Brisanz der Lage nicht erkannt?

71 Schüler mit Förderbedarf warten auf Unterstützung. Eine Sitzung im Ausschuss der Stadt verlief für Verantwortliche der Schule nun enttäuschend.

Brisanz der Lage nicht erkannt?

Steigende Schülerzahlen bringen der ohnehin knapp ausgestatteten Mondorfer Laurentiusschule große räumliche Probleme. Uschi Amrein, Eltern- und Schulpflegschaftsvorsitzende sowie betroffene Pflegemutter, machte die Stadt Niederkassel als Schulträger vor zwei Monaten in einem dreiseitigen Schreiben darauf aufmerksam (machPuls berichtete über die Situation). Nun lud der Ausschuss für Schule, Kultur, Sport und Soziales die Schulleiterin Marlies Röhrig zu einer Sitzung ein.

Es fehlt eine Turnhalle, eine Mensa, ein angemessener Außenbereich (Marlies Röhrig)

Ausschussvorsitzender Mathias Jehmlich bat die Schulleiterin um eine aktuelle Situationsbeschreibung. Röhrig erklärte den Mitgliedern mit eindringlichen Worten die jetzige Sachlage. Derzeit besuchen 71 Kinder und Jugendliche mit Förderbedarf im sozialen, emotionalen und sprachlichen Bereich die ehemalige Mondorfer Volksschule. „Wir haben Kinder mit traumatischen Erfahrungen durch sexuellen und emotionalen Mißbrauch, Trennungskinder mit psychisch oder suchtkranken Eltern und Kinder, die monatelange Aufenthalte in der Jugendpsychiatrie hinter sich haben. Diesen Kindern, mit den ausgeprägten Störungsbildern, wollen wir ein Stück Zuhause bieten“, so Röhrig. Hier stehe der Erziehungsauftrag vor der Wissensvermittlung, wofür man aber zumindest die räumlichen Möglichkeiten haben müsse. „Wir haben sechs Klassen- und zwei Differentialräume und sonst keinen Platz. Es fehlt eine Turnhalle, eine Mensa, ein angemessener Außenbereich und wir brauchen therapeutische Angebote. Die Schule muss ein sicherer Ort für die Kinder sein. Sie sollen hier die Wertschätzung bekommen, die ihnen Zuhause versagt wird. Wir leisten hier Präventionsarbeit“, so Röhrig, an die Ausschussmitglieder gewandt.

Fazit der Sitzung

Ob und vor allem wann sich der Wunsch nach einem Schulneubau erfüllen könnte, ließ der Beigeordnete Dr. Sebastian Sanders offen. Er machte aber deutlich, dass die Verwaltung Interesse an einer Schule im Stadtgebiet habe, damit die Kinder wohnortnah zur Schule kommen könnten.

Uschi Amrein zeigte sich nach der Sitzung enttäuscht. Das Interesse der Ausschussmitglieder war gering. „Hier wurde eine Stunde lang über Wohnboxen für Obdachlose diskutiert. Ein halbes dutzend Fragen bezüglich einer Chemietoilette stellte man den Spendern der Boxen, die SPD ließ sogar die Sitzung unterbrechen, um sich zu beraten. Zu den Problemen der Laurentiusschule gab es gerade einmal zwei Nachfragen. Ich glaube, einige haben die Brisanz der Lage nicht erkannt“, so die engagierte Schulpflegschaftsvorsitzende.

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