Ein mobiler Besuchsraum für das Haus am Deich

Seit über sieben Wochen leiden die Bewohner des "Haus am Deich" in Niederkassel-Rheidt unter dem Besuchsverbot, das aufgrund der Corona-Pandemie verhängt wurde. Jetzt wurde eine tolle Lösung gefunden.

Ein mobiler Besuchsraum für das Haus am Deich

Obwohl das Besuchsverbot nach Erlass von NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann für Menschen mit Behinderung gelockert wurde, sind Besuche in der altbekannten offenen Form noch nicht möglich. Besuche in stationären Pflegeheimen sind nur in separaten Arealen, frei zugänglichen Räumen, die ohne Betreten des Hause erreicht werden können oder in dafür hergerichteten Außenbereichen erlaubt. Diese kann das "Haus am Deich" jedoch leider nicht bieten. „Seit Wochen leiden unsere Bewohner darunter, dass sie weder Eltern noch Angehörige sehen, geschweige denn empfangen dürfen. Die Bewohner haben Heimweh und die Angehörigen haben Sehnsucht. Trotz des engagierten und einfallsreichen Personals des von der Caritas geführten Hauses kann das Defizit nicht aufgefangen werden. Hinzu kommt, dass vielen Bewohner nicht vermittelt werden kann, warum sie ihre Eltern und Angehörigen nicht sehen oder sprechen können“, so Erika Berchem, Vorstandsmitglied des Förderverein Integratives Wohnen Niederkassel e.V..

Jetzt wurde aber endlich die ideale Lösung gefunden. Die Bonner Firma Baumann vermietet mobile, audiovisuelle Besuchsräume, die allen Hygienevorschriften, Schutzvorkehrungen sowie Corona-bedingten Auflagen entsprechen. Der transportable Besuchsraum besteht aus zwei getrennten Raumeinheiten mit eigenen barrierefreien Zugängen. Eine virenundurchlässige Glasabtrennung, eine Sprecheinrichtung sowie eigene Belüftung/Abluft sorgen für einen hohen hygienischen Sicherheitsstandard. Es sind zwar keine Umarmungen oder ein Handhalten möglich, aber man kann sich endlich wieder persönlich sehen und in die Augen schauen.

Der Förderverein war so begeistert, dass er die Vorfinanzierung - in der Hoffnung auf Refinanzierung - der nicht unerheblichen Kosten für Logistik, Ausstattung und Miete übernahm, um Menschen mit Behinderung und deren Angehörigen einen lang erwarteten Besuch zu ermöglichen. Am Mittwoch, den 20. Mai 2020, gegen 8:00 Uhr war es dann so weit: Ein Kranwagen der Firma Baumann fuhr hinter das "Haus am Deich" und stellte das Raummodul im Hof des Kerngebäudes auf. Es ist sofort einsatzbereit, allerdings sind einige Regeln zu befolgen. Jeder Besucher muss sich einem Kurzscreening unterziehen, die Hygienevorschriften beachten und sich registrieren. Die Besuchszeit beträgt ca. 30 bis 40 Minuten. Anschließend wird der Besuchsraum nach der Hygieneverordnung wieder desinfiziert.

Erika Berchem zieht ein Fazit: „Wenn auch durch eine Scheibe getrennt, so können wir doch wieder Kontakt zu unseren Bewohnern aufnehmen. Diese Investition ist jeden Euro wert.“ Dr. Helene Müller-Speer, Fachbereichsleiterin der Caritas für Menschen mit geistiger Behinderung fügt hinzu: „Unser Dank gilt auch der Stadt Niederkassel, welche die Maßnahme wohlwollend unterstützt hat.“ Im Gegensatz zur Einrichtung des "Haus am Deich" sind in der Einrichtung "Haus Hildegard" in Rheidt Möglichkeiten zum isolierten Besuch bereits gegeben.

Die außergewöhnliche Aktion könnt ihr auch hier im Video sehen:

Außerdem wurde zur Aktion ein Bericht in der Bonner Lokalzeit (WDR 3) am Mittwochabend ausgestrahlt.

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