Hausarztmangel in Niederkassel - Schon jetzt sechs unbesetzte Stellen

Lange Wartezeiten und volle Wartezimmer: Das sind Assoziationen, die einem in Niederkassel beim Hausarztbesuch als erstes in den Sinn kommen. Bald wird auch noch ein Hausarzt in Rente gehen. Jetzt will die Stadt handeln und dem Trend entgegenwirken.

Hausarztmangel in Niederkassel - Schon jetzt sechs unbesetzte Stellen

In Niederkassel fehlt es an Hausärzten. Laut einer Statistik der kassenärztlichen Vereinigung (KV) Nordrhein vom April 2019 liegt die Versorgungsquote inzwischen bei gerade mal 84 Prozent. 19 Arztpraxen für über 38.000 Einwohner - das reicht nicht. Von einer Unterversorgung spricht man zwar erst bei einer Quote von 75 Prozent und weniger, trotzdem ist der Wert Niederkassels bereits bedrohlich weit unten. Auch wenn dies nur statistische Werte sind, die hausärztliche Versorgung in Niederkassel ist gelinde gesagt schlecht, sechs geplante Hausarztstellen sind laut KV frei.

Die knappe Versorgung in Niederkassel wird noch deutlicher, wenn man sie mit den benachbarten Regionen aus dem Rhein-Sieg-Kreis vergleicht: Troisdorf hat eine Versorgungsquote von 111,1 %, Siegburg von 108,8 % und Sankt Augustin von 98,4 %. Niederkassel belegt damit in der Statistik der KV innerhalb des Rhein-Sieg-Kreises den letzten Platz (und den vorletzten Platz insgesamt).

„Im Vergleich zu vielen anderen Kommunen ist Niederkassel ein attraktiver Wohn- und Arbeitsort. Dies gilt es zu nutzen“ (Friedrich Reusch, SPD)

Klar, der Ärztemarkt in Deutschland ist angespannt: Ärzte werden überall gebraucht und können sich aussuchen, wo sie arbeiten. Doch auch wenn es viele junge Ärzte nicht gerade in den ländlichen Raum zieht, sollte Niederkassel doch eigentlich interessant sein im „Speckgürtel“ von Köln und Bonn. So sieht es auch SPD Fraktionsvorsitzender Friedrich Reusch: „Im Vergleich zu vielen anderen Kommunen ist Niederkassel ein attraktiver Wohn- und Arbeitsort. Dies gilt es zu nutzen.“

Woran der Mangel nun genau liegt, darüber lässt sich nur spekulieren. Fest steht jedoch, dass die Situation schon jetzt nicht hinnehmbar ist. Bald wird auch noch ein weiterer Hausarzt in Niederkassel-Ort in Rente gehen. Sollte es hier keine Nachfolge geben, würde dies die Situation für viele Patienten weiter verschärfen.

Pläne und Anreize der Politik

Seit Ende 2018 gibt es bereits ein Förderprogramm des Landes NRW, von dem auch die Stadt Niederkassel profitieren kann. Hausärzte, die sich in Niederkassel niederlassen, können Fördergelder vom sogenannten „Hausarztaktionsprogramm“ beantragen und beispielsweise finanzielle Unterstützung für den Start oder die Einstellung von Personal bekommen. Da diese Förderung alleine anscheinend noch nicht ausreicht, hat das Rathaus der Stadt Niederkassel jetzt einen Beschluss zur prekären Hausarztversorgung in Niederkassel gefasst. Die Verwaltung ist beauftragt, Anreize zur Niederlassung neuer Hausärzte zu schaffen. Außerdem soll sie aktiv nach neuen Hausärzten suchen (insbesondere für Niederkassel-Ort), Kontakt mit Hochschulen, der Ärztekammer, Universitäten und Krankenkassen aufnehmen sowie Gespräche mit niedergelassenen Ärzten im Rhein-Sieg-Kreis führen.

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