Wahlkampf 2020: Was ist los in Niederkassel?

Kolumne „Bönnsch Mädche in Niederkassel“

Wahlkampf 2020: Was ist los in Niederkassel?

Die Kommunalwahlen in Nordrhein-Westfalen stehen vor der Tür und so heißt es am 13. September auch in Niederkassel: ran an die Wahlurnen! Aber was wäre eine Kommunalwahl ohne Wahlkampf, bunte Plakate und den ein oder anderen kleinen Skandal? Auch in diesem Jahr haben sich die Fraktionen vor Ort wieder eine Menge einfallen lassen. Zum Auftakt meiner neuen Kolumne habe ich mir die Wahlplakate einmal etwas genauer angesehen.

CDU: Schwarz, schwarz, schwarz ist alles, was ich kenne

Seit einer gefühlten Ewigkeit hält die CDU nun bereits das Niederkasseler Rathaus unter Beschlag. Wenn es nach ihnen geht, soll das auch so bleiben. Mit Schwert und (Vehre)Schild bewaffnet, ziehen sie in diesem Jahr erneut in den Wahlkampf. Und auch in den (Haupt)Straßen ist ihre Vorherrschaft kaum zu übersehen. In Mondorf scheinen die Christdemokraten besonders viel Geld in die Hand genommen zu haben. Wer die Hauptstraße entlangfährt oder (eine beliebte Feierabendbeschäftigung für Pendler) hier im Stau steht, bekommt die Möglichkeit, die Köpfe aller Kandidaten in ihrer vollen Pracht zu begutachten. Ein Slogan? Nicht nötig. „Für Niederkassel in den Stadtrat“ – das genügt.

Die CDU setzt auf Bewährtes und auf die Treue ihrer Wähler. „Wir können das, Wir machen das“ verkündet die Fraktion selbstsicher auf ihren Plakaten. Et hätt ja noch (fast) immer jot jejange.

FDP: Eine Frau will die Festung stürmen

Auch die FDP setzt auf Köpfe. In diesem Jahr insbesondere auf einen Kopf, und der ist weiblich. Im Alltag sitzt dieser auf den Schultern von Bürgermeisterkandidatin Annette Wickel. Eine Frau und dann direkt eine FDP-Frau an die Spitze von Niederkassel? Das wäre innovativ. Mindestens so innovativ wie die diesjährigen Forderungen der Partei: „Für den Fortschritt“, „Wohlstand muss erwirtschaftet werden“, „Rhein-Sieg besser machen“.

Schaut man auf frühere Ergebnisse der Partei, scheint der Kampf um das Amt des Bürgermeisters für die FDP schier aussichtslos zu sein. Doch wer weiß. Schließlich konnte auch der Riese Goliath vom kleinen David besiegt werden, und das nur mit Hilfe einer einfachen Steinschleuder.

Die Grünen: Wollen Sie Verstecken spielen?

Aber wo sind denn in diesem Jahr nur die Grünen geblieben? Das Niederkasseler Bündnis hat sich in diesem Jahr gegen eine breite Plakatierung entschieden. Sie setzen auf Anzeigen in Print- und Online-Medien. Das Ziel: Müll vermeiden und die Umwelt entlasten. Klingt doch erst einmal recht modern und zukunftsgerichtet. Wir von machPuls jedenfalls sind glücklich darüber und würden uns freuen, wenn in Zukunft alle Parteien im Wahlkampf nur noch auf die Medien setzen würden - ganz uneigennützig, versteht sich (HIER geht’s zu unserem Vertrieb).

Ganz auf die Werbung vor Ort wollten aber auch die Grünen noch nicht verzichten, und so findet man immerhin zwei Plakate von ihnen, eins in Rheidt und eins in Niederkassel-Ort. „GRÜN IST…viele Arten in deinem Garten“, „GRÜN IST…Überholen auf dem Radweg“, keine Köpfe, stattdessen schöne bunte Bildchen – individuelle Plakate, wie es sie wohl so NUR in Niederkassel geben kann…und in Troisdorf…und in Oberhausen...und in Leverkusen…

SPD: Die Skandalnudel rechts vom Rhein

Was war denn in diesem Jahr nur mit der SPD los? Die stolperte in den vergangenen Monaten von einem Fettnäpfchen ins nächste. Angefangen hat es bereits Anfang Juni, als die Fraktion – entgegen einer freiwilligen Vereinbarung aller Fraktionen vor Ort – den Wahlkampf mit einem großen Plakat ihres Bürgermeisterkandidaten Matthias Großgarten einläutete. Eine Aktion, die zu kurzfristiger Empörung und einer hitzigen Diskussion über die Sozialen Medien führte. Weiter gings einen Monat später mit einem Beitrag Großgartens über Facebook, in dem er einen „Kahlschlag am Deich“, eine angebliche Zerstörung von 1000 m² Blumenwiese, anprangerte. Blöd nur, dass das beigefügte „Beweisfoto“ einen Deich auf Kölner Stadtgebiet zeigte. Damit noch nicht genug, sorgte die SPD vor einigen Wochen mit einer Anzeige in der MOZ sogar für überregionale Schlagzeilen. Auf dem Bild, mit dem die Partei für den Ausbau einer Stadtbahn werben wollte, sieht man Großgarten in lässiger Pose auf einem Gleisabschnitt sitzen. „Lebensgefahr! Was ein SPD-Politiker HIER macht, ist streng verboten“ schreibt die Online-Zeitung Der Westen.

Schlechte Presse ist ja bekanntlich besser als gar keine. An einem klaren Ziel mangelt es der Niederkasseler SPD jedenfalls nicht. „In den Stadtrat – ich will“ verkünden die Wahlplakate. Nun denn: Möge das Wahlergebnis mit euch sein!

Klar wie Kloßbrühe…oder etwa nicht?

Es mag daran liegen, dass ich ortsfremd bin, aber so wirklich verstanden, worum es den Fraktionen geht, habe ich jetzt noch nicht so wirklich. Kein Wort zu Rheinspange, PCC, Schulzentrum und Co. Außer bei der SPD. Die hat ihre Forderungen einmal alle gemeinsam auf ein kleines Plakat gepappt. Kann man beim Vorbeifahren zwar unmöglich alles lesen und wenn, hat man es im nächsten Augenblick schon wieder vergessen, aber der Wille zählt ja bekanntlich.

So oder so sind wir gespannt auf den Ausgang der Wahl und bleiben besonders in den Wochen vor der Wahl ganz nah am Puls der Zeit. Übrigens: Am Sonntag diskutieren die Vertreter der Fraktionen live auf Facebook mit ihren Wählern. Seid dabei und stellt eure Fragen!

Bis bald in Niederkassel (am Rhein)! ;)

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