Evonik Ausstieg: Eine Chance für Niederkassel!?

MOZ-Redakteur Dieter Hombach zum Verkauf des Evonik-Standortes in Niederkassel

Evonik Ausstieg: Eine Chance für Niederkassel!?

Seit Monaten wird auf der Seite von www.chemcologne.de das Gelände von Evonik Lülsdorf für Investoren angeboten – einer anscheinend bereits durchdachten strategischen Option des Konzerns. Mit der offiziellen Pressemitteilung am 1. Oktober 2021 haben nun auch die meisten Beschäftigten am Standort erfahren, dass es Evonik nicht um das Wohl eines jeden einzelnen Mitarbeiters geht, sondern um Gewinnmaximierung für die Aktionäre des Konzerns. Das ist tragisch für jeden einzelnen Beschäftigten.

Die Probleme für Evonik sind womöglich jedoch andere: ein Grundstück mit potentiellen Altlasten sowie ein Überangebot an zum Verkauf stehenden Industrie- und Chemiegrundstücken im Norden Kölns.

Eine mögliche Ansiedlung einer Ethylenoxid-Produktionsanlage durch PCC wurde bereits unter dem Aspekt des möglichen Erhalts von Arbeitsplätzen propagiert; PCC, ein Konzern, der eine geringe Eigenkapitalquote aufweist und nach eigenen Angaben die Erschließung von Finanzierungsquellen auf institutioneller Ebene nur in Erwägung ziehen kann, wenn sich der Verschuldungsgrad des Konzerns deutlich verringert (Quelle: PCC SE Konzernabschluss zum Geschäftsjahr 2020 im Bundesanzeiger). Zum Vergleich: Das Eigenkapital von Evonik beträgt ca. 8 Mrd. EUR, das Eigenkapital des PCC Konzerns nicht einmal 100 Mio. Wem würde man eher sichere Investitionen zutrauen? Dass die Kommunalpolitik hier geeint gegen PCC ist, ist ein wichtiges Zeichen im Sinne der Verantwortlichkeit für die Stadt Niederkassel.

Der Ausstieg von Evonik in Niederkassel darf kein Davonschleichen von Verantwortlichkeit sein. Vielmehr sollte nun die RAG-Stiftung (als größter Aktionär der Evonik) das Firmengelände unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten so vorbereiten, dass man Abstand von Großchemie nimmt und die Fläche zukunftsorientiert als Gewerbegrundstück für beispielsweise klein- und mittelständische Unternehmen öffnet - eine Aufgabe entsprechend dem Zweck der „Endlichen- und Ewigkeitsaufgaben“ der RAG-Stiftung, damit es nicht zu einer überraschenden finanziellen Belastung der Kommune bzw. des Steuerzahlers kommt. Gastronomie und Freizeitmöglichkeiten sollten ebenfalls angesiedelt werden. Firmengebäude der heutigen Evonik könnten als Museen umgebaut werden, die die Historie des Standortes beleuchten. Bildungszentren verschiedenster Bereiche könnten einen Mehrwert schaffen. Bei einer solchen Nutzung würden nicht nur die Stadt Niederkassel durch Gewerbeeinnahmen, sondern auch die vielen Klein- und Mittelstandsunternehmen aus der Kommune sowie den angrenzenden Städten und Kreisen profitieren. Es gibt genügend Beispiele für gelungene Veränderungen von Firmenstandorten, die attraktiv für die Einwohner der mittelbar betroffenen Kommune sind, so die ehemalige Zementfabrik in Bonn-Oberkassel oder auch die Zeche Zollverein in Essen, u.a. Sitz der RAG-Stiftung. Warum also nicht auch das Evonik Gelände in Lülsdorf?

In einem Zusammenwachsen der Städte Bonn und Köln wäre es folgerichtig, durch eine zukunftsorientierte Politik aller Parteien nicht an der Chemie festzuhalten, sondern die Veränderungen, die unsere Zukunft mit sich bringt, anzunehmen und aktiv mitzugestalten.

Info:

Mit einem Umsatz von 12,2 Mrd. Euro im Geschäftsjahr 2020 und mehr als 33.000 Mitarbeitern ist Evonik das zweitgrößte deutsche Chemieunternehmen und gehört zu den weltweit führenden Unternehmen der Spezialchemie. Der größte Evonik-Standort ist der Chemiepark Marl. Hauptaktionär ist die RAG-Stiftung.

Die RAG-Stiftung (ehemals Ruhrkohle AG) wurde am 26. Juni 2007 als eine rechtsfähige Stiftung des bürgerlichen Rechts gegründet, um die Abwicklung des subventionierten deutschen Steinkohlebergbaus zu bewältigen und die weitere Entwicklung des heutigen Evonik-Konzerns zu sichern. Betrieblich nicht mehr benötigte Flächen werden über den Grundstücksmarkt neuen Nutzungen zugeführt. Freiflächen und Flächenareale aus der ehemaligen betrieblichen Nutzung können über Kommunen, Entwickler und Investoren wieder attraktiv und nutzbar gemacht werden.

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