Für eine sichere Zukunft der Laurentiusschule Mondorf

Offener Brief einer Betroffenen zur unsicheren Situation der wichtigen Förderschule in Mondorf.

Für eine sichere Zukunft der Laurentiusschule Mondorf

Sehr geehrter Bürgermeister, sehr geehrte Ratsmitglieder und Mitverantwortliche!

Ich nehme Sie mit auf eine Reise: Stellen Sie sich vor, sie haben ein fröhliches, humorvolles Kind, welches eine zweigruppige Kita besucht und dort wunderbar zurechtkommt. Dort ist alles klein und überschaubar, mit klaren Regeln. Dann kommt es in die Grundschule, vierzügig, mit ca 370 Kindern. Nach vier Wochen bittet der Lehrer/die Lehrerin zum ersten Gespräch. Er/Sie möchte mehr über Ihr Kind erfahren. Sie merken, irgendetwas stimmt nicht. Es folgen weitere Gespräche und viele Telefonate. Ihr Kind verändert sich. Es verweigert die Teilnahme am Unterricht, baut sich Mauern aus Stühlen und Mülleimern, versteckt sich unter dem Tisch. Es ist gerade sechs Jahre alt geworden und versteht die Welt nicht mehr, sich selbst nicht mehr. Sie stehen hilflos daneben und können NICHTS machen! Dann fängt es an in der Schule mit Sachen um sich zu schmeißen, kann nicht mehr sprechen und "rastet" völlig aus. Sie werden immer öfter angerufen, Sie sollen Ihr Kind bitte von der Schule abholen. Von den Klassenkameraden bekommen Sie direkt den Rapport, was Ihr Kind nicht alles wieder angestellt hat. Jeder Gang über den Schulhof wird zum Spießrutenlauf. Ein Kind sagt Ihnen , dass Ihr Kind immer böse sei, was Ihr Kind mit anhört. Abends sitzt Ihr damals so fröhliches und ausgelassenes Kind im Bett, guckt Sie traurig an und fragt: "Aber das bin ich doch nicht, oder?" Die Lage spitzt sich immer mehr zu, alle Maßnahmen des sehr engagierten Lehrers/der Lehrerin, sowie der Sozialpädagogin/des Sonderpädagogen greifen nicht. Sie bekommen Panikattacken, wenn das Telefon klingelt (was Sie noch Jahre begleiten wird) und beschließen nach nicht einmal 6 Monaten, Ihr Kind - zum Schutz für ihn/sie und sich - nicht mehr zur Schule zu schicken. Ihr Kind ist so traumatisiert, dass keine Freizeitaktivitäten (Sportverein z. B.) mehr möglich sind, es keine Kindergeburtstagseinladung mehr ohne Sie wahrnehmen kann. Ein normales Familienleben ist nicht mehr möglich, da diese "Ausraster" nun überall stattfinden.

Neues Kapitel: Förderschule?

Zwei Monate später darf es dann auf eine Förderschule. Eine Schule mit tollen engagierten Lehrern, die mit ihren knappen Mitteln das Bestmögliche für die Kinder geben, und das Kind kann langsam wieder beschult werden. Aber auch eine Schule, die nicht mal den Mindeststandard einer Schule erfüllt. Keine Turnhalle, sehr enge Flure, keine Mensa, keine Nachmittagsbetreuung, keine Aula für Feiern oder Zusammenkünfte, vom trostlosen Pausenhof ganz zu schweigen... Und dann erfahren Sie, dass seit Jahrzehnten(!!!) um diese Schule gekämpft wird. Und es passiert - NICHTS! Aber man klopft sich großartig auf die Schulter, weil man vielleicht, eventuell eine Alternative hat, mit der man in so vielleicht, eventuell 8 oder 9 Jahren rechnen kann.

Zukunftsunsicherheit

Wohin soll Ihr Kind, wenn die Schule doch wegen der nichterfüllten Mindestschüleranzahl geschlossen werden muss? (Nicht wegen fehlender Kinder, sondern weil das Gebäude schlicht die geforderten 112 Kinder nicht aufnehmen kann!) Hat es nicht auch ein schönes Schulgebäude verdient, mit angemessenen Rückzugsmöglichkeiten, wenn wieder alles zu viel wird? Ist ein autistisches Kind (immerhin wissen Sie jetzt, was mit Ihrem Kind los ist) kein wertvolles Mitglied dieser Gesellschaft? Lohnt sich da keine Investition? Wenn dies Ihre persönliche Geschichte wäre, dann wäre schon einiges mehr möglich gewesen, meinen Sie nicht?

Leider ist es die Geschichte meiner besten Freundin und wir sind keine Politikerinnen, und ziemlich kraftlos und verzweifelt. Setzen Sie sich doch so dafür ein, als wäre es Ihre Tochter/Ihr Sohn, der Hilfe braucht! Wo ein Wille, da auch ein Weg! (Das hat nicht zuletzt die Pandemie deutlich gemacht!)

Mit freundlichen Grüßen

Katharina Haase

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