Evonik-Ausstieg: Reaktionen auf den Kommentar zum Verkauf des Standortes Lülsdorf

Am 7. Oktober veröffentlichten wir hier auf machPuls einen Kommentar von Dieter Hombach. Uns erreichten daraufhin viele Reaktionen. Zwei Leserbriefe wollen wir an dieser Stelle veröffentlichen.

Evonik-Ausstieg: Reaktionen auf den Kommentar zum Verkauf des Standortes Lülsdorf

Am 7. Oktober erschien ein Kommentar von Dieter Hombach zum Verkauf des Evonik-Standortes in Lülsdorf . Im Nachgang wurde auf Facebook sehr kontrovers über diesen Beitrag diskutiert. Darum ist es uns an dieser Stelle zunächst einmal wichtig zu betonen, dass es sich bei dem Beitrag um einen klar als solcher markierten Kommentar handelte und er als solcher die Meinung eines Journalisten widerspiegelte.

Den Kommentar könnt ihr HIER nachlesen.

Bei uns auf machPuls sollen unterschiedliche Meinungen Raum finden. Ihr habt immer die Möglichkeit, unsere Beiträge direkt über unsere Plattform zu kommentieren, Fragen zu stellen oder uns Leserbriefe zuzusenden, die wir gerne veröffentlichen.

Hier zwei ganz unterschiedliche Leserbriefe, die uns als Reaktionen auf den Kommentar erreichten.

Leserbrief 1

Am 07.Oktober 2021 erschien im Onlinemagazin "machpuls" der Kommentar vom MOZ-Redakteur Dieter Hombach zum Verkauf des Evonik Standortes in Lülsdorf.

Man kann natürlich darüber denken, was man möchte.

Aber ich als persönlich vom Verkauf betroffener Familienvater empfinde es als Verhöhnung der Belegschaft, wenn erstens die Abkehr von der chemischen Produktion propagiert wird, und zweitens die Ansiedelung von Gastronomie und Freizeitmöglichkeiten ins Spiel gebracht wird.

Sollen die betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter demnächst Kaffee servieren, Minigolfschläger ausgeben und Karten für die Museen abreißen? Von dem Vorschlag, aus den Firmengebäuden Museen zu machen, möchte ich aus Gründen der Ernsthaftigkeit gar nicht erst reden.

Zusätzlich wurde auch noch schlecht recherchiert. Wie mein Arbeitgeber unter dem Originalkommentar bemerkte, bewältigt die RAG „nur“ die Folgen des Steinkohlebergbaus. Und den gab es meines Wissens nicht in Lülsdorf. Auch hat die Firma PCC SE eine höhere Eigenkapitalquote als Evonik.

Sebastian Wessel

Leserbrief 2

Vielen Dank an Herrn Hombach für den bemerkens- und lesenswerten Kommentar in der letzten Montagszeitung zum geplanten Verkauf des Evonik-Geländes. Es lässt doch zumindest die Vermutung offen, dass die Evonik empfundenermaßen versucht, sich ihrer Verantwortung zu entziehen. Bei aller Tragik für die betroffenen Mitarbeiter, denen die angebotene Unterstützung der lokalen Politik sehr zu wünschen ist: Sollte sich weder ein geeigneter Investor finden, noch die Evonik gewillt sein, in den Lülsdorfer Standort doch noch selbst zu investieren, wäre die Umwidmung des Geländes eine logische Konsequenz. Die RAG-Stiftung als Hauptaktionär der Evonik mit in die Verantwortung zu nehmen, sollte trotz deren Fokus auf den Bergbau politisch unbedingt in Erwägung gezogen werden.

Die im Kommentar aufgezeigten Ideen würden einen beachtlichen Mehrwert für Niederkassel generieren und die große Chance bieten, ein attraktives neues Zentrum zwischen drei Ortsteilen direkt am Rhein zu schaffen.

Gerhart Renner, Niederkassel

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Reaktion des Verfassers des Kommentars

Der öffentliche Vorwurf, unsachlich recherchiert zu haben, darf so nicht stehen bleiben.

Das Eigenkapital des PCC Konzerns beträgt, wie berichtet, weniger als 100 Millionen Euro; die Eigenkapitalquote lag zum Ende des letzten Geschäftsjahres bei 6,1%. Die Eigenkapitalquote des Evonik Konzerns hingegen bei 38,8%.*

Der Primärzweck der RAG-Stiftung, den Ewigkeitslasten des Steinkohlenbergbaus Rechnung zu tragen, ist selbstverständlich bekannt. Als Hauptaktionär der Evonik und der damit verbundenen gesellschaftlichen Verantwortung schließt dieser Sachverhalt allerdings nicht aus, dass sich die Stiftung zukünftig auch um Altlasten außerhalb des Bergbaus verantwortlich zeigen könnte.

Dieter Hombach

*Es handelt sich hierbei um öffentlich zugängliche Zahlen (Anmerkung der Redaktion)

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