Asklepios Kinderklinik kurz vor dem Ende

Das rechtsrheinische Klinikum für Kinder und Jugendliche hat am 2. Juli in einer Pressemitteilung bekanntgegeben, dass es schließen wird. Warum überhaupt und ist da noch was zu retten? Was unternimmt Niederkassel?

Asklepios Kinderklinik kurz vor dem Ende

Im Jahr 1985 wurde Asklepios gegründet. Heute ist der private Klinikbetreiber mit rund 160 Gesundheitseinrichtungen einer der größten in Deutschland. Medizinische Qualität ist seit jeher ein Grundstein der Kliniken, die insgesamt 47.000 Mitarbeiter beschäftigen.

In der Asklepios Klinik in St. Augustin gibt es insgesamt 15 Fachabteilungen und circa 850 Mitarbeiter. Leider schrumpft diese Anzahl durch einige Abänge aus dem Kinderherzzentrum. Chefarzt und Direktor des DKHZ Boulos Asfour wechselt zum September an das Uniklinikum in Bonn. Des Weiteren verlässt Chefarzt Martin Schneider, ebenfalls vom DKHZ, die Klinik. Der Abgang der beiden renommierten Ärzte ist ein schwerer Schlag für den Klinikbetreiber, der sich selbstverständlich auf die Patienten auswirken wird. Mit den Chefärzten haben außerdem sieben weitere Ärzte und ein Teil des Pflegepersonals ihre Kündigung eingereicht und werden ab Herbst ebenfalls im Herzzentrum des Uniklinikums anfangen.

Das ist aber noch lange nicht alles. Die Klinik in St. Augustin streitet schon seit Jahren erfolglos mit dem Land um Fördergelder für eine Sanierung. Schon vor zwei Jahren leitete Asklepios die ersten Schritte ein und schloss seine Geburtshilfenstation. Nun scheint das Kinderherzzentrum an der Reihe zu sein. Dazu benötigt die Klinik Fördermittel zur dauerhaften Schließung der zwei organisatorisch eigenständig geführten Krankenhausfachabteilungen (Kinderherzchirurgie sowie Kinderkardiologie) und einen Sicherstellungszuschlag. Allerdings ist im Grunde nicht nur das Kinderherzzentrum betroffen, sondern nur eine Lösung, falls die gesamte Schließung des Klinikstandorts nicht bewilligt wird. Schließlich hat die Klinikleitung zum 1. Oktober 2019 Fördermittel zur Schließung des gesamten Krankenhausbetriebs in Sankt Augustin gemäß der Krankenhausstrukturfonds-Verordnung beantragt und benötigt dazu Fördermittel aus den Strukturfonds des Bundes.

Unklar ist somit auch die Zukunft des Ronald McDonald Hauses auf dem Klinikgelände, in dem Eltern nur wenige Meter von der Klinik entfernt ein Zuhause auf Zeit vorfinden und sich vom anstrengenden Krankenhausalltag, und zugleich immer in der Nähe ihres Kindes, erholen. Das Gleiche gilt für die Ronald McDonald Oase, in die Familien erneut Zeit beim Spielen und abseits der typischen Krankenhauswände verbringen können.

Die Gemüter erhitzen sollte vor allem, dass in die Erweiterung des Uniklinikums für ein neues Herz- und Eltern-Kind-Zentrum Millionen im dreistelligen Betrag vom Land fließen sollen. Das der ausgebaute Bereich und der Wechsel der Ärzte und Pfleger an die große Uniklinik auf der anderen Rheinseite nicht gerade zu einer Verbesserung der Lage des St. Augustiner Klinikums beiträgt bestätigt auch Geschäftsführer Uwe Jansen.

Auf der anderen Seite steht die Asklepios Klinik selbst in der Kritik ihre Arbeit zu kommerziell auszurichten und deshalb schließen zu wollen.

Solch eine Schließung würde mehrere Folgen mit sich bringen. Zum einen müssen sich die Kinder neu orientieren. Besorgte Eltern, deren Kinder unter speziellen Krankheiten leiden, die in der Klinik behandelt wurden oder werden, wären verpflichtet ihre Kinder erneut in einer neuen Klinik in beispielweise Bonn zu integrieren oder gar Wege in eine Klinik bis nach Hamburg auf sich zu nehmen. Eine unbedingt zu verhindernde Situation findet auch Vorsitzender des Vereins „Spina Bifida und Hydrocephalus NRW e.V.“ Walter Bass, weshalb dieser eine Versammlung für den 06.07. ankündigt.

Sein Verein SBHC NRW e.V. ist seit 2010 ein unabhängig eingetragener Verein, der sich für Familien, die von der häufig auftretenden Fehlbildung bei Neugeborenen Spina Bifida und der in einigen Fällen damit verbundenen Störung des Gehirnwasserkreislaufes Hydrocephalus einsetzt. Die Selbsthilfearbeit besteht aus gegenseitiger Unterstützung und Geborgenheit in einer gewachsenen Gemeinschaft und bietet darüber hinaus Seminare und enge Arbeit mit Kliniken an, zur weitern Aufklärung und dem medizinischen Umgang mit der Krankheit.

Das eine wichtiger Bereich der Asklepios Klinik geschlossen werden soll und eventuell die komplette Schließung der Klinik droht, ist für Herrn Bass und weitere Vereinsmitglieder eine untragbare Situation. Es werde sofort Zeit „Solidarität zu bekennen“, so der Vereinsvorsitzende. Die Solidarität bezieht sich sowohl auf die Kinder und die Familien dieser, die in der Klinik behandelt werden und werden sollen und sich dort gut aufgehoben fühlen. Die Solidarität geht auch an die vielen Mitarbeiter der Klinik, die sich auf die Suche nach einem neuen Arbeitsplatz begeben müssen. Auch, wenn es derzeit viele Arbeitsplätze in der Pflege und in Krankenhäusern gibt, ist dies trotz alledem eine Umstellung, die Auswirkungen auf die gesamte Lebensstruktur haben kann.

Die Planung der Versammlung am Samstag war eine recht spontane Idee des Vereins. So wurde die Veranstaltung kurz nach Bekanntgabe der Schließung des Kinderherzzentrums beantragt und Herr Bass führte mitunter ein Gespräch mit Uwe Jansen. Trotz der Spontanität rechnen die Mitglieder mit vielen Interessierten, selbstverständlich nicht nur aus ihrem Verein. Der Vorsitzende der SBHC NRW e.V. findet, dass es außer Frage stehen müsse, dass Kinder nicht im Verhältnis zu wirtschaftlichen Gesichtspunkten stehen dürfen. Zudem sei der kinderärztliche Bereich auf der rechtsrheinischen Seite ohnehin schon unterbesetzt, sodass eine mögliche Schließung Asklepios gravierende Folgen mit sich bringe.

Auch für eine Kooperation mit einer anderen Klinik sprechen sich viele Gegner der Schließung aus. Hauptsache, die St. Augustiner Klinik bleibt bestehen. Außerdem dient das Klinikum zur Zeit ebenfalls als Lehrkrankenhaus, also als „Teilzeit-Lehrstätte“ für Studenten der Universität Bonn. Es ist und bleibt auch deswegen ein wichtiger und vor allem zukunftsorientierter Standort.

Versammlung: Samstag um 15.00h am Haupteingang der Asklepios Klinik St. Augustin

Wer Zeit hat oder die Zeit finden sollte, ist am Samstag um 15.00h am Haupteingang der Asklepios Klinik St. Augustin (Arnold-Janssen-Str. 29) eingeladen, um an der Versammlung des SBHC teilzunehmen.

Was ist eure Meinung zu der Schließung und den Gründen? Kennt ihr noch mehr Gründe, warum die Klinik geschlossen werden soll? Wir sind gespannt, wie es weitergeht und bleiben für euch dran…

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