Stolpersteine gegen das Vergessen wurden vergessen

Die zwei fehlenden Stolpersteine wurden nach circa 10 Jahren verlegt. Was es mit den beiden Steinen auf sich hat und welche Geschichten dahinter stecken, erfahrt ihr hier bei machPuls.

Stolpersteine gegen das Vergessen wurden vergessen

Der Künstler Gunter Demnig ist Initiator der inzwischen unzähligen Stolperstein-Aktionen. 1996 fing er damit an die Stolpersteine zu verlegen; zuerst illegal, seit 2000 dann legal. Stand 2018 wurden bereits über 70.000 Steine verlegt.

Stolpersteine in Mondorf und Rheidt

Alle Mitglieder der jüdischen Gemeinde in Mondorf haben bereits vor zehn Jahren (30. August 2009) einen Gedenkstein bekommen. Nur Karola Stern aus Rheidt und Benno Levy aus Mondorf wurden ausgelassen. Dieses Verpassen wurde nun nachgeholt. Das Projekt „Gewalt beendet keine Geschichte“ von Schülern und Lehrern des Kopernikus-Gymnasiums findet damit nach rund 20 Jahren noch einmal eine Fortsetzung.

Benno Levy wurde in Auschwitz ermordet, seinem Bruder Erich war die Flucht nach Brasilien gelungen, während seine erblindete Mutter Mathilde in Theresienstadt und seine Schwester Renate Rachel in Auschwitz starben. Für ihn setzte Demnig nun an der Oberdorfstraße 23 in Mondorf einen Stolperstein.

Karola Stern überlebte das Nazi-Regime. Heute heißt sie mit Nachnamen Adami. Karola Adami kam als Säugling nach Rheidt. Ihre Pflegeeltern holten sie aus einem Waisenhaus in Köln. Sie war bereits katholisch getauft, ihre leibliche Mutter war jedoch eine junge, unverheiratete Jüdin. Die ersten Jahre wuchs sie unbeschwert unter dem Familiennamen ihrer Pflegeeltern auf. Als die Zeiten sich änderten bekam sie zuerst ein Schulverbot, Anfang 1944 wurde sie dienstverpflichtet, dann im September in das Lager in Müngersdorf transportiert. Es war schwierig und gefährlich, aber ihr gelang die Flucht. Im Sommer 1945 war sie wieder zuhause.

Tiefe Wunden und Angst hielten Karola Adami lange davon ab, ihre Geschichte der breiten Öffentlichkeit zu erzählen. Letztlich hatte aber der Geschichtslehrer Georg Langen die Zusage bekommen und ihre Geschichte vor 20 Jahren aufgeschrieben, wenn auch erst ohne ihren Klarnamen zu nennen.

Für Karola Adami wurde vor der Geschäftsfiliale der Kreissparkasse Köln in Rheidt, Oberstraße 15, ein Stolperstein verlegt. Die 94jährige ist durchaus fit und konnte bei der Verlegung ihres Gedenksteines selber anwesend sein. Sie kam gemeinsam mit ihrer Tochter Michaela Adami-Eberlein aus Much angereist. Für Karola Adami war die Verlegung ein sehr wichtiges Ereignis.

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