Schon vor über 100 Jahren war eine Bahnverbindung über Niederkassel im Gespräch!

Ein Leserbrief aus dem Jahr 1892 an den Bonner Generalanzeiger wies schon zur damaligen Zeit auf die Verkehrsverhältnisse der unteren Sieg hin, die in der Gegenwart erneut in den Fokus der Bevölkerung gerückt sind. Wir berichten euch von den Plänen!

Schon vor über 100 Jahren war eine Bahnverbindung über Niederkassel im Gespräch!

Der Leserbrief stammt aus dem umfangreichen Archiv von Roland Klinger, dem Autor der Mondorfer Seiten.

„Wie aus Nr. 846 des "General-Anzeigers" ersichtlich, wird bald mit dem Bau der Vorgebirgsbahn Ernst gemacht werden. Wir Rechtsrheinischen gönnen dies den Bewohnern des Vorgebirges von Herzen; aber wann erscheint dann endlich die Zeit, daß dem Verkehr auch in unserer Gegend Ausschluß verschafft wird?“

So startet der Leserbrief, den der Bonner Generalanzeiger vor über 100 Jahren erhalten hat. Zu der Zeit wurde die Bahnstrecke Beuel-Hennef eröffnet und gleichzeitig kam die Idee auf diese Bahn über die Siegmündung, Mondorf, Rheidt bis Deutz als Uferbahn weiter zu bauen. Dieser Plan war aber leider ein „unaußführbares Projekt“, wie unser Schreiber des Leserbriefes mitteilt, da „die Strecke einer solchen Bahn […] ganz im Ueberschwemmungsgebiet von Rhein und Sieg [läge].“ Weiter erklärt der Autor: „Der Damm den die Königliche Wasserbau-Commission zur Absperrung der alten Siegmündung hat bauen lassen, könnte eine Strecke benutzt werden, wenn er nicht bei gewöhnlichem Hochwasser über 1 Meter tief im Wasser läge. Zudem wäre eine wenigstens 1/2 km lange Brücke erforderlich, um die Siegmündung und die alten Mündungsarme der Sieg, sowie die Niederung daselbst zu überschreiten. Was noch mehr den Bau dieser Bahn erschweren müßte, ist der Erwerb der Grundstücke, da die Trace auf jeden Fall durch Mondorf gehen müßte.“ Auch Jahre vor dieser Idee scheiterten mehrere Projekte einer Bahn durch Niederkassel, jeweils auf Grund von Problemen mit dem Überschwemmungsgebiet.

Im Folgenden schlägt der Einsender vor „den Plan in Anregung [zu] bringen, eine breitspurige Secundärbahn von Troisdorf über Sieglar, Mondorf, Rheidt und Niederkassel zu bauen, die dann bei Urbach wieder in die Vollbahn einmünden, eventuell auch als Uferbahn weiter bis Deutz geführt werden könnte.“ Die Bahn hätte damals 18 bis 20.000 Menschen auf ihrem Weg nach Bonn und Köln geholfen, wo sie täglich arbeiten oder ihre Waren verkaufen mussten. Der Autor des Leserbriefs berichtet ausführlich über die Möglichkeiten und Vorteile des Baus einer Bahn durch Niederkassel und schließt seinen Brief wie folgt ab: „Hoffen wir darum, daß die Bonner Pferdebahn-Gesellschaft diesen Plan einmal näher in`s Auge faßt, besonders da für uns Bewohner des unteren Siegtheiles der Bau einer Uferbahn durch den Bau der Vorgebirgsbahn noch in weiter Ferne gerückt erscheint.“

„In weiter Ferne“ - diesen Wortlaut hat der Schreiber im Jahr 1892 gut gewählt, denn auch heute, im Jahr 2019, warten wir immer noch auf eine Bahnverbindung, die durch Niederkassel führt. Die Stadtbahn ist aber auch aktuell im Gespräch und soll vielleicht über den Rhein führen.

Ob im Jahr 2020 endlich genauere Informationen und Pläne zu einer Niederkassler Stadtbahn kommen, wissen wir nicht. Wir sind aber gespannt und halten euch wie immer auf dem Laufenden!

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