Lülsdorfer Facharztpraxis am Limit

Coronavirus bestimmt Praxis-Alltag.

Lülsdorfer Facharztpraxis am Limit

„Mit Infekt- oder Grippesymptomen und Corona-Verdachtsfällen nur ins Behandlungszelt. Bitte nicht in die Praxisräume kommen!“ Mit diesem Schild an der Eingangstüre zur Haus- und Facharztpraxis Gondolatsch in Lülsdorf, eine der größten Praxen im Rhein-Sieg-Kreis, versucht man dort in Eigenregie Herr der Lage zu werden. „Trotz eines großen Hinweisschildes an der Eingangstüre zur Praxis kamen noch immer Patienten mit den typischen Symptomen einer Coronaerkrankung in die Arztpraxis. Dies hätte bei einem begründeten Verdachtsfall hier zu einer Schließung geführt. Das wollten wir, auch im Interesse der vielen Patienten mit normalen Erkrankungen, nicht riskieren“, so Alexander Gondolatsch. Der Facharzt für innere Medizin und Notfallmedizin suchte nach einer Lösung und fand sie beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) in Niederkassel.

Ein Zelt hilft bei der Patientenversorgung

Dessen Geschäftsführer und Bereitschaftsleiter Gerd Röhrig fand die Idee mit einem Zelt gut und sagte sofortige Hilfe zu. Innerhalb von zwei Stunden wurde nun ein Zelt vor der Arztpraxis aufgebaut, in dem von Corona - Verdachtspatienten ein Abstrich genommen wird.

Schon am Mittwochmorgen standen die ersten Patienten hier an. „In der Vergangenheit sind wir im Schutzanzug draußen auf den Parkplatz gegangen und haben durch das Autofenster hindurch einen Abstrich gemacht. Die Lösung mit dem Zelt ist aber wesentlich effektiver, denn nicht alle Patienten kommen mit dem Auto hierher“, so Gondolatsch. Den Abstrich im Zelt nahm Ehefrau Jasmin Gondolatsch vor, die die Röhrchen zur Weiterverarbeitung durch ein Fenster in die Praxisräume reicht. Danach werden die Röhrchen in ein Labor nach Köln gegeben. Zu Beginn der Pandemie hatte man schon nach vier bis fünf Stunden ein Ergebnis vorliegen, durch den enormen Anstieg der Verdachtsfälle hat sich diese Zeit aber fast verdoppelt. Bisher waren in der Praxis in den letzten Wochen rund 400 Personen, bei denen ein Abstrich nach den vorliegenden Indikationen vorgenommen werden musste.

Ich möchte meinen Mitarbeitern daher ein großes Lob aussprechen, dass sie sich alle hier so engagieren. (Alexander Gondolatsch)

„Wenn eine Person 38,5 Grad Temperatur und mehr hat, über Atemnot und Herzrasen klagt und/oder aus einem Risikogebiet kommt, müssen wir eingreifen“, so der Facharzt. Zum Glück waren von den getesteten Personen lediglich vier mit dem Erreger infiziert. Das dies aber alles auch an die Grenzen der eigenen Leistungsfähigkeit geht, wollte der Arzt nicht verhehlen. „Wir sind mit sechs Ärzten und 20 medizinischen Fachangestellten (MFA) hier in der Praxis. Im Schnitt haben wir derzeit weit über 600 Patienten, die uns an einem Tag aufsuchen. Dies sind nicht alles Kranke, sondern manche holen auch nur ein Rezept ab, aber die Belastung ist schon enorm, da wir auch keine Patienten zurückschicken. Ich möchte meinen Mitarbeitern daher ein großes Lob aussprechen, dass sie sich alle hier so engagieren“, so Gondolatsch. Auch bedankte er sich für die Solidarität im Ort nicht nur beim DRK. So hat ihm das Werk der EVONIK Industries 30 Schutzanzüge überlassen und auch ein Niederkasseler Malerbetrieb bot Hilfe an und brachte Schutzanzüge, die sonst zum Anstreichen verwendet werden, in der Praxis vorbei.

Ein dringender Appell des Arztes noch zum Schluss. „Melden sie sich bitte in der Praxis per Telefon oder Mail an. Wir melden uns bei ihnen und koordinieren dann einen Termin. Die Untersuchungen finden ab sofort zwischen 10:00 Uhr und 12:30 Uhr in unserem Behandlungszelt statt. Bitte nehmen Sie Rücksicht auf andere Patienten, deren Gesundheitsprobleme nicht mit dem Coronavirus in Verbindung stehen.“

Im Krankheitsfall: Kontaktieren Sie die Praxis nur telefonisch (02208-6655) oder per eMail info@praxis-gondolatsch.de oder wenden Sie sich an die Servicehotline der Kassenärztlichen Vereinigung unter der Rufnummer 116117 (nur Corona-Verdachtsfälle)

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