Bau eines Zentrums für Infektionsschutz in Lülsdorf

Unterstützung von der Politik bleibt aus

Bau eines Zentrums für Infektionsschutz in Lülsdorf

„Ich dachte, wir laufen offene Türen ein, als wir mit unserem geplanten Infektionsschutzzentrum an die Öffentlichkeit und die Politik gegangen sind“, sagte Dr. Alexander Gondolatsch enttäuscht. Die Praxis Gondolatsch und Kollegen in Niederkassel-Lülsdorf, der sechs Ärzte für Allgemeinmedizin und Innere Medizin angehören, hat sich seit Beginn der Corona-Pandemie zusätzlich auf die Untersuchung von Covid-19-Verdachtsfällen spezialisiert.

Sicherheit für Patienten und Ärzte

Um den eigentlichen Praxisbetrieb sowie dessen Patienten und Ärzte nicht zu gefährden, suchte man nach einer Zwischenlösung und fand sie in Form eines Zeltes vor der Arztpraxis. Hier werden von den Verdachtsfällen Abstriche genommen und in ein Labor zum Test weitergegeben. Um aus dem Provisorium auch für die Zukunft eine feste Einrichtung zu machen, planen die Inhaber der Praxis, Dr. Jasmin und Dr. Alexander Gondolatsch, den Bau eines Zentrums für Infektionsschutz neben ihrer Praxis. Damit wollen sie zukünftig auf die optimale Versorgung aller Infekt-Patienten vorbereitet sein, aber auch alle Patienten ohne Infekte problemlos weiterbehandeln können. Denn, so die Überlegung, nur durch die dauerhaft räumlich, organisatorisch und personell voneinander getrennte Patientenbehandlung läßt sich ein Ansteckungsrisiko faktisch ausschließen.

Von der Politik im Stich gelassen

Um ihr Projekt transparent und übersichtlich zu machen, ließ das Ehepaar extra Broschüren auflegen, die mit einem Anschreiben per Mail und Post an unterschiedliche Entscheidungsträger versandt wurden. Empfänger waren unter anderem Minister Jens Spahn, NRW-Ministerpräsident Armin Laschet, Minister Peter Altmaier, Minister Karl-Josef Laumann, Landrat Sebastian Schuster und die Bundestagsabgeordnete Elisabeth Winkelmeier-Becker. Von 13 angeschriebenen Behörden und Personen meldeten sich lediglich Sebastian Schuster, Elisabeth Winkelmeier-Becker und Armin Laschet zurück – jedoch ohne jegliche finanzielle Zusage oder Hilfe. „Wir reden hier von einem Projekt, für das wir zuerst 80.000 Euro eingeplant hatten. Mittlerweile haben sich die Gesamtkosten, bedingt durch den höchsten Infektions-Sicherheitsstandart, auf geschätzte 280.000 Euro erhöht. Leider müssen wir rückblickend sagen, dass die Politik uns im Stich gelassen hat“, so das Fazit von Jasmin Gondolatsch.

Unterstützung aus Niederkassel

„Die Unterstützung, die wir erfahren haben, ist auf Niederkassel beschränkt. So hat sich Bürgermeister Stephan Vehreschild gemeinsam mit dem SPD-Fraktionsvorsitzenden Frieder Reusch sofort dafür eingesetzt, dass wir schnell und unbürokratisch eine Baugenehmigung für unser geplantes Zentrum bekommen haben. Der Bürgermeister hat sich darüber hinaus auch für weitere unbürokratische Hilfen bei notwendigen Genehmigungen stark gemacht. Sehr erfreulich für uns war auch die schnelle Zusage der Niederkasseler Firma B&S von Jürgen Sausen & Burkhart Beil sowie der Architektin Ulrike Schnitzler. Um hier sofort anfangen zu können, wurden andere Bauprojekte der Firma zu unseren Gunsten verschoben“, so Alexander Gondolatsch.

Eröffnung noch vor Weihnachten geplant

Mittlerweile sind die Bauarbeiten in vollem Gange, auch wenn die finanzielle Unterstützung ausbleibt. Geld ist aber nicht das Anliegen des Arztehepaares, sondern der Wille zu helfen. „Wir machen das hier alle aus Überzeugung und mit viel Herzblut. Genau wie unser gesamtes Team fragen wir immer, wie etwas geht und nicht, warum etwas nicht geht“, so Jasmin Gondolatsch. Ziel des gesamten Praxisteams ist es, als Pilotprojekt auch anderen Praxen zu zeigen, wie man mit Infektionen sicher umgehen kann. „Unser Beispiel soll Schule machen. Von der Politik hätten wir, als Wertschätzung unserer Arbeit, eine finanzielle Unterstützung erwartet“, so Alexander Gondolatsch. Noch vor Weihnachten soll das Lülsdorfer Zentrum für Infektionsschutz fertiggestellt und eröffnet werden.

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