„Wikinger“ und Stadtverwaltung gemeinsam für den Artenschutz

Meere voller Plastik, brennende Wälder, Hurricanes, Schadstoffemissionen und Hitzewellen, wie es sie seit hunderten von Jahren nicht mehr gab. Gibt es in Niederkassel und Umkreis Projekte, die etwas Positives im Sinne der Umwelt bewirken?

„Wikinger“ und Stadtverwaltung gemeinsam für den Artenschutz

In unserem letzten Artikel aus der Reihe „Niederkassel- Mission Umwelt“ haben wir euch den lokalen Anbau von Soja für den Geflügelhof Wirtz in Niederkassel-Rheidt vorgestellt. Auch in diesem Artikel wollen wir wieder eure Aktionen und Ideen zum Thema Nachhaltigkeit hören. Außerdem stellen wir euch die Initiative des Umweltamtes der Stadt Niederkassel und dem Pfadfinderstamm „Wikinger“ aus Rheidt vor, die am 14. Juli auf dem Hochwasserschutzdeich zwischen Niederkassel und Rheidt stattfand.

Manche Pflanzen müssen weg!

Dieser Satz hört sich im ersten Moment garnicht so umweltfreundlich und nachhaltig an. Allerdings ist es im Sinne der Artenvielfalt oft unerlässlich verschiedene Pflanzenarten zu entfernen. In diesem Falle handelte es sich um das sogenannte „Jakobs-Kreuzkraut“. Seit 2004 entwickelt sich die Ausbreitung der Giftpflanze in Nordrhein- Westfalen zum Problem. Jakobs- Kreuzkraut enthält Pyrrolizidin-Alkaloide. Diese Stoffe können in der Leber zu giftigen Substanzen umgewandelt werden. Eine lange Zeit über hörte man oft von Schäfern, deren Schafe die giftige Pflanze gefressen hatten und daran starben. Auch Pferde fraßen teils von der eigentlich bitter schmeckenden Pflanzen. Dies geschah sobald die Grünlandflächen für die Heu-Aufbereitung genutzt wurden. Nach dem Trocknen verschwindet der bittere Geschmack, doch die Giftwirkung bleibt bestehen, sodass die Teile der Pflanze über einen längeren Zeitraum hinweg an die Pferde verfüttert wurden. Außerdem gab es Fälle, in denen die in dem Kreuzkraut enthaltenen Pyrrolizidin-Alkaloide in unsere Nahrungskette gelangt sind. Giftstoffe des Krautes seien bereits in Lebensmitteln, wie Milch, Honig und Kräutertees vorgefunden worden.

Ziel der Aktion am Sonntag war es also die gesamte Deichlinie frei vom Jakobs-Kreuzkraut zu hinterlassen. Die reine Berührung der Blüten mit der Hand löst zwar noch keine Vergiftungserscheinungen aus. Dennoch wird vom Pflücken abgeraten, da es zu Hautreizungen kommen kann.Deshalb trugen die Freiwilligen während der Arbeit eine angemessene Schutzausrüstung und sammelten die giftigen Pflanzen in Plastiksäcken, die im Anschluss daran fachgerecht entsorgt wurden.

Durch das Pflücken haben nun andere Wildkräuter die Chance sich in einer Vielfalt auszubreiten. Positiv wirkt sich die Aktion auch auf die Insekten aus. Die Struktur der Pflanzen im Allgemeinen, die den Tieren Unterschlupf bietet, bleibt erhalten. Außerdem ist der Zeitraum, in dem es zu keiner Störung auf dem Deich kommt, länger und sie erhalten ein größeres Angebot an blühenden Wildkräutern.

Wiederholungsbedarf auf dem Hochwasserschutzdeich

Durch die Entfernung des Jakobs-Kreuzkautes per Hand, kann eine weitere Mahd ausgesetzt werden und andere Wildkräuter werden in Zukunft blühen. Mähen bringt nicht den nötigen Erfolg, da das Jakobskraut nach einer Mahd in eine Notreife geht und innerhalb von zwei Tagen reife Samen produziert.

Doch auch nach dem Pflücken per Hand ist das Jakobs-Kreuzkraut keinesfalls vollständig bekämpft, sondern muss in den kommenden Jahren erneut entfernt werden.Hier würden sich die Helfer natürlich über einen Zuwachs an Beteiligung freuen. Bürgermeister Vehreschild bedankte sich herzlich bei den ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern des Pfadfinderstamms „Wikinger“ aus Rheidt. Er lobt ihre Arbeit, die sich in diesem Monat mal wieder für den Erhalt von Klima- und Artenschutz eingesetzt hat.

Auch wir von machPuls! sagen den Pfadfindern „Danke!“ Kennt auch ihr weitere Initiativen, die im Sinne der Umwelt in Niederkassel und darüber hinaus nachhaltig agieren? Lasst uns Kommentare auf unserer Seite da…

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