Myriameterstein in Niederkassel-Lülsdorf

Neues Buch schildert lebhaft die Geschichte der hier lebenden Bevölkerung, deren Kultur sowie die zahlreichen Vorkommnisse. Unter anderem werden die Myriametersteine erklärt.

Myriameterstein in Niederkassel-Lülsdorf

Im neu erschienenen Buch des Beueler Herausgebers und Autors Hans Paul Müller „Beueler Miniaturen“ ist, neben einer Vielzahl interessanter Beiträge aus dem Rheinland und Beuel, auch ein Gastbeitrag der Autorin Margret Müller über die historischen Myriametersteine entlang des Rheins.

In Beuel ist ein solcher Kilometerstein in der Nähe der Nordbrücke zu sehen. Ein Myriameterstein ist ein Kilometerstein, dessen Name sich vom altgriechischen Wort myrias - zehntausend ableitet. Ein Myriameterstein entspricht demnach 10.000 m bzw. 10 Kilometer.

Auch die Stadt Niederkassel hat einen Myriameterstein aufzuweisen. Der fast würfelförmige Stein befindet sich an der Wegzweigung Uferstraße/Schneppenpfädchen in Niederkassel-Lülsdorf. Der Stein geht auf die Begradigung und Vermessung des Rheins im 19. Jahrhundert zurück.

Im Mai 1864 wurde erstmals eine Gesamtvermessung des Rheins angeordnet. Die sollte in Basel beginnen (heute Rheinkilometer 166,6) und an der Rheinmündung in den Niederlanden enden. 1867 wurde beschlossen, die Ergebnisse der Vermessung durch Vermarkungsmarken, sogenannte Myriametersteine, zu kennzeichnen. Ab 1883 wurden die Steine durch Landeskilometrierungen ersetzt. Heute sind in etwa noch 70 dieser Myriametersteine vorhanden.

Myriameterstein Lülsdorf

Das Lülsdorfer Exemplar wurde im Jahr 2001 von Mitgliedern des örtlichen Bürgervereins wiederentdeckt, nachdem es viele Jahre unentdeckt im Uferbereich lag. 2014 wurde der inzwischen restaurierte Stein an einem neu gestalteten Standort an der Walter-Esser-Brücke wieder aufgestellt. Die den Sockel umgebenden Kieselsteine symbolisieren das Flussbett des Rheins. Der Lülsdorfer Myriameterstein weist die übliche Kantenlänge von ca. 50 Zentimetern auf, Stein und Sockel sind etwa 1,20 Meter hoch.

Alle vier Seiten des ursprünglich einmal schwarz-weiß angestrichenen Steins sind beschriftet:

  • Die Rheinseite zeigt die Nummer des Steins mit der römischen Ziffer „L“ aus (für 50, d.h. fünfzig Mal die Myriade von 10.000 Metern) und darunter die Höhe des Steines über dem seinerzeit maßgeblichen Amsterdamer Pegel (Amsterdams Peil) mit „46,666 M.“. Diese Höhenangabe war relevant für die Berechnung des Flussgefälles.

  • Die Bergseite beschreibt die Entfernung zur damaligen preußisch-hessischen Grenze „165,227 K.M. von der Landes Grenze“.

  • Die nordöstliche Landseite weist mit „500,000 K.M. von Basel. 394,450 K.M. bis Rotterdam“ die Entfernung zu den Bezugsorten Basel und Rotterdam aus.

  • Die nordwestliche Talseite nennt mit „186,703 K.M. bis zur Landes Grenze“ die Entfernung zur damaligen Grenze zwischen Preußen und Holland aus.

Weitere gut erhaltene Myriametersteine in Niederkasseler Einzugsgebiet findet man in Bad Godesberg an der Bastei, in Graurheindorf Uferweg/Leinpfad und rechtsrheinisch in Niederdollendorf am Rheinufer gegenüber dem "Weinhaus am Rhein".

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