Niederkasseler Fußballvereine sind für Fortsetzung der Saison im Herbst

„Quo vadis“ Fußball-Verband Mittelrhein: Fußballligen uneins über weiteren Saisonverlauf. Das sagen TuS Mondorf, FC Hertha Rheidt und 1. FC Niederkassel.

Niederkasseler Fußballvereine sind für Fortsetzung der Saison im Herbst

Wird die Saison der Amateurfußballer abgebrochen oder fortgesetzt? Diese zentrale Frage beschäftigte alle Beteiligten nicht erst seit dem vergangenen Wochenende intensiv. Bis Mittwochabend (20:00 Uhr) hatten die Klubs Zeit, über den Vorschlag des Fußball-Verbandes Mittelrhein (FVM), die Saison möglichst ab 1. September weiterzuführen, abstimmen. Der Fußball-Verband Mittelrhein hat seinen Vereinen vorgeschlagen, den Ligaspielbetrieb der aktuellen Spielzeit 2019/20 im Herbst 2020 fortzusetzen. „Eine Fortführung der Saison ist eindeutig der mildeste Eingriff in den Wettbewerb und er bezieht die sportliche Komponente mit ein. Das, was ich mir als Sportler erarbeitet habe, soll nicht verfallen“, so das Statement des FVM.

Vielen Verantwortlichen im Amateurbereich stößt allerdings unangenehm auf, dass der FVM für eine Fortführung plädiert, aber dann zu einer demokratischen Abstimmung aufruft. Zu dem Procedere einer Fortsetzung gibt es allerdings mehr Fragen als Antworten. Auch gilt bei vielen Beteiligten das geflügelte Wort: „Das Hemd ist mir näher als der Rock“, was übertragen in den Fußballalltag bedeutet: „Jeder ist sich selbst der Nächste.“

machPuls hat daher vor der Bekanntgabe der Abstimmungsergebnisse mit den Vereinsvertretern des TuS Mondorf, des FC Hertha Rheidt und des 1. FC Niederkassel gesprochen.

Marc Pfister, der 1. Vorsitzende des 1. FC Niederkassel:

„ Wir haben uns am Wochenende im Vorstand abgestimmt und werden nach reiflicher Überlegung mit Ja stimmen. Auch wir finden die Situation nicht gut und es nicht schön ist, alles bis September hinauszuschieben. Aber auf unsere Situation bezogen könnten die 1. und die 2. Mannschaft noch sportlich den Klassenerhalt schaffen. Auch kommt mir bei den Diskussionen zu kurz, was im Jugendbereich geschieht. Wir haben Jugendmannschaften, die um den Aufstieg spielen und denen würde man die Chance nehmen. Derzeit weiß keiner, was passiert, wenn es einen Abbruch gibt. Dann kann der 10., stand heute, für einen Abbruch stimmen und ist fein raus, da er nicht mehr in Abstiegsnöte kommen kann. Der wird weder Auf- noch absteigen. Oder nimmt man die Tabelle der Hinrunde? Wir haben uns für den sportlichen Weg entschieden, auch wenn wir absteigen bzw. unsere Jugendmannschaften dann evtl. nicht aufsteigen könnten. Wir wollen die Saison sportlich zu Ende bringen“, so Marc Pfister.

Holger Adenheuer, Abteilungsleiter der Fußballsenioren des FC Hertha Rheidt

„Wir haben uns in der Fußballabteilung ausführlich beraten und sind zu dem Ergebnis gekommen, diese Saison sportlich zu Ende gehen zu lassen“, so Adenheuer. Eigentlich sei es ihm zu Beginn der Debatte egal gewesen, wie die Endscheidung der Vereine des FVM ausfallen werde. Nachdem man sich aber mit den Regularien eines Abbruchs und dessen unterschiedlichen Folgen auseinandergesetzt habe, änderte sich nicht nur sein Meinungsbild. „Ich sehe schon bei einem Abbruch der laufenden Saison einige Vereine, die kurz vor dem Auf- oder Abstieg stehen und dann das Sportgericht anrufen, weil man ihnen die sportliche Möglichkeit, ihre Ziele umzusetzen, genommen hat. Wir stehen zurzeit im Mittelfeld und könnten uns zurücklehnen, denn wenn die Saison abgebrochen wird, werden wir weder Auf- noch Absteigen“, so Adenheuer. Trotzdem möchte man beim FC Hertha Rheidt die Saison sportlich zu Ende spielen, auch wenn man dadurch in Abstiegsnöte geraten könnte.

Martin Krämer , Abteilungsleiter Fußball des TuS Mondorf:

„Der TuS Mondorf hat sich dem Vorschlag des FVM angeschlossen. Wir sind der Meinung, dass eine sportliche Entscheidung auf dem Platz am gerechtesten ist. Bei der Abwägung der Vor- und Nachteile beider Möglichkeiten (Fortführung oder Abbruch) sehen wir insgesamt mehr Vorteile bei einer Fortführung. Zumal bei einem Abbruch eine Entscheidung über die Form des Abbruchs erst auf einem außerordentlichen Verbandstag getroffen wird. Dieser Entscheidung werden dann sehr wahrscheinlich viele Einsprüche folgen, die dann erst noch vor Sportgerichten verhandelt werden. Da ist eine Fortführung schon planbarer, nur der Zeitpunkt, wann weitergespielt wird, ist eben unsicher“, so Krämer.

Knappe Mehrheit für ein Fortsetzung der Saison

Mit 50,14 Prozent hat sich eine knappe Mehrheit der Vereine im Fußball-Verband Mittelrhein (FVM) für eine Fortsetzung der Saison 2019/20 frühestens ab Herbst 2020 ausgesprochen. Insgesamt nahmen 696 (82,56%) der am Spielbetrieb teilnehmenden Vereine an der Online-Abstimmung zur Erstellung eines Meinungsbildes innerhalb des FVM teil. Das Ergebnis wurde unter notarieller Aufsicht festgestellt. „Die Corona-Krise stellt auch für den Amateurfußball eine große Herausforderung dar. Der FVM hat von Beginn an transparent und offen in vielen Videokonferenzen mit den Vereinen kommuniziert”, sagte FVM-Präsident Bernd Neuendorf. „Wir haben als Verband Position bezogen und für die Fortsetzung der Saison geworben. Wir danken allen Vereinen, dass sie sich so zahlreich an den Konferenzen und an der Umfrage beteiligt haben“, so Neuendorf. „Präsidium und Beirat des Fußball-Verbandes Mittelrhein sowie Verbandsjugendausschuss und Verbandsjugendbeirat werden sich angesichts des knappen Ausgangs zeitnah mit dem Ergebnis des Meinungsbildes auseinandersetzen und über das weitere Vorgehen entscheiden.“

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