Zwei Wochen in Quarantäne - Ein Betroffener aus Mondorf berichtet

Julius darf seine Wohnung seit dem 11. März nicht mehr verlassen. Wie es ihm in der Situation erging und wie die Kommunikation mit den Behörden funktionierte, hat er machPuls erzählt.

Zwei Wochen in Quarantäne - Ein Betroffener aus Mondorf berichtet

Julius* ist einer der vielen Skiurlauber aus Ischgl - mittlerweile als Krisengebiet eingestuft und als Virus-Drehscheibe Europas tituliert. Am 07. März reist er an. Abends wird dort offiziell der erste bestätigte Coronafall bekanntgegeben. Es ist ein Angestellter in einer Bar. Das Schlimme daran: Die Behörden wissen schon früher Bescheid, melden es aber zunächst nicht offiziell, sondern lassen die Partys noch ein paar Tage laufen. Julius wäre, wie viele andere auch, sonst garnicht angereist.

Frühzeitige Rückfahrt und Leben in Quarantäne

Am Mittwoch, den 11. März, tritt Julius die vorzeitige Rückreise an. Dann startet das Leben in Quarantäne. Er muss zunächst für 14 Tage Zuhause bleiben und im Home Office arbeiten. Der Kontakt zu anderen Menschen ist ihm verboten. Soweit so gut. Doch am Wochenende (14. und 15. März) entwickeln sich bei dem Alleinlebenden die ersten Symptome - Fieber, Schüttelfrost, Husten, Gliederschmerzen, Kopfschmerzen. „Von meinen zwei Mitbewohnern im Apartment in Ischgl wurde einer negativ und der Andere positiv getestet. Da ist man schon erstmal kurz geschockt, wenn man selbst krank wird. Ich habe sofort versucht über 116117 jemanden zu erreichen“, berichtet der Mitte-40-Jährige. Aber vergeblich. Das gesamte Wochenende erreicht Julius niemanden. Nur die Ansage: Alle Mitarbeiter sind im Gespräch.

Am Montag, 16. März kontaktiert er schließlich seinen Hausarzt, der ihn beim Siegburger Krankenhaus anmeldet. Am nächsten Tag folgen vier Anrufe - alle wollen ihm einen Termin für den nächsten Tag anbieten. „Da scheint es echt drunter und drüber zu gehen. Die kommen anscheinend kaum hinterher mit den Fällen und mit einer adäquaten Dokumentation. Aber alle waren super engagiert und wollten mir helfen“, so Julius. Am Mittwochmorgen - also eine Woche nach der Rückkehr aus Ischgl - fährt er selbst mit dem Auto zum Abstrichzentrum in Siegburg. Nach 30 Minuten Wartezeit ist er dran und dann geht auch alles ganz schnell. Höchstens 2 Minuten dauert der Test. Danach geht es wieder in Quarantäne. Der Alltag hier kein Problem. Er lebt zwar alleine, doch zunächst konnte er einen kleinen Vorrat aufbrauchen und danach helfen ihm Freunde mit Lieferungen. Sie bringen Essen und Trinken vorbei. „In Niederkassel hilft man sich untereinander“, erzählt der Isolierte, „das ist überhaupt kein Problem.“

Testergebnis: positiv - und jetzt?

Drei Tage nach dem Abstrich, am Samstag, den 21.März, erhält der Niederkasseler sein Testergebnis - zehn Tage nach der Rückkehr aus Ischgl. Bemerkenswert: Nicht das Gesundheitsamt, sondern das Ordnungsamt Niederkassel teilt ihm mit: „Sie sind positiv getestet.“ Das Ordnungsamt ist dabei selbst überrascht, dass Julius sein Testergebnis noch nicht vorher von anderer Stelle erfahren hat. Am selben Abend übergibt das Ordnungsamt ihm auch persönlich ein Schreiben. Er soll demnach zu Hause bleiben und alle Personen melden, mit denen er Kontakt hatte. Für den Fall, dass er der Anordnung nicht entspreche, wird mit Zwangsmitteln beziehungsweise mit 500 Euro Zwangsgeld gedroht. Der Hausarzt hat das Ergebnis zu diesem Zeitpunkt immer noch nicht erhalten.

Aktuell  lebt Julius noch in Quarantäne, seit mittlerweile zwei Wochen. Die Symptome sind so schnell wieder verschwunden, wie sie gekommen sind. Nur ein leichter Husten war etwas hartnäckiger. Nach Rücksprache mit dem Ordnungsamt Niederkassel, die laut Julius ebenfalls sehr engagiert und hilfsbereit sind, darf er ab dem 26. März das Haus wieder verlassen - vorausgesetzt es sind keine Symptome mehr vorhanden. Eine E-Mail des Ordnungsamts mit dieser Aussage liegt Julius vor. Die anfängliche Vorgehensweise, dass nach 14 Tagen zwei aufeinanderfolgende Tests negativ sein müssen, existiert demnach nicht mehr.

Ab morgen ist Julius also einer, der geheilt und - nach aktuellen Kenntnisstand - immun gegen das Coronavirus ist. Wie lange diese Immunität andauert und ob er sich dadurch anders verhalten kann oder darf, darüber gibt es noch keine Informationen.

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*Name geändert

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