Eine eigene Ölmühle, Hühner die im Freien leben, Sonnenstrom... - So nachhaltig arbeitet der Beckerhof

Meere voller Plastik, brennende Wälder, Hurricanes, Schadstoffemissionen und Hitzewellen, wie es sie seit hunderten von Jahren nicht mehr gab. Gibt es in Niederkassel und Umkreis Projekte, die etwas Positives im Sinne der Umwelt bewirken?

Eine eigene Ölmühle, Hühner die im Freien leben, Sonnenstrom... - So nachhaltig arbeitet der Beckerhof

In einem anderen Artikel unserer Reihe „Niederkassel - Mission Umwelt“ haben wir euch den lokalen Anbau von Soja für den Geflügelhof Wirtz in Niederkassel-Rheidt vorgestellt. Auch in diesem Artikel wollen wir wieder eure Aktionen und Ideen zum Thema Nachhaltigkeit hören. Außerdem stellen wir euch den Beckerhof in Uckendorf vor, der auf einer Fläche von 220 Hektar Winterweizen, Zuckerrüben, Wintergerste, Winterraps und viele weitere Ölsaaten anbaut und nachhaltig arbeitet.

Der Beckerhof - Nachhaltigkeit steht ganz oben

Am Rande von Niederkassel-Uckendorf betreibt Julia Becker, Diplom-Agraringenieurin, mit ihrem Mann Andreas, staatlich geprüfter Agrarbetriebswirt, den Beckerhof. Beiden ist die schonende Bewirtschaftung des Bodens besonders wichtig. Durch einen Wechsel der Fruchtfolge, die pfluglose Bodenbearbeitung und den regelmäßigen Anbau von Zwischenfrüchten erhöhen sie die natürliche Aktivität und Fruchtbarkeit des Bodens. Seit einigen Jahren haben sie zudem zwei Hühnermobile auf ihren Wiesen stehen, in denen sich 500 Legehennen wohlfühlen und dies mit vielen Eiern belohnen.

„Mir ist es wichtig, unsere wertvollen Ackerböden möglichst schonend zu behandeln.“ (Andreas Becker)

Für das Ehepaar ist Nachhaltigkeit nicht nur ein Schlagwort, sondern sie haben ihren Betrieb danach ausgerichtet. „Mir ist es wichtig, unsere wertvollen Ackerböden möglichst schonend zu behandeln um so gesunde und nährstoffreiche Nahrungsmittel für Mensch und Tier zu produzieren.“, so Andreas Becker. Beide gehen gerne neue Wege und probieren viele Dinge aus. Nach dem Hühnermobil machten sie sich Gedanken, wie man weitere eigene Produkte besser und umweltverträglich vermarkten könne. „Unsere Rapsernte, wir pflanzen seit 13 Jahren Raps an, wurde immer in eine industrielle Mühle zu Verarbeitung gegeben. Um die wertvollen Inhaltsstoffe zu erhalten und unnötige Transportwege zu vermeiden, haben wir uns umgesehen und jemanden gesucht, der uns hier helfen kann“, sagte Julia Becker. Und tatsächlich fanden die Beiden im Westerwald ein älteres Ehepaar, das dort eine kleine Ölmühle betrieb. Die Ölmüller waren von der Rapsqualität des Beckerhofes so begeistert, dass sie den Uckendofern anboten, sie in die Geheimnisse der Ölgewinnung einzuweihen. „So haben wir praktisch eine kleine Lehre gemacht und uns dann die erste Ölmühle gekauft“, erzählt Julia Becker.

Ölgewinnung - direkt auf dem Hof der Beckers

In einem kleinen Raum auf dem Hof geht nun die Ölgewinnung vor sich. Die kleinen schwarzen Rapskörner werden unbehandelt in die Mühle gegeben und gepresst. Im Gegensatz zur industriellen Ölgewinnung bleiben hierbei die natürlichen Vitamine, Mineralstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe gänzlich erhalten. Der Restkuchen vom Raps wird zu eiweißhaltigen Pellets verarbeitet, die wiederum an einen landwirtschaftlichen Betrieb mit Mutterkuhhaltung geliefert werden. Das Geheimnis der Ölgewinnung besteht unter anderem darin, dass es schonend bei Temperaturen unter 40 Grad Celsius kaltgepresst und ungefiltert abgefüllt wird.

So viel Nachhaltigkeit bietet der Hof

Aber nicht nur Raps sondern auch Lein und Leindotter werden hier gesät, geerntet und verarbeitet. Im nächsten Jahr plant man den Anbau von Hanf und Ölkürbissen.

„Unsere Öle haben nicht nur eine hervorragende Qualität, sondern auch eine positive CO² Bilanz.“ (Andreas Becker)

Andreas Becker betont: „Unsere Öle haben nicht nur eine hervorragende Qualität, sondern auch eine positive CO² Bilanz. Es gibt nur sehr kurze Transportwege von der Saat bis zur Verarbeitung. Zudem läuft die Ölmühle über den Sonnenstrom einer Photovoltaikanlage, wie die meisten Gerätschaften hier auf dem Hof.“ Derzeit bieten die Beckers ihren Kunden neben Rapsöl auch Leindotteröl und Leinöl aus eigenem Anbau an. Lediglich beim Kürbiskernöl muss man noch auf Saatgut aus Österreich zurückgreifen.

Preislich liegen diese hochwertig erzeugten Öle natürlich über den Preisen im Lebensmitteleinzelhandel. So kosten 0,5 Liter Rapsöl 4,50 Euro - im Vergleich zu anderen „Bio Ölen“ wiederum ganz normal. Julia und Andreas Becker sind sich sicher, ihr Öl ist jeden Cent wert.

Wir von machPuls finden den Einsatz für die Umwelt durch die nachhaltige Arbeit des Beckerhofes toll! Kennt ihr weitere Initiativen, die im Sinne der Umwelt in Niederkassel und darüber hinaus nachhaltig agieren? Schreibt uns gerne in die Kommentare.

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