So lebt es sich mit der Corona-Infektion - Ein Bericht aus Niederkassel

machPuls konnte mit einer Infizierten aus Niederkassel sprechen - über Ärzte, Ämter und Isolation.

So lebt es sich mit der Corona-Infektion - Ein Bericht aus Niederkassel

Spätestens seit Freitag ist das Coronavirus (SARS-CoV-2) und die dadurch verursachte Erkrankung (COVID-19) in aller Munde. Die Landesregierung hat an diesem Tag drastische Maßnahmen ergriffen, um die Verbreitung des Virus einzudämmen. Kindergärten und Kitas bleiben vorerst geschlossen, das kulturelle Leben kommt zum Erliegen. Der Grund dafür ist das exponentielle Wachstum der Infektionen - vereinfacht gesagt handelt es sich dabei um eine Vermehrung, die sich ständig selbst beschleunigt. Noch sind in Deutschland mit circa 4.600 registrierten Erkrankten recht wenig Menschen infiziert. Geht man nach den bisherigen Erfahrungen von einer Verdopplungszeit von sechs Tagen aus, wären Mitte Mai bereits über eine Million Menschen infiziert.

Auch in Niederkassel sind inzwischen fünf Infektionen bekannt, Tendenz steigend. machPuls hat mit einer am Coronavirus erkrankten Niederkasselerin gesprochen. Ein Erfahrungsbericht:

Das vielleicht wichtigste zuerst, die Niederkasselerin hatte keinen Kontakt in Niederkassel und ihr geht es gut „Die Symptome waren zu Beginn ein leichter trockener Husten, Kopf- und Gliederschmerzen. In der ersten und zweiten Nacht kam ein Hitzegefühl dazu und starkes Schwitzen. Aber alles nicht so schlimm wie bei einer normalen Grippe“, meint sie.

Sie hatte sich - auf eigene Initiative - mit zwei weiteren Freundinnen am Mittwoch in der Uniklinik Köln testen lassen. Das war gar nicht so einfach, wie man glaubt: Der Hausarzt und auch das Gesundheitsamt wollten die drei Frauen zu diesem Zeitpunkt nicht testen, die sie keinen Kontakt mit einer bekannten infizierten Person hatten und das Skigebiet aus dem sie kamen nicht als Risikogebiet galt. Auch der Arzt in der Uniklinik wollte sie aus denselben Gründen ungetestet wieder nach Hause schicken, „Ich habe dann auf den Test bestanden. Die hätten mich sonst gehen lassen und ich hätte Leute anstecken können“, wundert sich die Niederkasselerin. Es ist ihrer Meinung nach trotz der großen Bemühungen von Seiten der Ärzte und des Gesundheitsamtes alles eher chaotisch. „Es gibt bei allen sieben Mitreisenden unterschiedliche Vorgehensweisen. Die Behörden sind meiner Meinung nach auf das alles nicht vorbereitet. Seit Freitag ist jetzt nicht mehr nur das Gesundheitsamt zuständig, sondern auch das Ordnungsamt“, erläutert sie. Diese würden die Fälle jedoch nicht alle kennen. So könne es zu Fehlern kommen. Drastischen Maßnahmen wie die Absagen aller Veranstaltungen und die Schulschließungen seien „absolut richtig“. Auch die neuen geplanten Abstrichzentren seien ihrer Meinung nach dringend notwendig.

Leben in Isolation

Seit Mitte der Woche befindet sich die Niederkasselerin nun in Isolation. „Das ist in meinem Fall entspannt, da ich eine eigene Etage habe. Wir haben das ganz pragmatisch gelöst: Mein Mann schickt mir Essen und Getränke und was ich so brauche mit unserm Kleingüteraufzug hoch. Ich lese, schaue fern und telefoniere den halben Tag“, gibt sie sich gelassen. Sie müssen außerdem ein Tagebuch führen über den Ablauf und die Stärke der Symptome. Bei allen ihrer Bekannten verlaufe die Erkrankung anders ab, aber eigentlich überall mild, mit leichtem Husten und Schnupfen. „Fieber hat keiner, eine Freundin hat sogar keine Symptome,“ wundert sich die Niederkasselerin. Sie hoffe, die erhobenen Daten werden zu weiteren Erkenntnissen rund um das Coronavirus führen.

„Jetzt bin ich halt erstmal auf mich selbst gestellt. Das entschleunigt. Ich sollte nach Ablauf der vierzehntägigen Isolation weitere zweimal getestet werden. Das ist jetzt hinfällig, da anscheinend nicht genügend Tests vorliegen. Der offizielle Ablauf sieht vor, dass meine Quarantäne zu Ende ist, wenn ich nach Ablauf der 14 Tage weitere zwei Tage symptomfrei bin,“ gibt sich die Isolierte gelassen. Ihr Mann und die Kinder seien übrigens nicht in Quarantäne, da sie nach dem Urlaub keinen direkten Kontakt hatten. „Mein Mann lässt sich am Montag freiwillig testen, um auf Nummer sicher zu gehen - auch für die Firma ist das wichtig“, erklärt sie. So lange kein positives Testergebnis feststeht, dürfen sie laut Gesundheitsamt raus gehen und befinden sich nicht in häuslicher Absonderung. „Die Regeln und Zuständigkeiten ändern sich derzeit jedoch gefühlt täglich, also mal abwarten, was am Montag auf uns zukommt“, meint die Niederkasselerin abschließend.

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