Geschichten aus der Niederkasseler „Bücherzelle“ - Gedicht gefunden

Zufallsfund im Buch „Das Parsifal Mosaik“

Geschichten aus der Niederkasseler „Bücherzelle“ - Gedicht gefunden

In Coronazeiten geht alles etwas ruhiger und beschaulicher zu und es wird mehr gelesen. Davon zeugt der öffentliche Bücherschrank vor dem Niederkasseler Rathaus. Die sogenannte „Bücherzelle“ beherbergt viele spannende, lustige, unterhaltsame und meist gut erhaltene literarische Werke. Hier dürfte für jeden interessierten Lesefreund etwas dabei sein.

Noch spannender als der Inhalt der Publikationen sind gewiss die Einlagen und Notizen, die man in den Büchern findet. Schön formulierte Widmungen, interessante Passagen mit Textmarker hervorgehoben und hin und wieder auch kleine Einkaufszettel, die später als Lesezeichen dienten. Noch interessanter ist es, wenn man in den Büchern größere Notizen findet. So erging es dem Ehepaar Reucher aus Ranzel.

Wie Helga Reucher der Redaktion schrieb, nutzt ihr Mann Rolf gerne die „Bücherzelle“ gegenüber dem Niederkasseler Rathaus. Dort bringt er Bücher hin und nimmt dafür andere mit. So hatte er zuletzt das Buch „Das Parsifal Mosaik“ von Robert Ludlum mit nach Hause gebracht. Der Spionage-Thriller aus dem Jahr 1982 war schon spannend, noch spannender waren fünf kleine, mitten in den Romanseiten eingelegte und mit Schreibmaschine geschriebene Blätter, die schon angegilbt waren. Es handelte sich um ein Geburtstagsgedicht zu einem 70-jährigen Festtag. Das „Oremus Möschebeen“ wird gerne zu Geburtstagsfeiern und Jubiläen aufgeführt, aber auch bei der Verbrennung des Zacheies zum Abschluss der Kirmes ist es hier im Rheinland bekannt. In dem Gedicht werden von „falschen Nonnen“ viele Stationen im Leben des Geburtstagskindes wie eine Litanei musikalisch vorgetragen. So, dass der Herr Schneider 1947 seine Christel geheiratet hat, in Mondorf in der Brauerei wohnte, das Bootshaus übernommen hatte, er gerne Tomaten züchtete und in Köln, in der Tiefgarage, eine Stunde im Kreis fuhr. Mit „Dat die Pohljass immer zesammehält“ – Datt hätte me jern“ und „Oremus Möschebeen – Jetzt jomme endlich hem“, endete der Auftritt der „falschen Nonnen“.

Das Ehepaar Reucher würde die fünf Seiten des Gedichts und das Buch bei Interesse auch gerne an die Kinder des Jubilars zurückgeben.

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