Niederkasseler Praxis Gondolatsch muss mangels Impfstoff zweite Corona-Impfungen absagen

Arzt bemängelt logistische Probleme und fehlende Zuständigkeiten

Niederkasseler Praxis Gondolatsch muss mangels Impfstoff zweite Corona-Impfungen absagen

Der mRNA-Impfstoff der Firmen BioNTech/Pfizer ist nach Ansicht des Lülsdorfer Facharztes für Innere Medizin, Dr. Alexander Gondolatsch, derzeit eine der wirksamsten Waffen gegen das grassierende Corona-Virus, mit weltweit über zwei Millionen Todesfällen. Der Mediziner ist fest davon überzeugt, dass dem Virus nur mit möglichst vielen Impfungen beizukommen sei. „Es ist ein hervorragender Wirkstoff, der sich auch dadurch auszeichnet, dass er keine Notfallzulassung bekommen hat, sondern ein reguläres Verfahren bei der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA)durchlaufen ist. Die wissenschaftliche Datenlage ist fantastisch und er hat bisher alle Erwartungen übertroffen“, so Dr. Gondolatsch.

Allerdings kann der Impfstoff nur dann seine ganze Wirkung entfalten, wenn man sich an die Vorgaben der Hersteller hält. Neben der strikten Einhaltung der Kühlkette gibt es eine zweite Konstante, der offensichtlich an den entscheidenden Stellen wenig Bedeutung beigemessen wird: der zweiten Impfung nach 21 Tagen. „Die zweite Impfung ist wichtiger als die Erste.

Fehler in der Logistik

Es ist zwar wissenschaftlich vertretbar, die Impfung bis zum 48. Tag hinauszuzögern, besser ist es allerdings, die 21-Tage-Frist genau einzuhalten“, so der Arzt. Aber was hilft der beste Impfstoff und ein hochmotiviertes Team von sieben Ärzten und zwanzig medizinischen Fachkräften, wenn bei der Logistik Fehler passieren? „Wir hatten für die Seniorenresidenz in Lülsdorf 160 Einheiten bestellt, bekamen aber nur 120. Das konnten wir fast kompensieren, weil wir sechs Spritzen statt nur fünf aufziehen konnten“, so Dr. Gondolatsch. Ende Dezember wurden so 166 Seniorenheimbewohner und Mitarbeiter geimpft und ein zweiter Impftermin auf den vergangenen Mittwoch festgelegt. Einen Tag zuvor bekam die Praxis einen Anruf der Impf- Koordinierungsstelle im Kreis, dass kein Impfstoff geliefert werden könne. Angeblich war der Impfstoff da, aber der Auftrag sei verwechselt worden bzw. es läge ein technischer Fehler vor, wurde der Praxis mitgeteilt. Es begann ein Telefonmarathon durch alle bürokratischen Instanzen. „Selbst der stellvertretenden NRW-Ministerpräsidenten Dr. Joachim Stamp, den ich persönlich gesprochen habe, konnte uns nicht helfen. Es kann doch nicht so schwer sein, den Kühlschrank aufzumachen und unsere dort lagernden Impfdosen herauszuholen und zuzustellen. Jeder schiebt die Verantwortung weiter, es gibt keinen Entscheider in der Kette“, so ein genervter Arzt, der nur helfen möchte und überall mit Problemen konfrontiert wird.

Sogar die Tagesthemen berichteten

„Es ging bisher dreimal organisatorisch bei der Zustellung des Impfstoffes alles daneben. Die Hierarchien und Strukturen im System stimmen nicht. Wir brauchen einen Entscheider. Logistik ist doch keine Hexenwerk“, so Dr. Gondolatsch. „Vielleicht sollte man das in die Hände von Amazon geben“, legte er mit einem Augenzwinkern nach. In seiner Not ging er sogar an die Öffentlichkeit. So konnte er am Mittwoch in der aktuellen Stunde des WDR und in den Tagesthemen seinen Unmut über die Unzulänglichkeiten zum Ausdruck bringen. Unterkriegen lassen will er sich aber nicht. Schon gibt es Pläne, den Impfstoff, wenn er aufgezogen ist, mit dem Auto zu den älteren Niederkasseler Bürgern zu bringen und dort zu verimpfen. Dafür gibt es ein Zeitfenster von sechs Stunden.

Wichtig sei auch die Beratung der Menschen. Vor einer Beratung in einem Seniorenheim lag die Zahl der Impfwilligen bei 30 Prozent, nach der Beratung hätten sich 99 Prozent dafür entschieden. „Man darf die Menschen nicht enttäuschen. Wir mussten leider vielen Patienten absagen, ohne zu wissen, wann wir den Impfstoff wieder bekommen. Da sind etliche Tränen geflossen“, so Dr. Gondolatsch. Jetzt setzt der Mediziner darauf, am Samstag den Impfstoff geliefert zu bekommen und dann mit drei Tagen Verspätung die 166 Impflinge in der Seniorenresidenz impfen und somit schützen zu können.

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