nur noch selten. Früher waren sie ein wichtiger Erwerbszweig, denn aus ihnen wurden vielerlei Körbe geflochten, eine Kunst, die nur noch wenige beherrschen. Nur noch wenige Felder werden heute zum Anbau von Getreide, Mais und Kartoffeln genutzt, die Obstgärten sind größtenteils verwildert. Aber die verbliebenen Bäume und Sträucher tragen immer noch Früchte wie Pflaumen, Brombeeren und Äpfel, die man sammeln kann. Ein Spaziergang lohnt sich also immer.

Logo