80. Todestag des Mondorfer Kaplans Everhard Richarz

Gedenkgottesdienst zu Ehren eines Lebens voller Zivilcourage

80. Todestag des Mondorfer Kaplans Everhard Richarz

Am Freitag, den 12. Februar 2021 fand zum Gedenken an Verstorbene der Mondorfer Kirchengemeinde ein Gottesdienst in der Kath. Pfarrkirche St. Laurentius in Niederkassel-Mondorf statt, wo anlässlich des 80. Todestag des Mondorfer Kaplan Everhard Richarz mit eingebunden war.

Zuvor wurden die Kirchenglocken von Heinz Reuter und Hans-Dieter Lülsdorf gebeiert, da der todkranke Kaplan Richarz nach seiner Rückkehr aus der Haft in Berlin-Moabit nach Mondorf (Februar 1941) den Wunsch äußerte, noch einmal die Kirchenglocken von St. Laurentius zu hören. Dieser Wunsch wurde ihm gewährt und binnen 16 Stunden verstarb der Kaplan in seinem Elternhaus in der Obersten Gasse.

Gedenkgottesdienst in St. Laurentius

Der Gottesdienst wurde von Pfarrer Rene´ Stockhausen, unter Mitwirkung von Diakon Thomas Moormann sowie Seelsorgebereichsmusiker Simon Botschen, zelebriert. Unter den Messbesuchern waren mit Hans-Dieter Lülsdorf, Hans-Dieter Umschlag sowie dem ehemaligen Pfarrer Heribert Krieger drei Personen, die sich mit viel Engagement vehement für das Gedenken an den Mondorfer Kaplan Richarz eingesetzt haben. Die Predigt von Diakon Moormann begann mit Details zu den Mondorfer Kirchenglocken, ging über zum Beiern und skizzierte die Lebensgeschichte von Kaplan Richarz.

Ein bewegtes Leben im Schatten des Nationalsozialismus

Everhard Richarz wurde am 3. Juni 1904 in Niederkassel-Mondorf geboren. Nach dem Abitur und dem Theologiestudium in Bonn 1930 wurde er zum Priester geweiht. Kaplan Richarz wirkte in St. Stephan in Köln-Ehrenfeld und 1938 in St. Marien in Oberhausen. Bereits frühzeitig geriet er in Konflikte mit den Nationalsozialisten, da seine offenen Predigten der Gestapo ein Dorn im Auge waren. Trotz Verwarnung und Geldbuße setzte er sich während dieser Zeit für Menschen, die unter verschiedenen Bedrängnissen litten ein und bekannte sich zum christlichen Glauben.

Als sein Bruder Wilhelm vor den Nazis in die Niederlande flüchten musste, gelang dies nur durch die Hilfe seiner drei Brüder. Daraufhin wurde Kaplan Richarz wegen Devisenvergehens, Wirtschaftssabotage sowie Transferierung jüdischen Kapitals in die Niederlande verhaftet. Gemeinsam kam der Kaplan anschließend mit zwei seiner Brüder in den "Klingelpütz" nach Köln.

Nachdem alle drei in das Gefängnis Berlin-Moabit verlegt wurden, erkrankte der Kaplan 1940 an Tuberkulose und kam in ein Sanatorium. Von dort durften die Geschwister den bereits vom Tod Gezeichneten holen und nach Mondorf bringen, wo er innerhalb weniger Stunden verstarb.

Eine Gedenktafel für Zivilcourage

Im November 2011 ist eine Bronzetafel der Kölner Künstlerin Gisela Weinert in der Kapelle der Kriegsopfer der Pfarrei St. Laurentius angebracht worden. Im Beisein einiger Verwandten, die aus Fulda und den Niederlanden anreisten, wurde 70 Jahre nach dem Tod des in Mondorf geborenen und auch verstorbenen Kaplan Richarz, damit das Gedächtnis der Gefallen und Vermissten um diesen gläubigen, mit Zivilcourage ausgestatteten Kaplan vervollständigt.

Eine weitere Gedenktafel sowie zwei Straßenschilder wurden zu Ehren des Kaplan im Juni 2013 feierlich eingesegnet. Nahezu 6 Jahre gab es den Plan eine Straße bzw. eine Gegebenheit in Mondorf nach Kaplan Richarz zu benennen. Unentwegt setzte sich das Mondorfer Stadtratsmitglied Hans-Dieter Lülsdorf mit Unterstützung des ehemaligen Pfarrers Heribert Krieger sowie Hans-Dieter Umschlag vehement für diese Idee ein. Anfangs fand man keinen würdigen Ort, aber mit Beginn der Rheinuferumgestaltung war dieser gefunden. Auch der Rat der Stadt Niederkassel kam den Wünschen nach und stimmte parteiübergreifend für die Neubenennung des Wegs entlang des Rheins. Fortan heißt die Uferpromenade entlang des Rheinkilometer 660, von der Korngasse bis zur Fischerstraße "Kaplan-Everhard-Richarz-Ufer" - ein würdiger Ort der Erinnerung.

Nach einem Gottesdienst segnete Pfarrer Heribert Krieger mit Unterstützung des evangl. Pfarrers Christoph Eidmann und Diakon Thomas Moormann, in Anwesenheit zahlreicher Gäste, die teilweise aus den Niederlanden anreisten, die Uferzone von der Mondorfer Fähre aus ein. Selbstverständlich läuteten auch zu diesem Anlass die Kirchenglocken von St. Laurentius.

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