Mondorfer Strandfest verliert Urgestein

Hans-Georg Florin hat seit den 1990er Jahren ehrenamtlich das Mondorfer Strandfest organisiert. Nun gibt er seine Aufgaben ab. Wir wollten daher wissen, was er alles erlebt hat und sind im Gespräch sogar auf das oberste Verwaltungsgericht gestoßen.

Mondorfer Strandfest verliert Urgestein

Das bekannte Strandfest (Pfingstfest) in Mondorf gibt es schon seit 85 Jahren. 1934 fand es unter dem Namen Glockenfest erstmals statt. Nach dem 2. Weltkrieg führten die Ortswirte das Pfingstfest weiter. Anfang der 1970er Jahre ließen der TuS Mondorf und der Männergesangsverein (MGV) das Pfingstfest aufleben und Johann Karb sorgte dafür, dass das Fest noch größer wurde. In den 1990er Jahren kam es zu einem echten Umbruch. Hans-Georg Florin war da bereits an der Organisation beteiligt. Doch nun ist es soweit: Er geht in den wohlverdienten Ruhestand und gibt seine Aufgaben weiter. Ein guter Grund für machPuls sich mit dem Stellvertretenden Leiter des Bauamts zu treffen und über die vielen Erfahrungen rund um das Strandfest zu sprechen.

Herr Florin, wie lange haben Sie das Strandfest genau organisiert und was haben Sie dabei alles getan?
26 Jahre. Ich war 1992 im damaligen Pfingstausschuss, der aus dem TuS Mondorf und dem MGV bestand und sich jedes Jahr um die Organisation des Pfingstfestes, heute Strandfest, kümmerte, als wir einen Umbruch wollten. Wir schlossen mit dem TuS Mondorf, dem MGV und dem Förderverein des TuS Mondorf die Pfingstfest GBR. Es entstand ein Vertrag zwischen uns, der Pfingstfest GBR, und der Stadt Niederkassel, sowie zwischen uns und Peter Bart. Seitdem kümmerte ich mich zusammen mit dem TuS Mondorf um die Finanzen, mit dem MGV um den Aufbau und Peter Bart kümmerte sich um Personal und Schausteller, damit wir nicht, wie bisher, auch noch selbst hinter den Buden stehen oder nachts Aufsicht führen mussten. Ich half also mit wo ich konnte, zählte bis spät in die Nacht das Geld, spielte den Platzweiser, wenn Peter Bart nicht da war, kümmerte mich durch meinen Kontakt zur Stadt um Strom, Wasser und Kanal und noch vieles mehr.

Wie zeitaufwändig war die Organisation jedes Jahr?
Also wenn das Strandfest vorbei ist, kann man eigentlich schon fast direkt wieder mit der Organisation für das nächste Jahr anfangen. Allerdings habe ich einen 3-seitigen Ablaufplan, auf dem alles zur Organisation steht, sprich wann das Bier oder das Zelt bestellt werden muss, die Musik und die Technik und noch vieles mehr. Dazu geht dann jedes Jahr eine Woche Jahresurlaub für das Strandfest drauf und danach hängt man auf der Arbeit hinterher und hat dort noch mehr zu tun. Aber für so ein tolles Fest ist es das wert.

Das hört sich nach sehr viel Zeit an, die Sie schon mit dem Strandfest verbracht haben. Trotzdem haben Sie jedes Jahr aufs Neue tatkräftig organisiert und mitgeholfen. Was hat Sie dazu gebracht, dies jedes Jahr wieder ehrenamtlich zu tun?
Ganz klar Spaß an der Sache. Für mich ist das ein Hobby, was mir einfach unglaublich viel Spaß macht. Außerdem komme ich ja aus Mondorf und tue sehr gerne etwas für meinen Ort. Die Mondorfer freuen sich jedes Jahr aufs Strandfest, genau wie ich, und es ist auch immer toll bekannte Gesichter auf dem Fest zu treffen.

Woran erinnern Sie sich direkt, wenn Sie an die vielen Strandfeste zurückdenken?
Was bei mir echt hängen geblieben ist, ist ein riesiger Polizeieinsatz im Jahr 1990. Es hatten sich zwei Gruppen angekündigt, die sich auf dem Strandfest für Randale, beziehungsweise eine Prügelei, treffen wollten. Zuvor hatten die beiden Gruppen schon in der Aula des Kopernikus Gymnasium Niederkassel randaliert und vieles kaputt gemacht. Die Polizei war mit zwei Hundertschaften angerückt und in der alten Schule in Mondorf untergebracht. Von der Kirche bis runter zum Rhein standen nur Polizeiautos. Das war ein Spektakel! Wir hatten aber auch alle eine Heidenangst.

Was war das Schlimmste was je bei einem Strandfest passiert ist?
Das war ein sehr trauriger Fall im Jahr 2012. Da ist ein 28 Jahre alter Mann in den Rhein gesprungen, um auf die andere Seite zu schwimmen. Leider ist er dabei ums Leben gekommen.

Können Sie uns ein/zwei Anekdoten zum Strandfest erzählen?
Oh ja, 1994 zum Beispiel hatten wir Hochwasser. Wir haben alles normal aufgebaut, damals hatten wir ja auch noch jedes Jahr das große Zelt unten stehen. Plötzlich fing der Boden an immer wieder ein bisschen hoch zu schwappen. Als es nicht mehr anders ging, mussten alle raus aus dem Zelt und wir haben die ganze Nacht gearbeitet, um die Technik und alles Empfindliche raus zu bekommen. Dann haben wir die Planen abgenommen, sodass nur noch das Dach übrig war. Damit das Zelt dann nicht wegschwamm, brauchten wir 2000 Sandsäcke. Wir feierten das Fest dann einfach weiter oben weiter und durch das Zelt schwammen die Schwäne.

Auch eine tolle Geschichte ist die Demonstration von 2009. Die Klage gegen unser Strandfest das zu laut sei, ging bis ans obere Verwaltungsgericht. Meine Tochter Vanessa rief dann mit ihren Freundinnen die Demo ins Leben. Aber die war gar nicht so einfach durchzuführen. Am Ende haben wir es aber geschafft. 2400 Menschen nahmen an unserer Demo teil. Wir hatten bedruckte T-Shirts, Plakate, Vereine mit ihren Fahnen, und so weiter. Das war echt ein Riesending. Danach wurde sich zum Glück darauf geeinigt, dass solche Veranstaltungen in ganz NRW nur noch bis 1 Uhr gehen dürfen und die Lautstärke ab 22 Uhr 72 Dezibel nicht überschreiten darf, unser Strandfest also unter diesen Bedingungen weiter stattfinden kann.

Warum hören Sie genau jetzt auf das Strandfest zu organisieren?
Ich arbeite nebenberuflich in der Hausverwaltung mit meiner Ehefrau und meinem Sohn. Wir bauen gerade neue Büros und sind im Moment in der Endphase. Das war absehbar und deshalb habe ich mich dazu entschlossen das diesjährige Strandfest nicht mehr zu organisieren. Außerdem gehe ich im November in Altersteilzeit und habe dadurch auch nicht mehr die Verbindung zur Stadt Niederkassel.

Ich habe mich aber in den letzten 4 Jahren schon darauf vorbereitet, indem ich immer mehr Aufgaben den Anderen übergeben habe, wodurch es mir jetzt leichter fällt aufzuhören. Ganz weg bin ich aber ja auch trotzdem nicht.

Was ist/war für Sie immer das Beste am Strandfest?
Eigentlich der Donnerstagabend vor dem Strandfest. Da ist immer das Schaustellertreffen, wo alte Geschichten erzählt werden und alle zusammen das ein oder andere Bierchen trinken. Es ist toll so viele Schausteller zu kennen und mit ihnen quatschen zu können, das macht einfach immer wieder Spaß. Das Gesellige ist einfach das Schönste am Strandfest.

machPuls bedankt sich bei Hans-Georg Florin für die vielen wunderbaren Strandfeste, die tolle Organisation und natürlich das Interview!

Unseren Lesern wünschen wir wieder viel Spaß beim diesjährigen Mondorfer Strandfest!
Wir sehen uns :)

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