Coronavirus führt zu Improvisation mit Zelt und Tisch vor dem Geschäft

Das in Ranzel ansässige Radstudio Söndgerath zeigt sich erfinderisch und bietet einen erweiterten Kundenservice

Coronavirus führt zu Improvisation mit Zelt und Tisch vor dem Geschäft

Die Corona-Pandemie breitet sich weiter aus und bedroht die Gesundheit vieler Menschen weltweit. Dem Aufruf: „Wir bleiben zu Hause“, folgen die meisten Menschen in Deutschland und unterstützen damit die Hoffnung der Virologen, das so Virus einzudämmen. Aber was kommt danach? Diese Frage stellen sich immer mehr Menschen, deren berufliche Existenz bedroht ist. In Deutschland gab es im Jahr 2018 ca. 6 Millionen Betriebe und Selbstständige im Mittelstand, die einen Umsatz von 5,55 Billionen Euro erwirtschafteten. Daneben gibt es auch kleine Unternehmen (<50 Mitarbeiter) und mittlere Unternehmen (< 250 Mitarbeiter), sowie Kleinstunternehmen mit weniger als 10 Mitarbeitern.

Wir arbeiten zur Sicherheit im Zwei-Schicht-Betrieb und achten darauf, dass die Mitarbeiter beim Wechsel nicht miteinander in Kontakt kommen (Dennis Kordt)

Solch einen Betrieb führt, unter dem Namen Radstudio Söndgerath, der Inhaber Dennis Kordt im Ranzeler Gewerbegebiet. Er bekommt die Auswirkungen der Corona-Krise, wie viele Selbstständige auch, mit voller Wucht zu spüren. „Auf behördliche Anordnung musste ich das Ladenlokal von einem auf den anderen Tag schließen, wofür ich vollstes Verständnis habe. Lediglich die Werkstatt darf ich offenhalten“, so Kordt. Für den Inhaber des Familienbetriebs gilt es seit Wochen zu improvisieren und weitreichende Entscheidungen zu treffen. „Ich habe neun Mitarbeiter im Betrieb, die ich alle behalten möchte. Um das finanzieren zu können, habe ich für die Beschäftigten im Verkauf Kurzarbeitergeld betantragt“, so Kordt. Dies ist aber nur ein erster Schritt, um die schwierige Situation zu meistern, denn der Unternehmer sitzt auf Waren im Wert rund 500.000 Euro, für die wöchentlich Zinsen fällig werden. „Dadurch, dass die Werkstatt offen ist, können unsere Kunden ihre Fahrräder zur Inspektion oder Reparatur bringen. Wir arbeiten zur Sicherheit im Zwei-Schicht-Betrieb und achten darauf, dass die Mitarbeiter beim Wechsel nicht miteinander in Kontakt kommen“, so Kordt.

Die Kunden bekommen auf Wunsch ihre Fahrräder von zu Hause abgeholt und nach der Reparatur bzw. Inspektion wieder nach Hause gebracht. Durch den eingerichteten Lieferservice ist es auch möglich, sich benötigte Ersatzteile oder Kleinteile, wie z.B. einen Fahrradsattel oder ein Kettenschloss, nach Haus kommen zu lassen. Um Kontakt zu vermeiden, kann das Geld dazu überwiesen werden. Für Kunden, die ihr Rad oder Ersatzteile persönlich abholen möchten, hat man extra ein Zelt mit einem improvisierten Ladentisch vor dem Ladenlokal aufgebaut, durch das die nötige Distanz zwischen Angestellten und Kunden gewahrt bleibt. Aus dem Hilfsprogramm der Bundesregierung hat Kordt 15.000 Euro beantragt und hofft, damit die nächsten Wochen über die Runden zu kommen. Allerdings sollte zwischen der Beantragung und der Auszahlung nur ein kurzer Zeitraum liegen, denn die gesamten privaten Rücklagen, so Dennis Kordt, seien schon in die Firma geflossen. Nun setzt er auf einen Nachholbedarf bei den Bürgern, wenn die Pandemie vorbei ist. „Vielleicht machen die Menschen in diesem Jahr mehrheitlich in Deutschland Urlaub und das am Besten mit dem Fahrrad“, so sein optimistisch-hoffnungsvoller Blick in die nahe Zukunft.

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