Mangelware: Veranstaltungsräume!

Veranstaltungen in Niederkassel zu organisieren, ist schwieriger denn je. Aus dem einfachen Grund: Es fehlt an Räumlichkeiten. Niederkassel hat da in der Vergangenheit einiges verschlafen. Zeit zu handeln, findet unser Gastautor. Ein Kommentar.

Mangelware: Veranstaltungsräume!

Ich bringe es direkt auf den Punkt: In Niederkassel haben wir es schwer! Warum? Vereinsjubiläen, Ausstellungen, Messen, Produktvorstellungen, Geburtstage und Hochzeiten oder Karnevalsfeiern, Maifeste… Sie lassen sich in unserem Stadtgebiet Niederkassel nur sehr schlecht umsetzen. Das erlebe ich jeden Monat aufs Neue. Das ist Fakt.

Wie konnte es dazu kommen? Wieso sieht es im Umland besser aus?

Nachbarstädte wie Troisdorf, Sankt Augustin oder Hennef haben in den letzten Jahrzehnten nicht geschlafen, Veranstaltungsräume zu fördern: Neben dem Aufbau spezieller Veranstaltungsräume der Städte, wurden Turnhallen nicht nur renoviert oder modernisiert, nein, man hat diese zu Mehrzweckhallen erweitert. So findet man beispielsweise in Troisdorf neben drei großen Veranstaltungsgebäuden gleich vier Mehrzweckhallen, zwei davon in Bergheim und Müllekoven. Eine Luxussituation, von der wir beispielsweise im benachbarten Mondorf nur träumen können.

Apropos Mondorf: Hier gibt es mit dem Saal „Zur Post“, ein etwas in die Jahre gekommener Veranstaltungssaal. Klar gehört der modernisiert, aber auch nach Jahrzehnten der Nutzung hat er nicht an Wichtigkeit für örtliche Veranstaltungen verloren. Leider weiß man derzeit nicht so ganz wie es weiter geht. Lokalität und Saal sind an Familie Peters verkauft. Es scheint, es bliebe alles beim Alten oder wendet sich gar zum Guten. Aber findet sich ein neuer Pächter? Wie geht es wirklich weiter? Die Zukunft ist noch ungewiss.

Und Rheidt? Hier hat man mit dem Saal „Zur Linde“ oder dem Festsaal „Zum Lüches“ in nächster Nähe zwei Festsäle. Alles gut? Nein! Die Nutzung wird immer weiter eingeschränkt. Anwohner beschweren sich über die Lautstärke in der Nacht und Getränke dürfen nur vom Eigentümer / Betreiber ausgeschenkt werden. Eine nur bedingt interessante Ausgangslage für Vereine, Messen oder Produktvorstellungen.

Noch schlechter sieht es in den anderen Stadtteilen aus.

In Niederkassel-Ort gibt es nach der Schließung des Festsaals „Op Dr Eck“ eigentlich nur noch das „Roncallihaus“. Ein Pfarrheim wohlgemerkt, nie für den Einsatz von Großveranstaltungen gedacht. Maximal 100 Personen passen hier rein. Eine traurige Bilanz für unser Stadtzentrum.

Wie sieht es aus in Uckendorf? Hier steht die "alte Schule". Für alle die nicht aus Uckendorf kommen, ist es inzwischen nicht mehr möglich diese über den VVU (Verschönerungsverein Uckendorf) zu bekommen. Klingt komisch, ist aber so. Bei einem Objekt, das von der Stadt Niederkassel unterstützt wird, doch irgendwie ungerecht, oder? Ja, aber tatsächlich gelebte Politik in Niederkassel.

Weiter nördlich in Lülsdorf haben wir das „Casino“ der Evonik, eine Mensa, die jährlich von vielen Vereinen, vor allem für Karnevals- oder Gesangsveranstaltungen genutzt wird. Auch hier merkt man, dass der Wind inzwischen anders weht. Veranstaltungen sind unbequem geworden, neue Auflagen müssen her. Entweder man greift auf den Gesetzgeber zurück oder man denkt sich welche aus. Nicht schön, aber ich kann es nachvollziehen. Eine Mensa war nie dafür gedacht, jährlich für 10 Veranstaltungstage herzuhalten.

Dann bleibt noch die Aula des Kopernikus Gymnasiums, genau, eine Aula eben. Karnevalsveranstaltungen, Abiturpartys oder auch Messen finden hier statt. Sie hat die richtige Größe für einige große Veranstaltungen, aber es bleibt eine Aula. Eine Alternative, aber keine gute, ähnlich der Mensa der Evonik. Schauen wir uns weiter um in Lülsdorf. Es gibt noch das Matthiasheim und über Karneval die Turnhalle. Turnhalle? Ja, richtig gelesen. Hier besteht, anders wie bei anderen Turnhallen, die im Stadtgebiet nahezu baugleich sind, eine Ausnahmegenehmigung zur Nutzung der Turnhalle über die Karnevalstage. Vor Jahrzehnten arrangiert vom alten Bürgermeister Herr Esser, der ebenfalls wohnansässig in Lülsdorf ist. Warum solch eine Regelung nicht einfach übernehmen? Was hier geht, sollte doch auch woanders möglich sein? Nein, das wäre zu einfach, schließlich gibt es keinen zweiten Fluchtweg. Damit ist die Diskussion auch schon zu Ende, bevor sie überhaupt angefangen hat.

Turnhallenrenovierung und -modernisierung läuft

Es werden doch Turnhallen renoviert? Ja, richtig: Die Stadt baut eine Einfachturnhalle in Mondorf in denen im Notfall Mitmenschen Obhut erhalten können. Vom Prinzip her gut. Aber hätte man diese - trotz erhöhter Kosten- nicht direkt als Mehrzweckhalle konzipieren können?Ebenfalls ist ein Neubau einer Zweifachturnhalle am Schulzentrum Nord im Gespräch. Doch "eine Halle für alle" soll es nicht werden, sondern eine Halle für die wichtige Erweiterung des Schul- und Vereinssports. Wer schaut in die Röhre? Veranstalter von Vereinsjubiläen, Ausstellungen, Private Geburtstagen, Hochzeiten, Karnevalsfeiern, Maifesten, Produktvorstellungen oder Messen.

Was Niederkassel im Jahrzehnt 20 braucht, ist ein Forum, ein Bürgerhaus, ein Mehrzweckraum - im Ortskern, für die Stadt. Der Bedarf besteht schon seit langem. Hier sollten die Ortsparteien und die Politik endlich handeln.

(rw)

P.S.: Jüngst ist bekannt geworden, dass das Land NRW der Stadt Niederkassel über das Sportstättenförderprogramm knapp 0,5 Mio. € zur Verfügung stellt. Dieses Geld muss auch im Rahmen möglicher Erweiterungen der Hallen genutzt werden. Es wäre zumindest ein Anfang…

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