Zu und auf und wieder zu: das Corona-Chaos der Sportvereine in Niederkassel

Boxclub, Volleyballverein und Golfclub – wir haben nachgefragt, wie es ihnen geht im Lockdown 2.0

Zu und auf und wieder zu: das Corona-Chaos der Sportvereine in Niederkassel

Seit Anfang November steht deutschlandweit das öffentliche Leben wieder still. Die Gastronomie, der Kulturbetrieb, Messen, Freizeiteinrichtungen und auch Sportvereine müssen schließen, um die Kontakte zu reduzieren und die Infektionszahlen zu senken. Seit Wochen gehen bereits Kulturschaffende auf die Straßen, um unter dem Hashtag #ohneunswirdsstill auf die dramatischen Folgen der Schließungen für eine gesamte Berufsgruppe aufmerksam zu machen. Bislang noch vergleichsweise still ist es um die Sportstätten und ihre Betreiber. Was machen sie eigentlich aktuell?

Die gesetzlichen Vorgaben: Was ist erlaubt?

Die am 30.10. veröffentlichte Coronaschutzverordnung in NRW (plus Fortschreibung vom 10.11.) stoppt erst einmal generell den Trainings- und Wettkampfbetrieb aller Vereine in NRW. Davon ausgenommen sind Profisport, ärztlich verordneter Sport und so genannter Individualsport. Darunter verstanden werden sportliche Aktivitäten, die „allein, zu zweit oder ausschließlich mit Personen des eigenen Hausstandes außerhalb geschlossener Räumlichkeiten von Sportanlagen“ durchgeführt werden. Vorausgesetzt wird, dass beim Individualsport der Mindestabstand eingehalten werden kann, wodurch Kontakt- und Mannschaftssportarten komplett von dieser Ausnahmeregelung ausgenommen sind.

Kontaktsport Boxen: weit mehr als nur gebrochene Nasen

Stefan Krengel betreibt gemeinsam mit seiner Frau seit gut einem Jahr einen Boxclub in Niederkassel-Rheidt. Der Club war bereits von den Schließungen während des 1. Lockdowns betroffen und auch jetzt, seit Anfang November, bleiben die Türen geschlossen. Da beide Eheleute das Studio nicht hauptberuflich betreiben, stehen ihnen keine Soforthilfen zu. Für November können sie sich allerdings auf die Beiträge ihrer Mitglieder verlassen. Einen Gratis-Monat erhalten diese als Gegenleistung in Anschluss an die Vertragslaufzeit.

Weit mehr als um seine eigene berufliche Existenz sorgt sich Inhaber und Trainer Stefan Krengel um seine Mitglieder. Für viele von ihnen ist das Training mehr als nur ein Freizeitsport. Kinder und Jugendliche mit ADHS oder mit Autismus-Spektrum-Störung finden im Boxclub Ausgleich und Hilfe. Auch Probleme mit aggressivem Verhalten oder durch Mobbing in der Schule können durch das Training im Club stark reduziert werden. „Bereits während des ersten Lockdowns konnten wir feststellen, dass den Kindern auf einmal die Bezugspersonen und auch der Halt fehlte“, erinnert sich Stefan Krengel, „jetzt im zweiten Lockdown ist es noch schlimmer. Durch die Isolation und den mangelnden sportlichen Ausgleich werden die Probleme der Kinder noch verstärkt. Ich bekomme sehr viele Anrufe von Eltern, die mich um Hilfe bitten.“ Und Stefan Krengel hilft gerne, rund um die Uhr. Für ihn ist sein Boxclub vor allem eins: Leidenschaft.

Golfsport: Ausnahme an der frischen Luft

Golf fällt genau dann unter die Ausnahmeregelung des Individualsports, wenn nur zwei Personen oder bis zu 10 Personen aus einem Haushalt gemeinsam an einem Loch spielen. Das gilt auch für die zwei Niederkasseler Golfanlagen Clostermanns Hof und Dr. Velte Golf und den nahe gelegenen Golfclub WEST GOLF. Allerdings müssen die Golfliebhaber mit einigen Einschränkungen auf dem Gelände rechnen.

In der Golfanlage Clostermanns Hof sind generell nur 2er Flights zugelassen. Alle 10 Minuten kann ein neuer Flight starten. Eine Anmeldung ist notwendig und kann vorab online oder telefonisch erfolgen. Die Golfschule unterrichtet weiterhin, allerdings ausschließlich im Einzelunterricht und unter Einhaltung der Hygieneregelungen. Das Clubhaus ist für die Anmeldung und als Durchgang zum Shop geöffnet, die Sanitäranlagen bleiben jedoch komplett gesperrt und das Restaurant bietet Speisen nur zum Mitnehmen an. „Trotz der Einschränkungen können wir uns über einen großen Andrang freuen“, erzählt Clubsekretär Jonathan Rheinländer zufrieden, „das schöne Wetter jetzt im November war natürlich auch einfach ideal zum Golfen“.

Profisport: der TuS Mondorf in der 2. Bundesliga

Der TuS Mondorf spielt in der 2. Volleyball-Bundesliga und wird dem Profisport zugerechnet. Deshalb darf das Team um Trainer Tasos Vlasakidis weiter trainieren wie gewohnt. Die Begründung für diese Ausnahmeregelung: Einige Spieler und Trainer anderer Teams der 2. Bundesliga verdienen mit dem Sport ihren Lebensunterhalt und sind auf den Betrieb angewiesen. Dies ist beim TuS Mondorf, der ausschließlich aus ehrenamtlichen Spielern besteht, anders. Dennoch profitiert das Team von der Ausnahmeregelung. „Wir sehen es als Privileg an, spielen und trainieren zu dürfen“, betont Sven Vollmert, sportlicher Leiter des Teams und ergänzt: „wir sind der Stadt Bonn sehr dankbar, dass wir weiterhin die Hardtberghalle für unser Training nutzen dürfen. Unsere Spieler gehen sehr verantwortungsbewusst mit der Situation um und haben ihre Kontakte außerhalb des Sports bis auf ein notwendiges Minimum reduziert“. Vor und nach dem Training gelten die gängigen Hygieneregeln bezüglich Mund-Nasenschutz und Abstand.

Spiele sind nur als Geisterspiele, also unter Ausschluss von Zuschauern erlaubt. Alle Spieler und alle anderen Anwesenden in der Halle müssen vorab auf Corona getestet werden. Durch einen Livestream und Online-Spendenaktionen versucht der Verein nun, die wegfallenden Einnahmen in Form von Eintrittsgeldern wieder reinzubekommen und ihren Fans ein möglichst überzeugendes Live-Erlebnis zu ermöglichen.

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