So nimmt Niederkassel Abschied in Zeiten von Corona - ein Interview

Viele empfinden diese Zeit mit Corona als schwierig. Wieviel schwerer wird es erst, wenn ein geliebter Mensch stirbt. machPuls traf die Bestattet Guido Mondorf und Dirk Schallenberg zum Interview.

So nimmt Niederkassel Abschied in Zeiten von Corona - ein Interview

Da sowohl Guido Mondorf als auch Dirk Schallenberg derzeit viel Arbeit damit haben, die durch die Corona-Pandemie hervorgerufenen Bestimmungen und Besonderheiten zu bearbeiten, haben wir das Gespräch ohne persönlichen Kontakt geführt:

machPuls: Herr Mondorf, im Vorgespräch sagten Sie, dass Sie wenig Zeit haben. Liegt das an Corona?

Guido Mondorf: Nein, das liegt nicht an Corona. Die gegenwärtige Anzahl an Verstorbenen ist jedoch relativ hoch. Zur Durchführung einer Bestattung gehören auch die Amtswege zu unserem Aufgabenfeld. Das ist aber durch die Schließung der Standes- und Friedhofsämter mit längeren Wartezeiten verbunden und dadurch können wir das nicht so schnell abarbeiten, wie wir das gewohnt sind.

mP: Seit dem Gründungsjahr 1902, bei Ihnen Herr Mondorf, und 1903 bei Bestattungen Schallenberg als Familienunternehmen, hat sich da nicht eh schon viel verändert? Vom Handwerker, zum Berater und Trauerbegeleiter? Gibt es nun noch mal eine starke berufliche Veränderung durch Corona?

Dirk Schallenberg: Der Beruf hat sich tatsächlich sehr verändert im Laufe der Zeit. Die Vielfalt an Dienstleistungen, die wir erbringen, wird immer größer und die Bestattungskultur ist im ständigen Wandel. Corona bringt ebenfalls Veränderungen und neue Herausforderungen mit sich, zum Beispiel können aktuell keine Trauerfeiern in Kirchen oder Trauerhallen stattfinden, Beerdigungen finden nur im engen Kreis statt und Angehörige können nur zu zweit zum Beratungsgespräch kommen. Eine Verabschiedung am offenen Sarg ist bei nachgewiesenen Corona-Fällen oder Corona-Verdachtsfällen ebenfalls nicht möglich. Diese Veränderungen bestehen jedoch hoffentlich nur kurzzeitig und werden bald der Vergangenheit angehören. Glücklicherweise haben wir seit Beginn der Corona-Einschränkungen bis jetzt fast ausnahmslos gutes Wetter, so dass die Beerdigungszeremonien unter freiem Himmel von den meisten Kunden positiv wahrgenommen werden.

mP: Wie genau wirken sich die neuen Hygienebestimmungen auf Ihren Beruf aus? Spüren die Hinterbliebenen, neben der Trauer, ein ängstliches Gefühl, wenn Sie mit Maske in die privaten Räume kommen oder die Distanz von zwei Metern, die auch sehr befremdlich sein kann?

GM: Da wir unsere Kunden, aber auch uns selbst schützen müssen, sind die Maskenpflicht und die einzuhaltende Mindestentfernung leider unverzichtbar. Dafür haben unsere Auftraggeber auch ausnahmslos Verständnis. Dafür möchten wir uns an dieser Stelle bedanken. Ansonsten wird die persönliche Nähe bei uns großgeschrieben, um dem Kunden das Gefühl der Geborgenheit zu geben.

DS: Sollte es sich um einen infektiösen Verstorbenen handeln, erkennen wir dies aus dem vom Arzt ausgestellten Totenschein, der sich beim Verstorbenen befindet. Für diese Fälle haben wir spezielle Schutzausrüstungen zu unserem eigenen Schutz immer dabei.

mP: Beerdigungen samt Kaffee sind streng reguliert. Was schlagen Sie den Hinterbliebenen vor? Werden größere Verabschiedungen zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt, wenn die Corona-Bestimmungen gelockert werden? Was macht das mit den Trauernden?

DS: Das Bestattungsgesetz NRW schreibt vor, dass Erdbestattungen innerhalb von zehn Tagen und Urnenbeisetzungen innerhalb von sechs Wochen erfolgen müssen. Eine Überschreitung dieser Frist muss immer vom jeweiligen Ordnungsamt genehmigt werden. Wir empfehlen unseren Kunden nicht, die Beisetzung auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben, da wir nicht wissen, wann denn der „spätere Zeitpunkt“ sein wird. Diese Ungewissheit über den Zeitpunkt der Verabschiedung, die zur Trauerbewältigung wichtig ist, kann für die Angehörigen zusätzlichen seelischen Stress bedeuten.

GM: Neben den Schließungen von Trauerhallen und Kirchen gehört auch der Verzicht auf einen Kaffee zu den Einschränkungen. Daher empfehlen wir unseren Kunden ein Zusammentreffen nach Lockerungen der Beschränkungen, wenn z.B. ein Sechswochenamt abgehalten wird.

mP: Haben Sie ein aktuelles Beispiel?

GM: Hier können wir von einem Verstorbenen (nicht in Niederkassel) berichten, der Mitte März verstarb und dessen Tochter im Ausland lebt. Sie hat das Problem nach Deutschland einzureisen und wieder zurück zu kommen. Fast alle Länder haben Einreisebeschränkungen und Quarantänevorschriften für Einreisende. Hier ist die Beisetzung erst einmal auf unbestimmte Zeit zurückgestellt!

mP: Die Vielfalt, Abschied zu nehmen, ist also sehr eingeschränkt?

DS: Aus der schwierigen Lage haben sich auch schon einige wirklich kreative Ideen von Angehörigen ergeben. So haben wir auf Wunsch beispielsweise Trauerreden per Video aufgezeichnet und den Angehörigen, die nicht zur Beerdigung kommen konnten, zukommen lassen. Seit Jahren machen wir Fotos von der Dekoration, den Blumen, dem Sarg oder der Urne und lassen diese den Angehörigen zukommen. Gerade in der aktuellen Lage lassen viele die Fotos für Verwandte und Freunde, die nicht anwesend sein konnten, vervielfältigen. Bei einem Fall wurden die Trauergäste eingeladen, das letzte Geleit mit einem Licht-Symbol zu vollziehen, das heißt, jeder der gerne gekommen wäre, konnte vor der Beerdigung eine Kerze auf dem Grab abstellen und so gedanklich und symbolisch anwesend sein. Das dabei entstehende Lichtermeer kann auch ein großer Trost für die anwesenden engsten Angehörigen sein. Anstelle von Kerzen könnte man beispielsweise auch einzelne Blumen auf dem Grab ablegen, so dass ein Blumenteppich entsteht. Wir sind sehr gespannt und freuen uns auf weitere kreative und individuelle Ideen.

mP: Auch in Niederkassel und Umgebung gibt es Corona-Tote. Hat einer von Ihnen diese Bestattung durchgeführt? Wie nahe geht Ihnen das?

GM: Bis heute hatten wir zwei Verstorbene, die mit Corona infiziert waren. Das waren jedoch Sterbefälle in Bonn und Köln. Trotz dieser widrigen Umstände heißt es kühlen Kopf zu bewahren und mit aller Professionalität sich der Aufgabe zu stellen. Auch in so einem Fall steht die Achtung und Würde des Verstorben bei uns ganz oben!

DS: Aktuell hatten wir bisher einen Verstorbenen, der mit Corona infiziert war. Das ist tragisch, aber gleichzeitig sind wir sind sehr froh und erleichtert, dass es nicht mehr sind und hoffen, das bleibt auch so. Aufgrund der verheerenden Nachrichten aus Italien, Spanien und Frankreich hatten wir Schlimmeres befürchtet.

mP: Was ganz persönliches noch: Lieben Sie Ihren Beruf? Wie wirkt sich der Beruf auf Ihr Privatleben aus?

GM: Der Beruf des Bestatters ist für mich, meine Familie und Angestellten eine Herzensangelegenheit. Das heißt wir freuen uns, Trauernden herzlich und zuvorkommend behilflich zu sein. Wir sind persönlich bemüht, das Geschäftliche nicht mit ins Private zu nehmen. Wir sind aber auch nur Menschen, denen manch persönliche Tragödie nahe geht.

DS: Mir gefallen auch die immer wieder neuen Herausforderungen, die der Beruf mit sich bringt, denn jeder Sterbefall ist anders so wie jeder Mensch individuell und jede Familie unterschiedlich ist. Es ist mir sehr wichtig, dass jeder Kunde zu 100% mit unseren Leistungen zufrieden ist und wir möchten im besten Fall die Erwartungen übertreffen. Diese Einstellung wurde mir von meinen Eltern vermittelt, die das Geschäft lange Jahre sehr erfolgreich geführt haben. Das Privatleben leidet insofern ein bisschen darunter, dass der Beruf sehr zeitaufwändig und zeitlich unberechenbar ist, denn man ist 24 Stunden an 7 Tagen die Woche an 365 Tagen im Jahr erreichbar. Freizeit ist für mich also Luxus, den ich mir jedoch mit Hilfe meines tollen Teams an Mitarbeitern ab und zu gerne gönne.

mP: Wir danken Guido Mondorf und Dirk Schallenberg für das Gespräch.

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