Ein Niederkasseler Kriminalfall: 80 Messerstiche waren nicht genug

In den letzten 50 Jahren gab es einige Kriminalfälle in Niederkassel. Doch was waren eigentlich die größten Kriminalgeschichten? Wir stellen euch heute unseren vierten vergangenen Kriminalfall vor.

Ein Niederkasseler Kriminalfall: 80 Messerstiche waren nicht genug

Wir führen unser Archiv an Kriminalgeschichten basierend auf einem Impuls von euch weiter. Durch einen Kommentar zu unserem zweiten Fall wurden wir auf einen Fall im April 2016 aufmerksam gemacht. Vielleicht erinnern sich einige noch an den Mord in Niederkassel/Ranzel, der inzwischen über drei Jahre her ist und trotzdem nach wie vor für Gänsehaut am ganzen Körper sorgt.

Am 07.04.2016 ermordete ein 32 Jahre alter Täter aus Niederkassel auf blutrünstige Art und Weise seine eigene Mutter in einem Vierparteienhaus in Ranzel. Die 69-Jährige gläubige Muslima wollte eigentlich ihr Morgengebet abhalten. Sie hatte nicht den Hauch einer Chance gegen ihren Sohn, als dieser mit einem Messer bewaffnet hinter ihr stand und über 80 Mal auf sie einstach.

Der Tatablauf lässt sich so rekonstruieren, dass der Sohn mit seiner Familie zu Abend gegessen hatte und im Anschluss daran auf dem Sofa schlief. Er sollte am nächsten Tag einen Termin im Amtsgericht Aachen wahrnehmen. Bei diesem Termin handelte es sich um eine Anhörung, in der es darum gehen sollte, ob der 32- Jährige für eine psychiatrische Begutachtung vorläufig in einer Klinik untergebracht werden müsse. Hintergrund dieser Anhörung war ein Strafverfahren, in dem Serdal A. die mehrfache Vergewaltigung seiner damaligen Freundin vorgeworfen wurde. Seine Mutter stand gegen 5:30 Uhr auf und ging in das Wohnzimmer. Gegen 6:30 Uhr stach Serdal A. mit einem langen Küchenmesser mehrfach auf seine auf dem Gebetsteppich kniende Mutter ein. Die Stiche konnten unter anderem in Hals und Herz festgestellt werden.

Als der Vater von Serdal A. am nächsten Morgen aufwachte, ahnte er nicht, dass sein eigener Sohn kurz zuvor zum Mörder seiner Ehefrau wurde. Serdal A. ließ seinen nichts ahnenden Vater zurück und verließ das Haus. Erst als der Vater das Wohnzimmer betrat, sah er die Leiche seiner Frau Fatma und alarmierte Polizei und Notarzt. Die 69 Jahre alte Frau erlag letztendlich den zahlreichen Messerstichen. Serdal A. hatte in der Zwischenzeit ebenfalls die Polizei angerufen und gestanden, seine Mutter getötet zu haben. Im Anschluss daran befand er sich jedoch auf der Flucht, anstatt sich zu stellen.

Die Bonner Mordkommission übernahm in enger Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft die Ermittlungen vor Ort und die Polizei leitete eine Großfahndung ein. Spürhunde, Hubschrauber und zahlreiche Polizisten machten sich auf die Suche nach dem jungen Mann. Nach einem Fehlalarm am Donnerstagabend wurde der Tatverdächtige dann schließlich am Freitagnachmittag von Passanten in Siegburg wiedererkannt. Diese riefen die Polizei und Serdal A. wurde widerstandslos in die Untersuchungshaft gebracht.

Angehörige der Familie drückten ihr Entsetzen über die Tat aus. Seine Familie hätte ihm immer nach allen Kräften den Rücken gestärkt. Nichts desto trotz wurde Serdal A. auch von ihnen als psychisch labil eingestuft. Laut Anklage war der junge Mann bereits elf Mal vorbestraft - fünf Mal wegen Gewaltdelikten. Das bestätigte sich in seinem Gerichtsprozess vor dem Bonner Landgericht. Die Anklage lautete heimtückischer Mord. Den Mord stellte der junge Mann jedoch anders dar. Es habe Streit gegeben und er habe seine Mutter frontal erstochen. Außerdem habe er selbst die Polizei gerufen, um sich zu stellen. Laut seiner Aussage war es kein Mord, der sich als heimtückisch qualifizieren ließe.

Neben dem Mord wurde Serdal A. wegen der Reihe von Übergriffen auf seine damalige Freundin angeklagt. Er solle in dieser Beziehung oft gewalttätig geworden sein, was der Angeklagte jedoch vehement abstritt. Er habe keine Gewalt gegenüber der damals 31 Jahre alten Frau verübt und sie nicht vergewaltigt.

Das Urteil: fünfeinhalb Jahre Haft wegen gefährlicher Körperverletzung sowie Vergewaltigung an seiner Ex-Freundin. Es fiel erst im Mai 2017.

Nach einigen nervenaufreibenden Prozesstagen wurde Serdal A. außerdem aufgrund einer Psychose im Fall des Totschlags an seiner Mutter freigesprochen. Serdal A. leide laut Gutachter unter Paranoia. Die Wahnvorstellungen zeigten sich im ganzen Prozess, sodass der Täter es dem Gericht schwer machte, die Tat realitätsnah wiederzugeben. Auf der einen Seite wollte er „die Wahrheit sagen“. Auf der anderen Seite bezogen sich seine Aussagen zu keinem Zeitpunkt auf die eigentlichen Fragen. Serdal A. wurde zurück in eine psychiatrische Klinik gebracht. Ob und wann der Niederkasseler letztendlich entlassen wird, wird durch regelmäßige psychiatrische Gutachten entschieden.

Danke für den letzten Impuls, auf dem dieser Artikel basiert. Wenn ihr euch an weitere düstere Kriminalfälle in Niederkassel erinnern könnt, hinterlasst gerne einen Kommentar auf unserer machPuls!-Seite.

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