Offener Brief zur Beitragserhöhung des OGS-Essensgeldes um 42%

Schulpflegschaften der KGS Lülsdorf , der KGS Niederkassel und der Rheidter-Werth-Schule kritisieren in offenem Brief an Bürgermeister Vehreschild die Erhöhung des Essensgeldes

Offener Brief zur Beitragserhöhung des OGS-Essensgeldes um 42%

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Vehreschild,

in einem Schreiben vom 6. Mai 2020 informierte „Betreute Schulen“ die Elternschaft über die Erhöhung des OGS-Essensgeldes von damals 46,60 € auf 66,00 € ab dem 1. August 2020 sowie der verpflichtenden Teilnahme am Mittagessen für alle kommenden OGS-Verträge. Diese massive Erhöhung um 42 %, begründete „Betreute Schulen“ mit der Forderung der Elternschaft nach einer höheren Qualität des Essens und der Angleichung an die Bedingungen in Kindertagesstätten. Da in der Kita bei diesem Betrag das Essen allerdings täglich durch eine Köchin frisch vor Ort zubereitet wird, erschien uns diese Argumentation nicht plausibel und wir fragten bei „Betreute Schulen“ nach.

Auszug aus der Antwort an die Elternvertretung der KGS Lülsdorf vom 30. September 2020:

„[…]Im Planungsgespräch für das Schuljahr 2020/2021 zwischen der Stadt Niederkassel (1. Beigeordneter, Kämmerei, Schulamt) und uns als Träger des Offenen Ganztags am 07. Februar 2020, hat die Stadt Niederkassel uns dazu verpflichtet, gemäß einer Empfehlung der Gemeindeprüfungsanstalt, die Personalkosten für die Mensakräfte in den OGS zukünftig auf die Essensbeiträge umzulegen. D.h. bislang hat sich der Monatsbetrag nur aus den Kosten für die einzelne Portion und der Anzahl der Unterrichtstage ergeben. Ab dem Schuljahr 2020/2021 werden die Personalkosten für die Mensakräfte zum Essenspreis hinzugerechnet, sodass sich die Pauschale deutlich erhöht. Die „Herausnahme“ der Personalkosten für die Mensakräfte aus dem OGS-Gesamtbudget wurde im Schulausschuss am 12.03.2020 einstimmig beschlossen. Diese neue Vorgabe ist in erster Linie für den deutlichen Anstieg der monatlichen Pauschale verantwortlich und nur umzusetzen, wenn möglichst alle Kinder am Mittagessen teilnehmen, da sonst der Essensbeitrag für eine kleinere Anzahl von Eltern in unrealistische Dimensionen steigen würde[…]“

Wir, die Elternvertretungen aller Schulen, die durch „Betreute Schulen“ beliefert werden, sind der Meinung, dass diese unrealistischen Dimensionen bereits jetzt kräftig überschritten sind! In Zeiten von Corona, Shutdowns, Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit erhöht die Stadt Niederkassel die Essensgeld-Beiträge durch die „Betreute Schulen“ um 42 %? Aber selbst in normalen Zeiten, und bei normalem Einkommen wäre eine Erhöhung um 19,40 € pro Monat vollkommen inakzeptabel! Darüber hinaus ist es natürlich nicht fair, in der Kommunikation davon zu sprechen, dass eine Erhöhung notwendig war, um der Forderung der Elternschaft nach einer besseren und abwechslungsreicheren Verpflegung der Kinder nachzukommen. Dadurch entlud sich der Zorn der Eltern folge- aber nicht sachlich richtig auf den Dienstleister. Dieser hat gemäß oben zitiertem Schreiben aber nur einen marginalen Anteil der Erhöhung erhalten, so dass eine Verbesserung der Verpflegung durch höherwertige und dadurch teurere Lebensmittel kaum machbar war und ist.

Warum wurde in diesen Entscheidungsprozess zu keiner Zeit die Elternschaft einbezogen, die schließlich auch die Kosten dieser Entscheidung zu tragen haben. Und warum wurde diese Entscheidung zudem so irreführend kommuniziert? Bis zum vergangenen Schuljahr konnte man entscheiden, das Mittagessen wegzulassen. Nun aber werden Eltern gezwungen, dass ihre Kinder am Mittagessen teilnehmen, da das ganze System sonst komplett kollabieren würde. Wir Eltern sind auf die Betreuung unserer Kinder angewiesen und können daher nicht so einfach die OGS-Plätze kündigen, da sonst eine berufliche Betätigung nicht mehr oder nur eingeschränkt möglich wäre. Was nutzt uns allen ein Kinderbonus, um die Corona-Folgen zu kompensieren, wenn Sie von uns Eltern pro Jahr rund 233 € mehr fordern?

Wir, die Elternvertretungen der Schulpflegschaften und OGS, fordern Sie hiermit auf, diese massive Preiserhöhung auf ein verträgliches Maß zurückzunehmen. Gemäß einer Umfrage, die von „Betreute Schulen“ zitiert wurde, liegt dieser Betrag bei 5 € bis 10 € pro Kind und Monat.

Mit freundlichen Grüßen

  • Eleni Willems, Stefanie Hamacher & Tabea Lange von der Schulpflegschaft/OGS KGS Lülsdorf

  • Karlheinz Schmid & Sandra Blum von der Schulpflegschaft KGS Niederkassel

  • Manuela Schneider, Christina Decker & Daniela Tiemeyer von der Schulpflegschaft Rheidter-Werth-Schule

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