110 Jahre Standort Lülsdorf: Hier hat Wandel Tradition

Über 100 Jahre lang besteht der jetzige Evonik-Standort in Lülsdorf bereits. Wir von machPuls erzählen Euch seine Geschichte.

110 Jahre Standort Lülsdorf: Hier hat Wandel Tradition

Der Evonik-Standort Lülsdorf wurde am 7. November 1912 gegründet. Seine ursprüngliche Firmierung als „Deutsche Wildermannwerke, chemische Fabriken GmbH“ bezog sich auf den Chemiker Dr. Meyer-Wildermann, dessen Verfahren einer Kali- und Natriumelektrolyse das Herzstück des neuen Werkes bildete. Ein weiterer gewichtiger Teilhaber war der berühmte Unternehmer Hugo Stinnes, der Wildermanns Verfahren für den Stromabsatz aus dem eigenen Braunkohlekraftwerk „Vorgebirgszentrale“ benötigte.

Auch wenn die neue Fabrik günstig auf dem rechten Rheinufer unweit von Köln lag, fanden sich zunächst wenig Mitarbeiter. So wurden Arbeitskräfte von weiter weg angeworben und in neu errichteten Siedlungen untergebracht. Ihre Zahl wuchs schnell, sodass bereits 1919 eine eigene Baracke für gesellschaftliche Veranstaltungen errichtet wurde. 1920 folgte die Gründung des „Männergesangvereins der Deutschen Wildermann-Werke Lülsdorf am Rhein“, der unter anderem Namen bis heute existiert.

Das Werk zur Zeit der Weltkriege

Im Ersten Weltkrieg produzierte das Werk Lülsdorf neben den Elektrolyse-Produkten u.a. Kaliumchlorat für die Sprengstoff-Herstellung. Dr. Meyer-Wildermann schied gegen Kriegsende aus, nachdem er sich geweigert hatte, die von ihm erfundenen, mit hochwertigem Gummi ausgekleideten Zellen durch die günstigeren Siemens-Billiter-Zellen zu ersetzen. Als der Stinnes-Konzern 1920 grundlegend umstrukturierte, wurde die Lülsdorfer Fabrik Teil der 1917 gegründeten „Koholyt AG“. Das Schleifmittel Korund wurde ab 1925 für 70 Jahre zum erfolgreichsten Produkt. Nach Hugo Stinnes‘ Tod 1924 brach dessen zahlungsunfähiger Konzern auseinander. Das Werk Lülsdorf gelangte 1930 als Teil der Koholyt AG in den Besitz des damals größten deutschen Zellstoff- und Papier-Unternehmens: die Feldmühle AG.

Im Zweiten Weltkrieg verrichteten zunehmend Zwangsarbeiter aus der Ukraine, Polen, Italien, Belgien, den Niederlanden und Spanien die Arbeit imWerk Lülsdorf. Ein einschneidender Namenswechsel erfolgte zum Jahresende 1959, als die Feldmühle AG einen bedeutenden Anteil an der „Dynamit Aktiengesellschaft vorm. Alfred Nobel & Co.“ erwarb. Das Werk Lülsdorf wurde in einen neuen Produktionsverbund integriert, was 1962 auch gesellschaftsrechtliche Folgen hatte: Das von der Feldmühle AG verpachtete Werk hieß fortan „Dynamit Nobel AG, Werk Feldmühle Lülsdorf “. Für den Polyvinylchlo rid-Hersteller Dynamit Nobel war die Chlorelektrolyse der Lülsdorfer besonders wertvoll, da fortan das bisher zugekaufte Monomer Vinylchlorid selbst produziert wurde. Ab 1963 stellte man auch 1,2-Dichlorethan, ein Vorprodukt für Vinylchlorid, her. Das dazu nötige Ethylen aus der Raffinerie in Wesseling wurde durch ein Rohrleitungsbündel in einem Düker unter dem Rhein ins Werk Lülsdorf transportiert.

Die Ablösung von der Grundstoff-Produktion begann in Lülsdorf bereits 1953/54, als man die Forschung an Alkali-Alkoholaten als Folgeprodukte der Elektrolyse aufnahm. Produktionsstart war 1957. Ab 1962 wurden die Alkoholate zu den heute noch produzierten Orthoestern Trimethylorthoformiat und Triethylorthoformiat weiterverarbeitet. Aus dem Dynamit Nobel-Werk Witten kam 1967 die Produktion des Polyester-Vorprodukts Dimethylterephthalat hinzu. Das Werk Lülsdorf erreichte zu diesem Zeitpunkt die weiteste Ausdehnung seiner Produktpalette.

Übernahme durch Dynamit Nobel

1968 erwarb Dynamit Nobel von der Feldmühle AG das bisher gepachtete Werk, das fortan als „Dynamit Nobel AG, Werk Lülsdorf “ firmierte. 1988 kam es über die Vereinigte Elektrizitäts- und Bergbau AG (VEBA) zusammen mit dem Chemieteil der Dynamit Nobel AG an die Hüls AG und firmierte bis 1999 unter dem Namen „Hüls AG, Werk Lülsdorf “. Seit September 2007 ist das Werk Lülsdorf ein Standort von Evonik Industries. Im Jahr 2013 fanden die Feierlichkeiten zum 100-jährigen Bestehen des Standorts Lülsdorf statt. Eine aufwändige Ausstellung und ein Sommerfest für die Mitarbeiter und ihre Familien gehörten zu den Höhepunkten des Jubiläumsjahres.

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