Asklepios- wie war die Demo? Wie geht es weiter?

Am Samstag den 6. Juli organisierte der Verein SBHC NRW e.V. eine Demonstration für den Erhalt der Asklepios Kinderklinik in Sankt Augustin. Die Resonanz war hoch, doch der gewünschte Erhalt der Klinik scheint noch ein langer, schwerer Weg zu sein.

Asklepios- wie war die Demo? Wie geht es weiter?

Wie war das nochmal mit Asklepios?

Wegen des Weggangs einiger Ärzte, sowie eines Teils des Personals und nicht zuletzt aufgrund mangelnder Fördergelder beantragte der große private Klinikbetreiber „Asklepios“ Anfang Juli seine Schließung. Dies geschah nach einer Prüfung der eingerichteten Projektgruppe „Zukunft der Kinderklinik Sankt Augustin“, die nach der Bekanntgabe der Abgänge an die Uniklinik Bonn, unter denen sich auch zwei Chefärzte befinden, von Asklepios und externen Beratern eingerichtet wurde. Ergebnis war die Beantragung von Fördermitteln beim Land NRW. Der Plan ist es, mit den beantragten Geldern die Klinik vollständig zu schließen. Sollten diese nicht von Land bewilligt werden, beantragt Asklepios hilfsweise Fördermittel für die Schließung der Kinderherzchirugie und der Kardiologie (DKHZ). Die mögliche Schließung hat einer Welle des Unverständnisses ausgelöst und für viele Bürger war klar: Wir wollen etwas unternehmen!

Was wurde unternommen?

Eine recht spontane und zugleich effektive Reaktion kam aus Niederkassel selbst. Der Vorsitzende des Vereins „Spina Bifida und Hydrocephalus NRW e.V“ , Walter Bass rief als erste Reaktion und nach Gesprächen mit dem Chef der Asklepios Klinik Uwe Jansen zu einer Versammlung am 6. Juli auf.

Sein Verein SBHC NRW e.V. ist seit 2010 ein unabhängig eingetragener Verein, der sich für Familien, die von der häufig auftretenden Fehlbildung bei Neugeborenen, Spina Bifida, und der in einigen Fällen damit verbundenen Störung des Gehirnwasserkreislaufes Hydrocephalus einsetzt. In der Sankt Augustiner Klinik werden neben anderen schweren Krankheiten, Kinder mit Spina Bifida behandelt. Doch nicht nur deswegen „bekennt der Verein Solidarität“, wie Walter Bass in einem Gespräch mit machPuls! erklärte. Man müsse sich für alle Kinder, die in der Klinik behandelt wurden oder werden, einsetzen und auch dem Klinikpersonal, für die ein neuer Arbeitsplatz ebenfalls eine strukturelle Umstellung bedeutet, den Rücken stärken.

So kam es, dass nicht nur Vereinsmitglieder zu der Demonstration bei gutem Wetter am Samstag erschienen, sondern ebenfalls einige besorgte Bürger und Eltern, deren Kindern in der Klinik geholfen wurde oder wird. Zudem begleiteten viele Kinder die Versammlung. Kuscheltiere, Banner, Plakate und Transparente wurden vor dem Eingang der Klinik in die Luft gehalten. Auch ein Teil des Klinikpersonals schloss sich der Menge an und so kamen ungefähr 600 friedliche Demonstranten in Sankt Augustin zusammen. Viele der Menschen forderten die Politik auf, Signale für Kinder zu senden, indem die Schließung verhindert würde. „Weg mit Gier und Profit“, „Asklepios hat mein Leben gerettet“ und „Wo sollen wir sonst hin“ prangte auf vielen Plakaten.

Walter Bass erwähnte während der Versammlung, dass das „Wichtigste Gut“ der Gesellschaft die Kinder seien und diese nicht im Verhältnis zu Geld stehen dürfen. Bürgermeister von Sankt Augustin, Klaus Schumacher, hielt eine bewegende Rede, in der er betonte, dass ihm damals versprochen wurde, Asklepios werde weiterhin Bestand haben und sich dies leider als „Trugschluss“ entpuppte. Damals wäre der Tiefpunkt durch die Schließung der Geburtenhilfe bereits erreicht gewesen. Nun steht die Kinderklinik erneut vor einem echten Abgrund, dies hätte der Bürgermeister nicht erwartet und zeigt sich entsetzt von der Situation. Neben Klaus Schumacher sprachen sich ebenfalls Denis Waldästl, stellvertretender Landrat Rhein-Sieg- Kreis, Prof Dr. Gerd Horneff, Chefarzt der Kinder und Jugendmedizin, Prof. Dr. Martina Meßing-Jünger, Chefärztin der Abteilung Neurochirurgie und Altbürgermeisterin Anke Riefers, Sankt Augustin gegen die Schließung aus.

Weiterhin kamen die Gründe der Schließung erneut zur Sprache. So erklärte eine Ärztin, die St. Augustin zwangsweise aufgrund der Schließung der Geburtenhilfe verlassen musste, dass nicht die Abgänge der Ärzte an die Bonner Uniklinik das Problem seien. Vielmehr wäre die Politik innerhalb des privaten Krankenhausunternehmens Schuld an dem Debakel. Gegenmeinungen sehen den Fehler viel mehr in der Landespolitik und in den Millionenausgaben für die Uniklinik, die ein neues Herz- und Eltern-Kind-Zentrum bekommt.

Wie geht es weiter?

Noch lange ist nichts in trockenen Tüchern, noch lange kann auf eine Entscheidung gewartet werden. In einem gestrigen Krisengespräch, in dem sich der Landrat des Rhein-Sieg-Kreises, Manager der Krankenhaus-Betreibers Asklepios und Klaus Schumacher sich mit Vertretern des NRW-Gesundheitsministeriums getroffen hatten, kam es zu keinem konkreten Ergebnis.

Auf der Demonstration konnte auf einem Plakat der Text „Wir sind mehr als ein Euro wert“ gelesen werden. Der Konzern soll die Klinik dem Rhein-Sieg-Kreis für 1 Euro zum Kauf angeboten haben. Dieser Verkauf wurde vom Kreis jedoch abgelehnt.

Außerdem könne die Klinik sich eventuell eine Kooperation mit anderen Kliniken vorstellen. Asklepios kooperiert derweil zum Beispiel mit den GFO-Kliniken in Troisdorf im Bereich der Geburtenhilfe, seit der Schließung der eigenen Geburtsstation im Jahre 2017. Eine ausgedehnte Kooperation wäre somit eine Idee. Auch die Uniklinik könne im Gespräch sein, für die Asklepios ebenfalls als Lehrkrankenhaus, also als „Teilzeit-Lehrstätte“ für Studenten der Universität Bonn zur Verfügung steht. Trotz alldem scheinen Fördergelder dringend notwendig zu sein. Wirklich sicher ist bisher noch nichts, außer dass eine Lösung dringend gefunden werden sollte. Wir werden die Klinik auf ihrem weiteren Weg im Auge behalten!

Habt ihr auch demonstriert? Was ist eure Meinung zu der Schließung? Gibt es weitere Informationen? Wir sind gespannt…

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