Grabkreuze am Alten Turm werden restauriert

Die Grabkreuze sind steinerne Zeugen der Bestattungskultur aus dem 16. bis 18. Jahrhundert. Die Interessengemeinschaft Alter Turm Lülsdorf hat sie vor vielen Jahren bei ihren Pflegearbeiten geborgen und seitdem stehen sie rund um den Alten Turm.

Grabkreuze am Alten Turm werden restauriert

Fast sanft hebt der Kran auf dem LKW des Steinmetzes das 250 Kilogramm schwere Grabkreuz aus der Erde und setzt es dann sanft auf der Ladefläche ab, damit möglichst nichts zu Bruch geht.

Derzeit haben sich die Mitglieder der Grabkreuze angenommen, die zum Teil aus Drachenfelstrachyt beziehungsweise aus Andesit gearbeitet sind und an denen nach vielen Jahrzehnten der Zahn der Zeit nagt. Daher suchte man nach einem Weg, diese Grabkreuze fachgerecht restaurieren zu lassen und stieß bei der Suche auf die Diplom Restauratorin Manuela Prechtel, dessen Spezialgebiet die Restaurierung und Konservierung aus Stein ist. Nachdem die Stadt Niederkassel ihre Zustimmung zur Restauration gegeben und sich zur Kostenübernahme bereit erklärt hatte (Landeszuwendungen von 30 Prozent aus dem Denkmalförderprogramm des Landes NRW konnten abgerufen werden) wurden die neun Grabkreuze nun fachgerecht aus der Erde gehoben. Fast sanft hob der Kran auf dem LKW des Steinmetzes die 250 Kilogramm schweren Grabkreuze aus der Erde und setzte sie dann sanft auf der Ladefläche ab, damit möglichst nichts zu Bruch geht.

Danach wurden die Kreuze nach Bonn in den Steinmetzbetrieb Naundorf Krautien gebracht. Hier werden sie zwischengelagert und restauriert. „Nach einer Reinigung mit Heißdampf werden bauschädliche Salze entfernt. Anschließend erfolgt die Restaurierung der Steine, bei der die Erhaltung des jetzigen Zustandes im Vordergrund steht. Eine Rekonstruktion der Fehlstellen ist nicht vorgesehen“, so Prechtel. Die Bossen (überstehendes Material eines Natursteines) der Steine, die im Erdreich stecken, werden zuvor entfernt, denn sie haben die Feuchtigkeit aus der Erde in den Stein transportiert. Um die Steine langfristig zu sichern, schlug die Restauratorin vor, die Steine auf einem neuen Fundament zu befestigen. Zwischen Fundament und Stein wird eine Steinplatte aus Basaltlava montiert, die den Wassertransport verhindert.

Sollten keine größeren Schäden festgestellt werden, dann könnten die Grabkreuze noch in diesem Jahr wieder nach Lülsdorf zurückkehren. Dort werden sie dann in einem neuen Fundament, mit einem Dübel aus Edelstahl gesichert, eingesetzt. Zusätzlich wird als Drainage ein Kiesbett angelegt und mit Basaltlava eingefriedet. Doch die Mitglieder der IG schauen schon wieder nach vorne und haben neue Ideen. „Wir wollen am Eingang einen großen Rosenbogen aus Schmiedeeisen mit einer Pergola erstellen lassen“, so Murschall zu den weiteren Plänen der IG. Ein leidiges Problem, so Murschall, sei der hohe Wasserverbrauch zur Pflege der Anlage. „Diese Kosten sprengen auf die Dauer unser Budget und daher planen wir den Bau eines Brunnens. Das wird allerdings noch etwas dauern, denn dazu müssten wir nach vorsichtigen Schätzungen 3.500 Euro zahlen“, sagte Murschall zu den Plänen der nächsten Jahre.

Was macht die Interessengemeinschaft (IG) Alter Turm Lülsdorf?

Im Laufe von etlichen Jahren ist es der IG gelungen, neben dem Turm einen schönen gepflegten Park anzulegen, der zum Verweilen einlädt. Früher stand hier die erste Lülsdorfer Pfarrkirche St. Jakobus, erbaut im 11. oder 12. Jahrhundert. Nach dem Neubau der heutigen Pfarrkirche, nur wenige hundert Meter weiter, wurden 1880 Haupt- und Seitenschiff sowie der Chor abgerissen. Übrig blieb nur der Turm, der eine wechselvolle Vergangenheit hat. Viele Vorhaben, wie steinerne Sitzbänke, neu angelegte Wege und Schautafeln wurden in Eigenarbeit und oft mit finanzieller Unterstützung von Sponsoren, umgesetzt. „Es wird immer schwieriger Sponsoren und finanzielle Unterstützer zu finden. Noch schwerer fällt es, neue junge Mitglieder für diese Art der Denkmalpflege zu begeistern“, so der 1. Vorsitzende Winfried Murschall.

Logo