St. Martin in Niederkassel: Laternen und erleuchtete Fenster bringen Licht in die dunkle Corona-Zeit

Kolumne: Bönnsch' Mädche in Niederkassel

St. Martin in Niederkassel: Laternen und erleuchtete Fenster bringen Licht in die dunkle Corona-Zeit

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber St. Martin gehört zu meinen absoluten Lieblingsfesten. Die Lieder und Lichter erinnern mich jedes Jahr daran, wie ich als Kind in der Schule Laternen gebastelt habe, wie ich durchgefroren im Martinszug durch mein Heimatdorf gelaufen bin und wie St. Martin auf seinem Pferd vorneweg geritten ist bis zu dem Platz, an dem das Martinsfeuer feierlich entzündet wurde. Und natürlich erinnere ich mich an Weckmänner und die vielen Süßigkeiten, die ich im Anschluss beim Martinssingen erhalten habe. Nicht ganz so viele wie auf dem Karnevalszug, aber immerhin genug für den restlichen November.

Besonders erinnere ich mich an ein St. Martin. Ich war wohl so in etwa sieben Jahre alt und lag mit Fieber im Bett. Stundenlang versuchte ich, meine Mutter dazu zu überreden, mich doch auf den Umzug gehen zu lassen - ohne Erfolg. Ich war so wahnsinnig traurig und enttäuscht, dass ich mich auch heute noch, rund 20 Jahre später, gut daran erinnern kann. Warum erzähle ich das? Weil ich mir sicher bin, dass auch in diesem Jahr viele Kinder wahnsinnig enttäuscht waren, auf das übliche Martinsfest verzichten zu müssen: auf Martinszüge, das Martinsfeuer und das Martinssingen im Anschluss. Und ich kann sie gut verstehen.

Ich frage mich: Verstehen sie alle, warum das Fest in diesem Jahr ausfallen musste? Verstehen sie, warum sie auf etwas verzichten mussten? Ich zumindest habe es als Kind nicht verstanden. Ich erinnere mich noch, wie wütend ich auf meine Mutter war, die mich nicht gehen ließ. Was machte schon das bisschen Fieber? Ich würde mich ja warm anziehen. Natürlich hatte sie Recht. Und natürlich war es gut und richtig, auf Martinsumzüge in diesem Jahr zu verzichten. Aber sehen das auch die Kinder, die in der Schule mit Fleiß Lieder geübt und vielleicht sogar Laternen gebastelt haben?

Vielleicht kann man ihnen ja einmal wieder die Geschichte vom heiligen Sankt Martin erzählen. Die Geschichte vom jungen Soldaten Martin von Tours, der an einem kalten Wintertag an einem Stadttor einem armen Bettler begegnete und ihm die eine Hälfte seines Mantels gegen die Kälte gab. Martin brachte ein Opfer für jemanden, den er überhaupt nicht kannte. Er verzichtete selbstverständlich auf etwas, das ihm wertvoll war, um jemand anderem zu helfen. Und etwas Ähnliches tun wir doch alle aktuell und tun auch die Kinder. Wir üben Verzicht, in erster Linie nicht für uns selbst, sondern für die Gemeinschaft und insbesondere für jene, die schwächer sind als wir.

Und ganz auf die Martinsstimmung mussten wir ja in diesem Jahr doch nicht verzichten. Hell erleuchtete und schön geschmückte Fenster erinnerten und erinnern uns daran, dass nun die Zeit der Lichter beginnt. Wir haben einige eurer schönsten Bilder gesammelt.

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