Rhabarber - einst das Markenzeichen von Mondorf

Das rotstielige, breitblättrige Gemüse ist mit dem Sauerampfer verwandt und kommt ursprünglich aus Tibet und der Mongolei. Für den Rheinländer kommt das Gemüse mit dem giftigen Wellblatt aber aus dem Vorgebirge und unter anderem aus Mondorf.

Rhabarber - einst das Markenzeichen von Mondorf

Nach alten Überlieferungen lebte ein großer Teil der Menschen Anfang des 20. Jahrhundert auf dem sogenannten "Balkan" von der Fertigung von Korbwaren und der Landwirtschaft. Ein großer Teil davon war in Niederkassel-Mondorf der Rhabarber-Anbau. Und obwohl dieser anfangs nicht viel Zuneigung bekam, wurde er doch immer beliebter, soweit bis er zum Wahrzeichen von Mondorf wurde.

Wie wurde der Rhabarber für Mondorf so bedeutsam?

Die Region an der unteren Sieg war vor dem 1. Weltkrieg eine der ersten Gegenden in Deutschland, die mit dem Rhabarberanbau begann. Eine Spezialität der Mondorfer war der "Roststiel", der dünn gewachsen, dafür aber süß und sogar mit Schale genießbar war. Mit den rot leuchtenden Stangen konnten die Bauern in der Saison gutes Geld verdienen, weshalb der Rhabarber auch als das rote Gold bezeichnet wurde. Der hier angebaute Rhabarber wurde nämlich auf den Großmärkten in Bonn, Köln und sogar in Berlin angeboten und verkauft. 1914 wurde eine Kleinbahn von Lülsdorf bis Siegburg in Betrieb genommen, sodass die Bauern aus dem "Balkan" bzw. Mondorf nun ihren Rhabarber auch in Siegburg auf dem Markt anbieten konnten. Der anfängliche "Balkanexpress" wurde später in der Bevölkerung sogar als "Rhabarberschlitten" bezeichnet.

Wie wird der Rhabarber heute in Mondorf gewürdigt?

Auf Grund jahrelanger Verbundenheit des Rhabarberanbaus, hat der Bürgerverein Mondorf dem Rhabarber 1993 einen Brunnen auf dem Adenauerplatz gewidmet. Der Brunnen wurde aus rheinischer Basaltlava von Steinmetz Richard Neff aus Niederkassel gefertigt und hat die Form von drei überdimensionalen Rhabarberstangen. Aufgestellt wurde der 2,07 m hohe und etwa 3,4 Tonnen schwere Brunnen am 8. Dezember 1993. Eingeweiht wurde er am 28. Mai 1994 im Rahmen der Eröffnungsfeier des Adenauerplatzes.Außerdem zeigt jeder der drei Stiele ein Relief eines ehemaligen traditionellen Mondorfer Berufs (Fischer, Fährmann und Korbmacher).

Darüber hinaus nennt die Mondorfer Kolpingfamilie, die seit über 40 Jahren (seit 1978) im rheinischen Karneval eine Mädchensitzung veranstaltet, ihren Damenelferrat, in Anlehnung an den Mondorfer Rhabarber, liebevoll "Rotstielchen".

Wie sieht es heute mit Rhabarber in Niederkassel aus?

Insgesamt erlebt das Gemüse seit etwa 20 Jahren einen neuen Aufschwung, denn seit Spitzenköche das vielseitige Produkt immer öfter verwenden und kulinarische Produkte daraus herstellen, ist der Rhabarber auch wieder in der Gemüsetheke zu finden. Aus Rhabarber werden gerne Konfitüren, Kompotte, fruchtige Desserts, Torten sowie Säfte gemacht. Die hohe Nachfrage nach dem heimischen Gemüse veranlasste Matthias Bernschein im Jahr 2017 mit dem Anbau von Rhabarber zu beginnen. Da die Nachfrage weiter wuchs, vergrößerte er sogar die Anbaufläche und bietet den in Niederkassel produzierten Rhabarber unter anderem im Hofladen seiner Eltern an.

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