Protestmarsch zur möglichen Rheinquerung bei Lülsdorf

„Bürger gegen die Brücke“ versammeln sich. Viele Redner auf der Bühne. Der Druck, um die Rheinbrücke zu verhindern, soll weiter gehen.

Protestmarsch zur möglichen Rheinquerung bei Lülsdorf

„Der Bürgermeister aus Niederkassel lässt sich dort auf einer Wildblumenwiese fotografieren und hier setzt er sich für diese riesige Autobahnbrücke ein“, so Gerhard Renner, Pressesprecher von der Vernetzung Kölner und Niederkasseler Bürgerinitiativen (BI) zur Begrüßung der gut 750 Demonstranten am Retentionsbecken zwischen Lülsdorf und Langel. Angefangen hatte die Demo schon eine Stunde zuvor in Langel. Dort versammelten sich die Demonstranten, mit vielen Protestplakaten ausgerüstet, bevor sie sich, begleitet und gesichert von der Polizei, auf den Weg machten.

Eingeladen zur Demo hatte die BI „Porz-Langel gegen die Autobahnquerung 553“ in enger Kooperation mit den beiden Niederkasseler BI „Bürger gegen die Brücke“ und „Umweltfreundliche VerkehrsInfrastuktur“. Unterstützung erhielten sie dabei auch von den Niederkasseler GRÜNEN, die sich mit einem Fahrradkorso von Mondorf über Rheidt und Niederkassel zum Demonstrationsort aufmachten. „Wir müssen darauf aufmerksam machen, dass die Rheinquerung viele Gefahren für das Wasser- und Naturschutzgebiet birgt. Besonders in Zeiten der Klimaerhitzung muss es doch allen auffallen, dass kühlende Kaltluftschneisen erhalten werden müssen. Sie würden von der Brücke zerstört werden,“ erklärt deren Fraktionsvorsitzender Sascha Essig schon im Vorfeld.

Angekommen im Retentionsbecken im Lülsdorfer Norden wurden die Protestler von lautem Lärm empfangen. Der dröhnte aus großen Musikboxen und sollte akustisch den Lärmpegel einer vierspurigen Autobahn darstellen. Der Versammlungsort liegt an der Stelle, an der die 4-streifige Autobahntrasse von Godorf kommend den Rhein überqueren könnte. Diese sogenannte Nord-Trasse ist jedoch nur eine von etlichen weiteren Optionen, für die Straßen.NRW den Planungsauftrag des Bundes bekommen hat. Derzeit kursieren nur viele Vermutungen, woher die Querung verlaufen könnte. So haben sich auch linksrheinisch Bürgerinitiativen gegründet, die eine Rheinquerung, zumindest vor ihrer Haustüre, ablehnen. Linksrheinisch werden derzeit vier Optionen einer Rheinquerung, ob als Brücke oder Tunnel, untersucht, während auf der rechtsrheinischen Seite fünf Anschlussvarianten zur A 59 Gegenstand weiterer Untersuchungen sind.

Viele Redner meldeten sich zu Wort und ihre Aussagen wurden von den Bürgern mit viel Beifall bedacht. Aussagen wie. „Wir werden alles dafür tun, dass keine Autos über unsere Köpfe donnern“, „Das ist bestimmt nicht die letzte Demo in dieser Angelegenheit“, bestimmten das Meinungsbild der Demonstranten. Sabine Hammer von BUND erinnerte an den Hambacher Forst und forderte zum Widerstand auf, denn dort habe man Erfolg gehabt. Ihr Slogan „Hambi bleibt und AUI bleibt auch“ wurde bejubelt. Hammer griff den MdB Sebastian Hartmann (SPD) heftig an, der das Projekt Rheinspange 553 erfolgreich vorangetrieben hatte. Dies wiederum brachte Matthias Großgarten (SPD), der als Redner eingeladen war, in Erklärungsnot, denn die Niederkasseler Sozialdemokraten hatten sich gegen eine Autobahnbrücke positioniert und plädieren stattdessen für eine Stadtbahn. Dazu sagte Großgarten, dass die Deutsche Bahn AG in Verhandlungen kein Interesse an einer Schienenanbindung zum Brückenbau gehabt habe und der Rhein-Sieg-Kreis mit der Planung einer Stadtbahn eingestiegen sei. „Im Verfahren zeigte sich jedoch, dass eine Kombination aufgrund der verschiedenen Anforderungen an die Trasse und die nähe zur Bevölkerung (Stadtbahn = nah, Autobahn = weit weg) nicht möglich ist. Das war für uns ein Wendepunkt“, so Großgarten. Den Demonstranten gegen die Rheinquerung sagte er, dass man nicht nur hier sei, um gegen etwas zu sein, sondern man wolle neue Wege aufzeigen und die Mitbürger dafür begeistern. Daher gelte für die SPD: Stadtbahn statt Autobahn. „Eine Autobrücke, die in 10 Jahren fertig ist, wird nicht die Lösung sein –für Staus, die wir heute haben“.

Die Moderatorin der Veranstaltung, Sabine Gloeckner, bedankte sich bei allen Teilnehmern und versprach, gemeinsam mit den Bürgerinitiativen weiter Druck zu machen, um die Rheinquerung zu verhindern

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