Rheinspange 553: Beste Tunnelvariante führt an Rheidt und Uckendorf vorbei

Die Zwischenergebnisse des abschließenden Arbeitsschrittes der Umweltverträglichkeitsstudie sind da und zeigen dass eine Tunnelvariante in jedem Fall umweltverträglicher ist als eine Brückenvariante. Hier gibt's Infos zu den favorisierten Varianten.

Rheinspange 553: Beste Tunnelvariante führt an Rheidt und Uckendorf vorbei

Auch wenn die Planer der Rheinspange, die Autobahn GmbH des Bundes, beim Finden der Vorzugsvariante für den Bau einer Rheinquerung die Termine immer wieder nach hinter verschieben, so ist jetzt doch ein wichtiger Schritt getan: Eine erste Bewertung der Varianten der Rheinspange 553 aus Umweltsicht!

Tunnelvariante aus Umweltsicht die bessere Variante

Die Autobahn GmbH hat jetzt die Zwischenergebnisse des abschließenden Arbeitsschrittes der Umweltverträglichkeitsstudie (UVS) vorgestellt. Dabei stellte sich heraus, was zumindest die meisten Befürworter gefordert hatten, dass eine Tunnelvariante aus Umweltsicht insgesamt am vorteilhaftesten wäre. Dagegen gingen die größten negativen Auswirkungen mit einer Brückenquerung bei Godorf einher – hier wäre unter anderem das FFH-Gebiet „Rhein-Fischschutzzonen zwischen Emmerich und Bad Honnef“ betroffen.

Das sind die umweltverträglichsten Varianten

Nach derzeitigem Stand kommen die Planer zu dem Schluss, dass die drei Varianten 10T, 7T und 6aT die Umweltbelange am wenigsten tangieren. Dabei wird die Variante 10T, mit einem Rheintunnel südlich von Niederkassel, favorisiert. Die Variante 10T ist die sogenannte Südvariante, die die A 555 auf der linksrheinischen Seite mit der A 59 auf der rechtsrheinischen Seite verbindet. Linksrheinisch würde die Spange etwa 2,5 Kilometer südlich von der heutigen Anschlussstelle Wesseling angesetzt. Im Gegensatz zu den anderen Anschlusspunkten auf der linksrheinischen Seite kann bei diesem Anschlusspunkt die heutige Anschlussstelle Wesseling bestehen bleiben, da der Abstand ausreichend groß ist. Als Rheinquerung ist ein Tunnel vorgesehen, der den Rhein zwischen den Ortsteilen Niederkassel und Rheidt quert. Für die weitere rechtsrheinische Trasse ist eine Führung südlich von den Ortsteilen Niederkassel und Uckendorf geplant. Die Anschlussstelle auf der rechtsrheinischen Seite ist im Bereich der L 269 vorgesehen. 7T und 6aT verlaufen weiter nördlich bei Urfeld und rechtsrheinisch bei Niederkassel.

Tunnellösung deutlich teurer als Brückenlösung

Preiswert sind die Tunnellösungen nicht. Auch bei der groben Kostenschätzung liegt Variante 10T mit 878 Millionen Euro vor den anderen beiden Varianten: 7T würde rund 893 Millionen Euro, 6aT 915 Millionen Euro kosten. Die Brückenlösungen wären deutlich günstiger. Die Rheinspange als Brücke bei Urfeld, so die grobe Kostenschätzung, läge bei 225 Millionen Euro. Die Brückenlösungen bei Godorf, Varianten 3B und 4B, sowie eine Brücke bei Niederkassel, 9aB, fallen wegen erheblicher Umweltbeeinträchtigungen des FFH-Gebiets auf die letzten Plätze des UVS-Rankings. Unter den Brücken-Varianten stellen die Varianten 6aB und 6bB die günstigsten Alternativen da, zumal diese zu keinen erheblichen Beeinträchtigungen des FFH-Gebietes „Rhein-Fischschutzzonen zwischen Emmerich und Bad Honnef“ führen.

Noch keine Entscheidung getroffen

Entschieden ist allerdings noch nichts, so die Autobahn GmbH. Die finale Bewertung aus Sicht der Umweltverträglichkeitsstudie wird im Sommer 2022 nach dem dritten UVS-Abstimmungstermin vorliegen. In die Gesamtabwägung fließen neben der UVS weitere Faktoren ein. Daher kann die umweltfachlich „beste“ Variante von der gesamtplanerischen Vorzugsvariante abweichen. Somit ist die Rangfolge aus Umweltsicht bei der Ermittlung einer Vorzugsvariante nicht alleine maßgebend.

Was sagen die Bürgerinitiativen dazu?

Auch wenn der Norden, mit Lülsdorf und Langel, derzeit nicht mehr direkt im Fokus der Planer steht, so wollen die Bürgerinitiativen weiterhin gegen jedwede Rheinquerung kämpfen. Das sagte Gerhart Renner im Gespräch mit machPuls: „Uns geht es nicht nur um den Norden, sondern um Gesamt-Niederkassel und die angrenzenden Gemeinden, wie wir schon Anfang 2017 in einem vielbeachteten WDR-TV-Interview, damals noch als "Bürger gegen die Brücke", kundgetan haben. Wir haben schon seinerzeit in dem Video vor genau dem nun zugrunde liegenden Niederkasseler Teilungsszenario gewarnt. Unmittelbar nach unserem TV-Interview erwachte man aus dem "Dornröschenschlaf" und links wie rechts des Rheins wurden die ersten Bürgerinitiativen - darunter auch die BI Niederkassel - gegründet, die gemäß dem St. Florianprinzip unbedingt eine Brücke im Niederkasseler Norden haben wollten und nun die selbst herbeigerufenen Geister der Vergangenheit nicht mehr loswerden. Wir haben uns nicht verändert und immer für die Nullvariante ausgesprochen! Als der Wind sich zu drehen begann, haben wir allen "Andersdenkenden" unser Know-how angeboten und die helfende Hand gereicht sowie im Gegenzug darum gebeten, uns im "Kampf für die Nullvariante" zu unterstützen. Die Widdiger Bürgerinitiative "NEIN zur RHEINSPANGE – JA zur NULLLÖSUNG " (BI-Sprecher: Herr Kemmer) steht inzwischen ebenfalls an unserer Seite und lehnt im Sinne des Klima- und Umweltschutzes eine weitere Autobahn und Rheinquerung ebenfalls ab! Marcus Kitz (CDU), der ursprünglich sogar eine Bundesstraßenbrücke haben wollte, bevor er sich auf einen Tunnel im Niederkasseler Norden festlegte, ist aktuell sehr weit vom ausgegebenen Ziel "Auf keinen Fall eine Teilung Niederkassels zuzulassen!" entfernt. Selbstverständlich wollen wir weiterarbeiten! Es gibt noch im Übermaß zu tun! Wir brauchen vor allem auch weiterhin die Unterstützung unserer lokalen Politiker“, so Gerhart Renner, der sich gemeinsam mit der BI „Porz-Langel gegen die Autobahnquerung“, der BI „Bürger gegen die Brücke“ sowie der BI „Umweltfreundliche VerkehrsInfrastruktur“ gegen das Projekt Rheinspange 553 stemmt.

Variante 10T

Variante 10T stellt eine Südvariante dar, die die Anschlusspunkte W4 auf der linksrheinischen Seite an der A555 und O5 auf der rechtsrheinischen Seite an der A59 verbindet. Der Anschlusspunkt W4 ist der südlichste der 4 Anschlusspunkte auf der linksrheinischen Seite. Dieser befindet sich etwa 2,5 km südlich von der heutigen Anschlussstelle Wesseling. Im Gegensatz zu den anderen Anschlusspunkten auf der linksrheinischen Seite kann bei diesem Anschlusspunkt die heute Anschlussstelle Wesseling bestehen bleiben, da der Abstand zur heutigen AS Wesseling ausreichend groß ist. Als Rheinquerung ist ein Tunnel vorgesehen, der den Rhein zwischen den Ortsteilen Niederkassel und Rheidt quert. Für die weitere rechtsrheinische Trasse ist eine Führung südlich von den Ortsteilen Niederkassel und Uckendorf geplant. Die Anschlussstelle auf der rechtsrheinischen Seite ist im Bereich der L269 vorgesehen. In der nachfolgenden Abbildung ist der Trassenverlauf der zugrunde gelegten Variante dargestellt.

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