Lülsdorf: Kostenexplosion beim Neubau der Gesamtschule

Nachdem die Kosten des Neubaus der Niederkasseler Gesamtschule nun erheblich gestiegen sind, suchen Politik und Verwaltung nach Einsparmöglichkeiten.

Lülsdorf: Kostenexplosion beim Neubau der Gesamtschule

Die Planungen für das neue Schulzentrum Nord sind nun in einer entscheidenden Phase - dem Abschluss der Entwurfsplanung - angekommen. Diese Entwurfplanung präsentierten die Architekten der Arbeitsgemeinschaft Fischer und Fischer hks | architekten am Dienstagabend den Mitgliedern des Ausschusses Schulzentrum Nord.

Eine fünfzügige vollunterkellerte Schule für 1000 Schülerinnen und Schüler, mit einem großen Campus-Restaurant sowie einer multifunktionalen Dreifachhalle, die bei Veranstaltungen bis zu 1300 Personen aufnehmen kann, könnte nach derzeitigem Zeitplan im November 2025 ihren Betrieb aufnehmen. Allerdings hat diese Schule, nach höchsten Standards, barrierefrei und nachhaltig gebaut, ihren Preis. Und der kennt nur eine Richtung: nach oben. Das veranlasste die Kämmerin Andrea Herkenrath zu einem Spar-Appell an die Ausschussmitglieder.

Spar-Appell an den Ausschuss

„Durch die von den beauftragten Architekten ermittelten Mehrkosten erhöhen sich die Gesamtkosten der Maßnahme auf mindestens 65 Mio. €. In Anbetracht der desolaten Haushaltslage der Stadt und der noch zu erwartenden Verschlechterungen, z. B. durch den möglichen Wegfall der Isolierung der Corona-bedingten Mehraufwendungen bzw. Mindererträge ab 2023, den stark steigenden Energiekosten und den Auswirkungen des Ukraine-Krieges, sind diese Mehrkosten nicht vertretbar. Voraussichtlich wird die Stadt ab 2023 zur Aufstellung eines Haushaltssicherungskonzeptes verpflichtet sein. Die Maßnahme muss dringend auf Einsparpotenziale untersucht werden. Die Gesamtkosten der Maßnahme müssen reduziert werden. Ich verweise in diesem Zusammenhang auch auf die Verfügung des Rhein-Sieg-Kreises zur Genehmigung des Haushaltes 2021/2022 vom 29.04.2021. Wir müssen uns überlegen, was wir uns leisten können. Es warten noch viele weitere Aufgaben auf uns. So z.B. das neue Feuerwehrgerätehaus in Lülsdorf, mit Kosten von 2 Millionen Euro“, so die mahnenden Worte der Kämmerin.

Die Kostengruppen 300 - 400 entwickelten sich von Anfangs 38 Millionen, durch die Baupreisentwicklung sowie neue Entscheidungen und Wünsche, auf jetzt 47 Millionen Euro.

Sparvorschlag der Verwaltung

Im Vorfeld hatte die Verwaltung den Ausschussmitgliedern daher einen Sparvorschlag bei einzelnen Posten vorgelegt, über den anschließen kontrovers beraten wurde. Tanja Schulten (BN90/Grüne) fühlte sich durch die Kostenexplosion bestätigt und sagte, dass hier das Geld mit vollen Händen aus dem Fenster geworfen würde und man eineinhalb Jahre lang ein Wunschkonzert betrieben habe. Ihrer Fraktion nach könnte die Vollunterkellerung wegfallen. Auch der Veranstaltungstechnik und einer Dreifachhalle stehe man kritisch gegenüber.

Frieder Reusch (SPD) und Mathias Jehmlich (CDU) waren sich einig, dass man die Schule dringend brauche und nach eineinhalb Jahren Planung und Entwicklung nun eine zukunftsfähige Schule für Niederkassel bauen wolle. So gesehen wollten alle Ausschussmitglieder zwar auf die Kostenbremse treten, standen aber dennoch hinter dem Projekt Schulneubau. Dazu sagte der Beigeordnet Carsten Walbröhl, dass Schule eine Pflichtaufgabe der Stadt sei. Man könne aber darüber diskutieren, welche Dinge sinnvoll und wünschenswert seien, ob man das bezahlen kann und an welchen Dingen man sparen will.

So wird man mit dem vorläufigen Wegfall eines Schulkiosk Kosten von 100.000 Euro einsparen und vertagte die Frage nach einer komplexen, tagesabhängigen Lichtsteuerung, mit Kosten von rund 400.000 Euro, zur nächsten Sitzung. Viele weitere Aspekte, welche die geplanten Kosten in die Höhe treiben können oder in Zukunft treiben werden, liegen nicht im Entscheidungsbereich der Stadt. So die Terminrisiken aufgrund fehlender Fachkräfte und langer Lieferzeiten bzw. Lieferengpässe der Baustoffe und deren enorm gestiegener Preise. Die Verwaltung wurde zusätzlich aufgefordert, bis zur nächsten Sitzung des Ausschusses weitere Einsparungsmöglichkeiten der ARGE in einer Größenordnung von 20% der Mehrkosten der Kostengruppen 300 und 400 (Hochbau), ausgenommen der Kosten für die Baupreissteigerung, zu ermitteln und erneut dem Ausschuss zur Beratung vorzulegen.

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