E-Scooter Hype: Das sagt Niederkassel dazu

Im Juli haben wir eine Umfrage zum Thema „Zwischen Effizienz und Gefahr - E-Scooter für Niederkassel?“ gestartet. Diese haben wir nun ausgewertet und freuen uns, das Ergebnis mit euch teilen zu dürfen.

E-Scooter Hype: Das sagt Niederkassel dazu

Die Anzahl der E- Scooter in den Städten steigt. Neben dem Anbieter „Tier Mobility“, ist nun auch „Lime“ mit seinen weiß/grünen E-Scootern in vielen Städten (zum Beispiel Bonn) vertreten.

Bei unserer Umfrage haben wir euch drei Fragen gestellt, auf die ihr mit „ja“ oder „nein“ antworten konntet. Über 200 Teilnehmer haben teilgenommen und so ein erstes Stimmungsbild aufgezeigt.

Ergebnisse der Umfrage

  1. Seid ihr schon mal E- Scooter gefahren?

  2. Stellen die E- Scooter in euren Augen eine Gefährdung im Straßenverkehr dar?

  3. Seid ihr für ein „E-Scooter Sharing-System“ in Niederkassel?

Unsere kleine Umfrage zeigt eine positive Grundhaltung gegenüber den E-Scootern. Immerhin stimmen 73% für ein E-Scooter Leihsystem in Niederkassel und 67% sehen es nicht als Gefährdung des Straßenverkehrs an. Interessant daran: bisher haben nur 50% die Scooter auch wirklich getestet. Eine Interpretation dieses Fakts überlassen wir euch :)

Wie steht die Facebook Community zu einem Sharing-System in Niederkassel?

Gespaltene Meinungen und nachvollziehbare Begründungen konnten wir auch auf unserer Facebookpage zu dem Thema „E- Scooter“ sammeln.

Genau so wie unsere Umfrage gezeigt hat, gibt es auch bei Facebook diejenigen, die sich für ein „E-Scooter Sharing-System“ in Niederkassel aussprechen, da sie dies für eine adäquate Alternative zur schnellen Fortbewegung halten. Viele probierten die Roller im Umkreis oder im Urlaub bereits aus und zeigten sich positiv überrascht. Selbst diejenigen, für die ein solches Fortbewegungsmittel aufgrund der Strecke zur Arbeit oder der bevorzugten Nutzung von Fahrrädern nicht in Frage kommt, konnten sich mit dem Gedanken eines Sharing Systems in Niederkassel durchaus arrangieren. „Mit der Zeit gehen…“ solle die Stadt Niederkassel und sich den größeren Städten anschließen.

Auf der anderen Seite wurden Sorgen in Bezug auf die bis zu 20 km/h schnellen Kleinfahrzeugen geäußert. Der Umgang mit ihnen stellte für viele ein Problem dar. E- Scooter sollen besser auf sogenannten „Hubs“ abgestellt werden, stehen allerdings vielerorts im Weg herum und versperren so zum Beispiel den Bürgersteig.

Ob sie eine wirkliche Alternative für Niederkassel darstellen würden, wurde ebenfalls angezweifelt. So wäre ein wirklicher Ausbau der Infrastruktur die bessere Lösung. Auch die Einführung der „Nextbikes“, Deutschlands derzeit größtem Mietfahrrad-System, wäre eine Idee für Niederkassel. Hierbei würde kein Elektroschrott anfallen. Zudem könnte eine vorerst umweltfreundliche Fortbewegung angeboten werden, bei der die Nutzer mehr in Bewegung wären, als auf den E-Scootern. Allgemein haben wir die Stimmung im Bezug auf die E- Scooter positiv wahrgenommen. Voraussetzung war allerdings, dass der Gebrauch verantwortungsbewusst erfolgen müsse, Rücksicht auf andere Verkehrsteilnehmer genommen werden sollte und die Fahrer die Roller nach Gebrauch ordentlich abstellen.

Und jetzt? Sind die E- Scooter nun der neue & umweltbewusste Alternativplan?

50 km Entfernung können mit den Scootern mit einer Akkuladung zurückgelegt werden, geparkt werden dürfen sie nur innerhalb des angegebenen Betriebsgebietes. Die generell chaotische Parkplatzsituation ist jedoch ein Problem. Besserung wird mit Hilfe einer neuen Appfunktion versprochen, bei der der Fahrer aufgefordert wird, ein Foto von dem geparkten Roller zu schießen. Die App erkennt dann, ob er richtig oder falsch steht. Strafen für Falschparker gäbe es bei „Lime“ allerdings nicht, da der Roller letztendlich verschoben werden könnte. Auch das Unternehmen „Tier Mobility“ ist interessiert daran, die Parksituation mit beispielsweise einer Belohnung, wie Freifahrten für vernünftiges Abstellen, zu verändern. Wichtig ist, dass die Anbieter eng mit den Behörden und der Stadtverwaltung zusammen arbeiten und stets ein Auge auf die verantwortungsbewusste Nutzung der E- Scooter werfen.

Weiterer Kritikpunkt, der in der letzten Zeit zu vielen Aufregern geführt hat, ist der Umweltaspekt. E-Scooter haben keinen Verbrennungsmotor und blasen demzufolge keine Schadstoffe in die Luft. Eigentlich ziemlich umweltfreundlich oder nicht?

Eine Studie der University of North Carolina hat die gesamte Emissionsbilanz von amerikanischen Leih-E-Scootern untersucht. Hierbei wurden sowohl Materialgewinnung als auch die Herstellung und Nutzung berücksichtigt. Die beteiligten Forscher gingen von circa 88 – 126 Gramm CO2 pro Passagier pro Kilometer aus. Über 50 % der Emissionen entstehen bei der Herstellung. Die Akkus in den E- Scootern stellen wohl einen größeren umwelttechnischen Nachteil dar. Die Batterien enthalten Nickel, Kobalt und andere seltene Rohstoffe, deren Gewinnung häufig mit großen Umweltbelastungen verbunden ist. Die Arbeitsbedingungen beim beispielsweise Lithium- Abbau sind außerdem oft prekär.

Insgesamt sind die E- Scooter zwar umweltfreundlicher als Autos. Sie stellen aber natürlich eine beeinträchtigende Wirkung auf die Umwelt dar, sollten sie zum Beispiel anstelle eines Fahrrads genutzt werden. Problematisch ist auch, dass nach ersten Befragungen, die meisten einen E- Scooter aus einem Sharing- System dann nutzen, wenn sie eigentlich zu Fuß gehen wollten.

Zudem werden E- Scooter, gemäß einer Studie des Beratungsunternehmens „Civity“, bislang vor allem abends und an Wochenenden genutzt. Dies spricht gegen den Einsatz der Roller für den Arbeitsweg und somit gegen eine Entlastung des Berufsverkehrs durch E-Scooter. Viele meinen daher, dass Verleiher E-Scooter statt in den Innenstädten besser in den Außenbezirken aufstellen sollten, da sie dort eher ein Auto ersetzen, als in Gebieten, in denen fast alles mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen ist.

Ein aktuell noch nicht gelöstes Problem stellt die Lebensdauer der E- Scooter dar: Je früher sie kaputt gehen, desto schlechter ist ihre CO2-Bilanz. Derzeit ist in Deutschland nicht klar, wie lange die durchschnittliche Lebensdauer eines E- Scooters tatsächlich beträgt, jedoch sprachen einige US- Newsportale teils von lediglich zwei bis drei Monaten (für die Anbieter dennoch ein „Plus-Geschäft“). Die Hersteller geben hier ca. 12 - 16 Monate an - auch das langt unserer Meinung nach bei weitem noch nicht aus, um überhaupt einen positiven Beitrag zum Umweltschutz leisten zu können…

Der E- Scooter bleibt weiterhin ein heißes und zugleich heikles Thema. Wir von machPuls werden den Trend weiter beobachten. Wir bedanken uns bei allen, die an der Umfrage teilgenommen und uns so geholfen haben ein Meinungsbild aus Niederkassel und der Umgebung zu erhalten.

Wir freuen uns über mögliche weitere Impulse von euch zum Thema!

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