Niederkasseler Spargel gibt es auch zu Zeiten von Corona

Auch wenn es viel zu wenig Erntehelfer gibt - die Spargelbauern versuchen alles. Unerwartete Helfer wie Sven Otternberg unterstützen sie dabei.

Niederkasseler Spargel gibt es auch zu Zeiten von Corona

Die Spargelzeit sowie dessen Ernte steht in diesem Jahr unter einem besonderen Vorzeichen: Die erwarteten Erntehelfer werden wohl in dieser Saison nicht einreisen dürfen. Zur Eindämmung der Corona-Pandemie hat die Bundesregierung die Einreisebestimmungen verschärft. Doch die Spargelernte muss erfolgen, wenn der Spargel reif ist, ist körperlich anspruchsvoll und geschieht bei jeder Wetterlage. Was ist jetzt die Alternative? machPuls hat sich bei Spargelbauern aus der Umgebung umgehört:

Frischer Spargel auf Gut Schneppenhof

Endlose Spargeldämme, abgedeckt mit weißer und schwarzer Folie, ziehen sich durch das Retentionsbecken im Langeler Bogen zwischen Lülsdorf und Langel. In dem Rückhaltebecken, das bei extremem Hochwasser geflutet werden soll, gedeiht der Spargel offensichtlich besonders gut. Die Erntehelfer von Werner Mittermair vom Schneppenhof haben alle Hände voll zu tun, denn der Spargel wächst unter den Planen stetig. Der Februar hat mit teils sehr milden Temperaturen dafür gesorgt, dass sich der Erntebeginn in diesem Jahr nach vorn verschoben hat. So gab es auf dem Schneppenhof schon am Ostersamstag den ersten Spargel frisch vom Feld.

Es ist kein leichter Job, der den Erntehelfern aber flott von der Hand geht. Ihre Arbeit wird von sogenannten Spargelspinnen unterstützt. Mittels dieser kleinen vierrädrigen Karren wird die Spargelfolie über dem Damm angehoben und ein zirka zweieinhalb Meter langer Abschnitt des Dammes wird frei. Jetzt kann hier ganz bequem der Spargel gestochen werden. Dazu wird die Erde um den Spargel etwas entfernt und mit einem speziellen Stechmesser wird die Stange abgestochen. Anschließend wird die Erde wieder in das entstandene Loch gefüllt und weiter geht es zur nächsten Stange. Die Folie legt sich nach der Ernte wieder auf den Damm und schützt die nächsten kleinen Stangen vor der Sonne. Trotz dieser Unterstützung, arbeiten die Erntehelfer fast ausschließlich in gebückter Haltung. Sind die Kisten mit dem gestochenen Spargel gefüllt, werden sie direkt mit dem Traktor zum nur wenige hundert Meter entfernt liegenden Schneppenhof transportiert, wo man den Spargel einer Eiswasserkühlung unterzieht. Nach zirka 20 Minuten haben die Stangen ihre Temperatur erreicht und bleiben so zart und frisch. Der Spargel wird nun gewaschen, auf Länge geschnitten und sortiert.

Lange bleibt der Spargel aber nicht im Hofladen liegen, denn die Kunden stehen, in gebotenem Abstand an, denn Spargel ist eines der beliebtesten Frühlingsgemüse in Deutschland. Allerdings muss man sich schon sputen, denn die Spargelsaison endet am Johannistag (24. Juni). Einziger Wermutstropfen für Werner Mittermair ist der Mangel an geeigneten Erntehelfern. „Das ist keine Arbeit, die man mal so nebenbei macht. Leider fehlen uns viele Erntehelfer in diesem Jahr und diejenigen, die sich melden, sind meist nicht geeignet“, so Mittermair.

Spargelhof Bernschein von Solidarität überwältigt

Auch die Lülsdorfer Spargelerzeugerin Maritta Schäfer-Bernschein vom "Spargelhof Bernschein" in der Bachstraße war auf Grund der fehlenden Erntehelfer anfangs sehr besorgt. Doch solidarisch mit dem Spargelerzeuger haben sich die letzten Tage aber viele Menschen aus dem Freundes- und Bekanntenkreis sowie auch Fremde gemeldet, die sich spontan bereit erklärten der Familie Bernschein bei der Spargelernte behilflich zu sein. Dieses Hilfsangebot ist beeindruckend und hat die Spargelhofbetreiber sprichwörtlich vom "Hocker" gehauen.

Spargelstechen während Kurzarbeit

Der in Mondorf lebende Familienvater Sven Otternberg ist solch ein freiwilliger Helfer. Er ist beruflich bei den Telekom Baskets Bonn als Salemanager (Vermarktung & Sponsoring) beschäftigt. Um gemeinsam mit seiner Frau Silvia die monatlichen Kosten zu stemmen, nahm er die die Möglichkeit an, auf dem Spargelhof Bernschein Spargel zu stechen. Für diese körperlich anstrengende Arbeit ist sich Sven nicht zu schade. Er steht auf dem Standpunkt, dass es keine Rolle spielt was man macht. Hauptsache man sitzt nicht untätig rum. Im Vorfeld der für ihn ungewohnten Tätigkeit standen drei zweistündige Einführungskurse an. Unter Berücksichtigung der Sicherheitsaspekte wurde den einzelnen Hilfskräften dabei die Technik des Spargelstechens beigebracht. Das Team setzt sich zur Zeit aus drei erfahrenen Rumänen, einem Franzosen, einem Inder und Sven zusammen.

Momentan werden in der Vorsaison etwa vier Stunden Spargel am Vormittag gestochen. Das wird sich ändern, sobald das Wachstum des Spargels sich erhöht und die Erntezeit des Spargels in der Hauptsaison leicht auf acht bis zehn Stunden anwachsen wird. Mit Joggen hält sich Sven fit, um seinem Körper, neben der ungewohnten Arbeit, einen Ausgleich zu bieten. Wie lange die derzeitige Situation dauert und wann wieder Normalität einkehrt, ist nicht abzusehen. Sven ist jedenfalls froh und dankbar, dass er bis Ende der Spargelzeit beim "Spargelhof Bernschein" arbeiten darf. Darüber hinaus ist er auch gerne bereit, andere anfallende Arbeiten auf dem Spargelhof zu tätigen.

Schutzmaßnahmen im Hofladen des Spargelhof Bernschein

Im Verkaufsraum des Hofladen dürfen sich derzeit während der Öffnungszeiten, neben dem Verkaufspersonal, max. 2 Personen in einem gewissen Abstand voneinander aufhalten. Die Wartenden vor dem Hofladen sollten mindestens einen Abstand von eineinhalb Metern einhalten. Nachdem der aktuelle Kunde den Hofladen verlassen hat, kann der nächste Kunde den Laden betreten.

Um einen beschleunigten Ablauf zu gewährleisten, ist es sinnvoll, seine Spargelwünsche telefonisch vorab unter 02208 - 74670 zu bestellen. Dadurch erhält der Kunde schneller seinen Spargel und die Wartezeiten werden wesentlich kürzer.

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