Sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche – bei uns in Niederkassel?

Auftaktveranstaltung zur Kampagne: Niederkassel gegen sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen

Sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche – bei uns in Niederkassel?

Sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen – so präsent das Thema in den Medien ist, so wenig können wir uns vorstellen, dass diese Übergriffe tatsächlich in unserer Nachbarschaft, unserem Umfeld, unserer Stadt vorkommen. Leider ist diese Einschätzung aber naiv. Nach den Vorfällen in Lügde, Münster und Bergisch Gladbach müssten wir es auch eigentlich besser wissen. Die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) zeichnet ein klares Bild - 2020 stiegen in Deutschland die Fallzahlen: Den Ermittlungsbehörden wurden 14.594 Straftaten des sexuellen Kindesmissbrauchs bekannt. Opfer waren in 73% der Fälle Mädchen, in 27% Jungen. Hinzu kamen 21.868 Fälle sogenannter Kinder- und Jugendpornografie.

NRW: Trauriger Spitzenreiter

Im Ländervergleich ist NRW Spitzenreiter mit etwa 20% bis 25% aller angezeigten Fälle. Und das ist nur das sogenannte Hellfeld. Das Dunkelfeld, die Zahl der nicht polizeilich bekannten Fälle, ist weitaus größer. Diesbezügliche Forschungen haben ergeben, dass etwa jeder siebte bis achte Erwachsene in Deutschland sexuelle Gewalt in Kindheit und Jugend erlitten hat. Unter den Frauen ist jede fünfte bis sechste betroffen. Dabei werden die weitaus meisten der Missbrauchsfälle durch Täterinnen oder Täter aus dem direkten Umfeld begangen.

Niederkassel gegen sexuelle Gewalt

Damit haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, Handlungssicherheit gewinnen und vor Ort ein tragfähiges Netzwerk gegen sexuelle Gewalt gebildet werden kann, veranstaltet die Stadt Niederkassel am Mittwoch, dem 17.11.2021 von 16:00 Uhr bis 18:30 Uhr in der Aula des Kopernikus Gymnasiums eine Auftaktveranstaltung zur Kampagne Niederkassel gegen sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen.

Kindertagesstätten, Kindertagespflege, Offene Ganztagsschulen, Grundschulen und weiterführende Schulen, Vereine und Akteure der Jugendhilfe, Kirchengemeinden, niedergelassene Ärzt/-innen und Therapeut/-innen, sowie Polizei, Justiz wurden von der Stadtverwaltung hierzu eingeladen. Die Resonanz auf unsere Initiative ist groß, so Jugendamtsleiterin Hartmann.

Der Schulleiter des Kopernikus Gymnasiums, Herr Dirk Stueber, Bürgermeister Stephan Vehreschild, und Kinderarzt Dr. med. Ulrich Sprenker eröffnen die Veranstaltung.

Sensibilisierung als Ziel der Veranstaltung

Ein Impulsvortrag von Ursula Enders, eine der Pionierinnen und Gründerin der Kontakt- und Informationsstelle gegen sexuellen Missbrauch an Mädchen und Jungen, Zartbitter e.V. aus Köln, wird „klar, kompetent und lebensfroh“ aufzeigen, wie Kinder und Jugendliche vor sexueller Gewalt geschützt werden können und wie Betroffene und deren Angehörige fachlich kompetent beraten werden sollten.

Das Ziel der Auftaktveranstaltung ist neben Information und Fachaustausch, die Bildung einer interdisziplinären Steuerungsgruppe die die Kampagne trägt.

„Indem wir Fachkräfte uns intensiv mit dem Thema ‚sexuelle Gewalt‘ auseinandersetzen, werden wir sensibler, kompetenter und bessere Ansprechpartner für Kinder und Jugendliche, die sich offenbaren“, so der Schirmherr der Kampagne, Dr. med. Ulrich Sprenker.

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