Forderung nach „Radschnellwegen statt Autobahnausbau!“

Stellungnahme der Scientists for Future Köln/Bonn zum geplanten Autobahnausbau

Forderung nach „Radschnellwegen statt Autobahnausbau!“

Gestern fand ein gemeinsames Pressegespräch der Scientists for Future Köln/Bonn und ihrer Partner - ADFC Köln, ADFC Bonn/Rhein-Sieg, RADKOMM, Bürgerinitiative gegen die Autobahnquerung 553, Radentscheid Bonn und Agora Köln - statt. Das Thema: die Verkehrswende und nachhaltige Mobilität im Köln-Bonner Bereich. In diesem Zusammenhang stand auch der Bau der Rheinspange 553 auf der Agenda.

Wer sind die Scientists for Future?

Sie selbst bezeichnen sich als „ überinstitutioneller, überparteilicher undinterdisziplinärer Zusammenschluss von Wissenschaftler*innen, die sich für eine nachhaltige Zukunft engagieren. Die Regionalgruppe Köln/Bonn besteht aus rund 200 Wissenschaftler*innen verschiedenster Disziplinen, die sich mit Expertise, Beratung und Öffentlichkeitsarbeit für schnelles und entschlossenes Handeln zur Überwindung deraktuellen Klima-, Biodiversitäts- und Nachhaltigkeitskrise einsetzen.“

Welche Position vertritt die Regionalgruppe Köln/Bonn in Bezug auf die Rheinspange?

In Bezug auf den Ausbau der Autobahn 553 und damit verknüpft den Bau der Rheinspange vertritt die Initiative eine klare Position. Hier findet ihr Auszüge aus einer aktuellen Stellungnahme der Regionalgruppe:

„Wissenschaftliche Studien zeigen seit langem, dass der PKW-Verkehr in den Innenstädten zu erheblichen Umwelt- und Gesundheitsschäden führt. In vielen Städten, so auch in Köln und Bonn, ist daher beabsichtigt, den Anteil des Umweltverbundes – bestehend aus den umweltfreundlicheren Verkehrsmitteln: öffentlichem Personennahverkehr, Fuß- und Fahrradverkehr – über das heutige Niveau hinaus deutlich zu steigern. Pläne und Entscheidungen, bestehende Autobahnen auszubauen oder neue anzulegen, laufen dem zuwider: Mehr Platz auf Autobahnen führt zu mehr Autoverkehr. Diese Erwartung gilt […] auch für die geplante Rheinspange südlich von Köln (Verlängerung der A553 über den Rhein).

Der Autoverkehr ist der einzige Sektor, in dem die Treibhausgasemissionen in den vergangenen Jahren nicht gesunken sind und der bisher keinen Beitrag zur Erreichung der Klimaziele leistet. Zudem führt der aktuelle Straßenverkehr als Mobilitätsform zu extremen Ungerechtigkeiten zwischen Generationen und gesellschaftlichen Ebenen. Menschen, insbesondere Familien, mit niedrigen Einkommen besitzen seltener Autos und profitieren daher kaum von der verbesserten Straßeninfrastruktur. Dafür wohnen sie öfter in den von Lärm und Schadstoff belasteten Gegenden und die Umweltbelastungen treffen ihre Kinder am stärksten. […]

Aber wer profitiert denn vom Ausbau?

Bereits im letzten Jahrhundert wurde nachgewiesen, dass der Aus- oder Neubau von Autobahnen zu vermehrtem Verkehrsaufkommen führt. Da Menschen im Durchschnitt zu einer täglichen Reisezeit von einer Stunde bereit sind, wird die Auflösung von Staus weitere Fahrtstrecken zur Folge haben - und nicht die erhoffte Reduktion der Gesamtfahrstrecke und somit der Treibhausgasemissionen. Damit folgen auf eine vorübergehende Reduktion der Staus mittel- bis langfristig mehr Verkehr und wieder neue Staus. Die Verkürzung der Fahrzeit ist also auch für diejenigen, die auf die Nutzung ihrer Lieferwagen u.ä. angewiesen sind und ihre Strecken nicht verändern, nur eine relativ geringfügige Verbesserung – und wird häufig erkauft durch jahrelange Beeinträchtigungen während der Bauzeit. […]

Was wäre denn eine bürgerfreundliche Alternative?

Beispiele aus Dänemark, Belgien oder den Niederlanden zeigen: lebenswerte Innenstädte können mit dem Umweltverbund (ÖPNV, Rad- und Fußverkehr) sehr gut erschlossen werden. Dahingegen sind Verkehrswege, die Anreize bieten, die Innenstädte mit dem PKW anzusteuern, nicht im Sinne der nachhaltigen Umgestaltung dieser Innenstädte. […]

Die wichtigste und dringendsten Maßnahme, damit mehr Strecken und Kilometer mit dem öffentlichen Personen(nah)verkehr und per Fahrrad zurückgelegt werden, ist die Verbesserung der Rahmenbedingungen für den Umweltverbund: Ausbau der Fahrradinfrastruktur sowie des öffentlichen Verkehrsangebots. Die Stadt Bonn plant derzeit diverse „Protected Bike Lanes“, um Radfahrern sicheres Vorankommen zu erleichtern und den Umstieg vom Auto attraktiver zu machen. Weitere Vorteile einer vernetzten, verkehrsträgerübergreifenden Mobilität mit der Priorisierung von Fuß- und Radverkehr: Flexiblere Flächennutzung und freiere Gestaltung der öffentlichen Räume erleichtern die Anpassung an den Klimawandel und erhöhen u.a. durch besseres Mikroklima vor Ort die Gesundheit und Lebensqualität der Bürger. Beispiele wie Paris zeigen, dass eine Reduktion des PKW-Aufkommens auch die individuelle Fahrtzeit aller verringert. […]“

Mehr hierzu in Kürze auf machPuls Niederkassel.

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